Eizellspenderinnen

Eizellspenderinnen

Postby yourAngel on 27 May 2016, 20:01

Das Thema Eizellspende beschäftigt mich schon seit ein paar Monaten. Es ist für meinen Mann und mich (nach 5 ICSIs) die einzige Möglichkeit, noch Kinder zu bekommen. Nun versuche ich mir die Frage zu beantworten wie ich mit der Eizellspende umgehen soll und ob sie der richtige Weg für mich ist. Wenn ich selber eine Tochter hätte und die würde sich als Eizellspenderin bewerben, wäre ich nicht unbedingt begeistert. Eizellen zu spenden ist eben einfach risikoreicher, als Samen zu spenden.
Ich kann mir nicht vorstellen, wer dazu bereit ist, seine Eizellen zu spenden? Ich möchte nicht, dass Frauen ausgenutzt werden, damit ich ein Kind bekomme. Mir geht es darum, dass es Frauen sind, die idealerweise schon Kinder haben und nicht irgendwelche gesellschaftlich schlechtgestellten Frauen, die es aus Geldnot tun.
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Re: Eizellspenderinnen

Postby Windchen210 on 27 May 2016, 20:13

Es gibt Frauen, die wirklich aus Überzeugung spenden, um damit anderen Paaren aus der Kinderlosigkeit zu helfen. Sicherlich gibt es auch Frauen, die es wegen des Geldes machen. In den meisten Kliniken wird jedoch nur eine "Aufwandsentschädigung" für die Spenderin bezahlt.
Wenn Du wirklich die Hintergründe über Deine Spenderin erfahren möchtest und vor allem, warum sie das macht, dann musst Du Dich an eine Klinik wenden, in der Du Dir die Spenderin per Katalog aussuchen kann. Unserem Wissen nach ist dies allerdings nur in den USA und in der Ukraine möglich. Dort gibt es Agenturen, die Spenderinnen vermitteln, diese Spenderinnen kannst Du meistens kennenlernen, dann erfährst Du natürlich etwas über die Hintergründe.
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Re: Eizellspenderinnen

Postby yourAngel on 27 May 2016, 20:16

Danke für Deine Antwort! Ich hoffe, in meinem Gespräch mit meinem Kiwu-Arzt bzw. der Klinik, die ich dann auswähle, mehr Infos darüber zu bekommen? Irgendwie bohrt das Thema sehr in mir. Ukraine - da graut mir eher davor - per Katalog und so. So viele Hintergründe will ich dann auch wieder nicht wissen. Die Anonymität ist für mich schon problematisch. Ich habe selbst erlebt, wie es ist, einen Vater zu haben, den man nicht kennt. Ich habe ihn dann noch kennengelernt und das hat mir schon sehr geholfen, meinen eigenen Weg zu finden. Vielleicht liegt der Fall bei EZS aber auch anders. Die Diskussionen dazu (Sagen oder nicht sagen) habe ich heute Vormittag gelesen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, obwohl ich sonst wie ein offenes Buch durch die Welt laufe - niemandem in meinem Umfeld über mein Vorhaben zu erzählen, um das Kind zu schützen. Aber dem Kind werde ich es wohl erzählen. Außer es ruht so in sich, dass es nichts zu erzählen gibt - nur die Pupertät ist - glaube ich - eine ganz schlechte Zeit dafür.
Eizellen von Frauen zu bekommen, die eine IVF oder ISCI planen, das hört sich zunächst gut an. Aber das sind dann wahrscheinlich auch eher Eizellen von älteren Frauen bzw. die haben eine schlechtere Qualität. Die guten werden doch in der Regel selber verwendet? Ich habe auch vor, eine Polkörper-Diagnostik machen zu lassen, das ist zwar keine Garantie für gesunde Kinder, aber ich spare mir dann evtl. Transfer, Hoffnung und Misserfolg. Das ist es mir wert! Ich glaube, viele Versuche und Fehlschläge kann meine Psyche nicht mehr verkraften. Wie seht ihr das?
Was mich in diesem Zusammenhang sehr interessiert, sind die medizinischen bzw. genetischen Fakten. Ist es wirklich so, dass durch die Schwangerschaft auch ein Teil von mir an das Kind weitervererbt wird? Das es ein anderes Kind würde, als im Bauch der Eizellspenderin? Das wirkt auf mich irgendwie beruhigend.
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Re: Eizellspenderinnen

Postby trixis on 27 May 2016, 20:27

Zu deiner letzten Überlegung, ob ein Kind, das du austrägst, nicht anders ist, als hätte es die genetische Mutter ausgetragen: ich denke, das ist auf jeden Fall so, denn das Kind erlebt ja deine Bewegungen, deine Emotionen, dein Umfeld mit und es soll wohl auch so sein, dass es zu einem gewissen Grad einen genetischen Austausch gibt. Vielleicht stellst du noch mal gesondert die Frage nach diesem Gen-Austausch, irgendjemand von den alten Hasen erinnert sich bestimmt. Ich hatte bei meiner Tochter nach der Geburt schon stark das Gefühl, dass sie ein Teil von mir ist.
Polkörperchendiagnostik sagt mir eigentlich nur in Zusammenhang etwas und ich dachte immer, dies sei eine deutsche Spezialität, da hier ja die "richtige" Präimplantationsdiagnostik verboten ist. Ist es denn bei Polkörperchendiagnostik so, dass man einfach mal nach allen möglichen Defekten schauen kann, oder so wie bei der PID, dass es eigentlich nur möglich ist, bei begründetem Verdacht auf einen bestimmten Gendefekt gezielt nach diesem zu suchen?
Bei der Anonymitätsfrage habe ich auch mitgepostet und ich für mich ist die Anonymität auch ein Problem. Ich bin selbst adoptiert und habe dies erst mit Mitte 30 selbst rausbekommen. Eine Spenderin aus dem Katalog hätte ich wie du aber ebenso gruselig gefunden. Das mit den Eizellen der Frauen, die selbst in Kinderwunschbehandlung sind, habe ich auch so gesehen, aber die Erfolge der Kliniken, die dies praktizieren, sprechen eine andere Sprache.
Ich bin zur EZS nach Spanien gegangen, weil ich glaube, bzw. glauben möchte, dass hier das Risiko geringer ist, dass existenzielle Nöte einer Spenderin ausgenutzt werden. Auch denke ich, dass die Kliniken es sich nicht leisten können, sich ihren Ruf dadurch zu ruinieren, dass sie die Spenderinnen hyperstimulieren und ihnen gesundheitlichen Schaden zufügen - auch dort gibt es schließlich eine Mediendemokratie. Ich möchte glauben, dass es junge Frauen sind, die hilfsbereit sind, Mut zum Risiko haben - wie wir Empfängerinnen auch - und vielleicht gerade keine Zeit haben, einen Job zu machen, der zeitaufwendiger ist. Du hattest noch gefragt, wo du die besten Infos über die Spenderinnen bekommst - in Spanien sicher nicht, dort sind alle Infos verboten, die über die Angabe von Alter und Blutgruppe hinausgehen. Ich hätte vielleicht keine Spende angenommen, wenn ich nicht selbst einige IVFs hinter mir gehabt und diese als körperlich nicht besonders belastend empfunden hätte.
Liebe Grüße
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Re: Eizellspenderinnen

Postby tilda on 27 May 2016, 20:30

Nachdem ich jetzt eine Tochter mit EZS bekommen habe, glaube ich, dass da was dran sein könnte. Ich finde durchaus etwas von mir in ihr. Mag sein, das ist Zufall oder Wunschdenken - oder gute Auswahl der Klinik. Was mir jedenfalls in letzter Zeit noch mal so richtig klar wurde: auch genetische Eltern kriegen keinen Klon, und auch genetische Eltern stellen fest, dass ihr Kind nicht in allen Details so ist, wie sie sich es vielleicht erträumt haben. Jedes Elternpaar, egal wie es Eltern wurde, muss also das eigene Kind annehmen. So, wie es ist.
Mit EZS Mutter zu werden, ist nachher nicht so schwer, selbst für eine EZS-Skeptikerin wie mich. Du denkst relativ schnell nicht mehr dran, stelle ich fest. Schwangerschaft und Stillen sowie das Miteinander-Leben, das verbindet stärker als der Austausch von Chromosomen. Aber vorher muss man diese Dinge halt wälzen, so wie du es grade tust. Zum Schweigen würde ich dir auch unbedingt raten, also dem Umfeld gegenüber. Polkörperdiagnostik halte ich auch für übertrieben. Die Erfolgsraten mit EZS sind sehr hoch.
Ich wäre nicht in die Ukraine gegangen, weil ich dort Angst gehabt hätte, ob Spenderinnen irgendwie ausgenützt würden (z.B. auch von zuhause aus, noch nicht mal von der Klinik). In den einschlägigen Reportagen (leider auch letztens in meiner heißgeliebten "ZEIT") werden immer dieselben überstimulierten Rumäninnen vorgeführt. Ich kann es nicht mehr lesen. Also, England (als Handelspartner dieser EZ)wäre auch nicht in Frage gekommen.
Bei der Eizellspende kriegst du keine 2. Wahl. Aber alles hat seine Vor- und Nachteile. Leicht ist es nicht, dieses Thema. Also für diejenigen unter uns KIWulerinnen, die unbedingt ein Kind haben wollen. Es gibt ja auch Frauen, die sich mit dem Verzicht relativ leicht tun.
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Re: Eizellspenderinnen

Postby Siri on 27 May 2016, 20:31

Hallo,
ich habe vor einiger Zeit hier auch schon mal von dem angeblichen Genaustausch gelesen. Leider habe ich im Internet nichts dazu gefunden. Ich gebe hier ganz ehrlich meine Skepsis preis, denn ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie ein Genaustausch funktionieren soll. Mit der Befruchtung sind alle Erbanlagen festgelegt, der Bauplan steht. Ich rede jetzt nicht von Bewegungen, Gefühlen etc., die ein Kind im Mutterleib erfährt und sicher auch davon geprägt wird, sondern speziell die Gene. Natürlich lasse ich mich gern eines Besseren belehren und frage, kennt hier jemand wiss. Quellen, wo man darüber lesen kann?
Liebe Grüße
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Re: Eizellspenderinnen

Postby Ruth on 27 May 2016, 20:44

Ich kann sagen, dass auch genetische Eltern keinen Klon bekommen, denn es gibt unzählige Kombinationsmöglichkeiten der Gene! Ich denke, eine Ähnlichkeit zwischen dir und deiner Tochter ist einfach damit zu erklären, dass die Kinder die Mimik abgucken und natürlich wird dein Töchterchen in all deinen Verhaltensweisen durch dich geprägt.
Ein lustiges Beispiel: Ich habe eine Freundin, die, lange ist es her, ein Mädchen adoptiert hat. Dieses Mädchen ist heute eine erwachsene Frau und hat wiederum ein Mädchen geboren. Wenn meine Freundin mit ihrer Enkelin unterwegs ist, wird ihr ganz oft gesagt, dass die Kleine ganz nach der Oma kommt. Sie sieht ihr wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten aus und niemand käme auf die Idee, dass sie nicht der leibliche Enkel ist.
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Re: Eizellspenderinnen

Postby yourAngel on 27 May 2016, 20:58

Da auch bei jungen Frauen Eizellen mit Chromosomen-Störungen vorkommen, habe ich eigentlich vor, diese Analyse machen zu lassen. Ein Grund dafür ist meine eigene Geschichte. Ich habe 4 ISCIs über mich ergehen lassen, bis ich dann bei der 5. endlich über die Polkörper-Diagnose das niederschmetternde Ergebnis bekommen habe: in allen Eiern, die untersucht werden konnten (manchmal funktioniert das Untersuchen aus technischen Gründen nicht) gab es Chromosomen-Störungen, in manchen waren 3 von 5 Chromosomen fehlverteilt. Das einzige Ei, was übrig blieb konnte nicht untersucht werden und ich habe es mir einsetzen lassen. Wahrscheinlich war es aber auch nicht in Ordnung.
Hätte ich schon bei früheren ISCIs meine Eier untersuchen lassen, wäre man vielleicht schon früher darauf gekommen, dass man mit meinen Eiern keinen Blumentopf gewinnen kann. Dann hätte ich viel Lebenszeit, Energie, Geld und Nerven, aufwendige andere Ursachenforschungen, etc. eingespart - aber das ist eine andere Geschichte. Mir kommt es so sinnlos vor, mehrere Embryonen einsetzen zu lassen, die gar nicht lebensfähig sind, damit ein paar Wochen herumzulaufen und dann die große Enttäuschung. Natürlich ist die Gefahr der Chromosomenfehlverteilung bei jungen, gesunden Frauen viel geringer und natürlich mache ich mir etwas vor, wenn ich glaube, genetisch korrekte Polkörper sind der 100%ige Garant für ein gesundes Baby. Wahrscheinlich muss ich auch akzeptieren, dass eine ISCI eine Art Lotterie ist wie das wirkliche Leben halt, aber so kann ich wenigstens ein bischen kontrollieren. Falls ich aus mehreren Eiern auswählen kann, kann ich sicherer sein, die richtigen bekommen zu haben und wenn es kein einziges Ei gibt, das den Test besteht kann ich mir ggfs. einen Transfer und alles was danach kommt ersparen.
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Re: Eizellspenderinnen

Postby yourAngel on 27 May 2016, 21:06

Als ich gelesen habe, dass ich in Spanien keine Info bekommen kann, wurde mir ganz unwohl ums Herz. Ich bin offensichtlich ein Mensch, der am liebsten immer alles unter Kontrolle haben möchte. Kinder kriegen ist aber eines der letzten Abenteuer auf dieser Welt und schon für sich genommen für mich ein echtes Angehen. Deshalb hat die Tatsache, dass ich nicht einfach ein Kind bekommen habe, sondern das Kinderkriegen schon im Vorfeld geplant werden muss und jeder Schritt so transparent ist (oftmals merken Frauen unter normalen Umständen ja gar nicht, dass sie schwanger sind oder eine frühe FG haben) mich fast in den Wahnsinn getrieben.
Wenn ich jetzt höre, dass ich nur das Alter und die Blutgruppe erfahre, weiß ich nicht, ob ich das aushalte, ob ich soviel Mut habe. Sofort muss ich daran denken, was wäre wenn das Kind dick und hässlich und dumm ist, weil seine Mutter es auch war. Hört sich schlimm an, oder? Ich glaube, man kann das nur schaffen, wenn man das Leben als solches annimmt und Vertrauen hat. Ich habe das Gefühl, mich kopfüber in etwas zu stürzen, was ich nicht mehr kontrollieren kann. Und so ist es doch auch. Wenn mein Kind spargeldürre Beine und eine große Nase hat, dann weiß ich zumindest, o.k. das hat sie von mir (leider sind meine Beine jetzt inzwischen dicker geworden)
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Re: Eizellspenderinnen

Postby Ruth on 27 May 2016, 21:37

Wir haben EZS gemacht. Ich hatte dort keinerlei ethische Bedenken, wobei die recht respektable "Aufwandsentschädigung" eine gute Motivation gewährleistet. Immerhin müssen die jungen Frauen sehr diszipliniert den Stimu-Plan einhalten (es wird 1:1 synchron mit der Empfängerin stimuliert) und sich auch ansonsten gesundheitsbewußt verhalten.
Es sind Studentinnen, meist aus Österreich oder Deutschland, die die EZS statt eines anderen Jobs machen. Sie werden gut aufgeklärt und betreut, und auf genet. Störungen hin untersucht (Blut). Alles in allem ein großer Aufwand. Unsere Spenderin hatte 16 Follikel - man arbeitet gewissenhaft und würde keine Übestimulation riskieren.
Nach meiner ICSI-Erfahrung kann ich mir gut vorstellen, daß ich selbst in jungen Jahren,
hätte es die Option zur EZS damals konkret gegeben, auch gespendet hätte.
Die Erwartung, die Spenderinnen sollten altruistisch motiviert sein und aus Idealismus spenden halte ich für naiv. Es ist ein Geschäft und eine Dienstleistung, und warum auch sollte es was anderes sein? Genauso ernüchternd ist doch die Einsicht, daß sich letztlich nur Privilegierte (also wir hier alle) die EZS leisten können. Auch dazu sollte man stehen. Die Realität ist nicht rosiger.
Die PID bestätigte bei uns übrigens genau den statistischen Durchschnitt für mein Alter (40 Jahre = 70% der EZ genet. defekt). Der Weg bis zur EZS hat uns also auch erstmal viel von allem gekostet. Alles Liebe und eine gute Entscheidung
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