Frage der Epigenetik

Frage der Epigenetik

Postby Agnes.frankes on 08 Nov 2016, 20:58

Ich will mit euch über Epigenetik in EZSP sprechen. Obwohl ich diese Möglichkeit seit ca. 2 Jahren grundsätzlich in Betracht ziehe, kann ich innerlich noch nicht mit eigenen Eizellen abschließen. Schwierig gestaltet sich die Auseinandersetzung damit auch dadurch, dass ich selbst von Reproduktionsmedizin-Experten unterschiedliche Auffassungen erzählt bekommen habe:
Der eine hat sich auf den noch relativ neuen Forschungszweig der Epigenetik bezogen und gemeint, dass dadurch ein Viertel bis ein Drittel der Gene der austragenden Mutter trotz Eizellspende auf das Kind übergehen - nicht nur von innerlichen, sondern auch von optischen Merkmalen. Das lässt sich natürlich schwer überprüfen, weil die Eizellspenderin ohnehin häufig auch nach optischen Übereinstimmungen mit der Empfängerin ausgewählt wird. Als wissenschaftliche Erklärung für diese 25 - 30% hat der Experte angeführt, dass sich durch diverse Methylierungsprozesse Phosphate und Proteine der Empfängerin an die lange Zeit als "Junk-DNA" bezeichneten leeren Stellen der DNA des Embryos anhängen.
Über das Imprinting habe ich ja schon einiges gelesen. Aber bezieht sich das nicht ausschließlich darauf, dass dadurch jeweils die Gene des Samengebers (in unserem Fall wäre der Partner möglich und keine Samenspende erforderlich) und der Eizellspenderin an- oder ausgeschaltet bzw. in unterschiedlichen Ausdrucksstärken moduliert werden? Was ja an sich schon eine faszinierende Tatsache ist. Aber mir stellt sich die Frage, ob es da nicht völlig egal ist, von welcher austragenden Frau dann die Phosphate und Proteine kommen. Kommt es da nicht ausschließlich darauf an, welche Kombination des Erbmaterials der Samen- und der Eizelle von der Natur als sinnvollste Variante gewählt wird?
Wenn sich wirklich 25 - 30% meiner Gene an die nächste Generation bzw. auch an übernächste Generationen vererben ließen, fände ich die 70 - 75% Fremdmaterial sogar als vielleicht gesunde Erweiterung. Das würde mir den entscheidenden Impuls geben, mich von meinen eigenen Eizellen verabschieden zu können. Meine behandelnde KIWU-Ärztin wiederum ist der Ansicht, dass ein mithilfe einer Eizellspende entstandenes Kind so gut wie keine genetische Verwandschaft zur austragenden Mutter aufbaut und ausschließlich die Gene der EZ-Spenderin in sich trägt.
Zwar auch noch als Einstellung verarbeitbar, aber wesentlich schwieriger wäre für mich die trockene Überlegung, dass ein Kind durch fremde Eizelle immer noch befriedigender ist als gar kein Kind zu bekommen. Schon im Voraus danke ich für hilfreiche Gedanken und fundierte Informationen!
Liebe Grüße
Agnes.frankes
 
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Bibolina on 08 Nov 2016, 21:05

Darf ich nachfragen, warum es für dich so wichtig ist, das Kind aus einer Eizellspende auch noch genetisch zu prägen? Ist das nicht eigentlich auch nur ein Verdrängen der eigentlichen Problematik (das eigene Ego) Ich kenne das auch. Ich habe etliche Zeit benötigt, um mich der Eizellspende anzunähern. Bis ich diesen ganzen Kram der Genetik einfach gedanklich über Bord geworfen haben. Es geht doch eigentlich nur um das Kind und nicht um die Genetik. Auch wird die Epigenetik völlig überbewertet von uns Empfängerinnen der Eizellspende. Diese ganze um die Genetik existiert doch nur in Deutschland. Im Ausland ist die Eizellspende eine ganz normale reproduktive Maßnahme und wird ganz entspannt betrachtet. Die Mitochondrienspenden ermöglicht es Frauen mit mitochondrialer Krankheit, in Zukunft gesunde Kinder zur Welt zu bringen. Das ist gut und sollte auch so bleiben. Ich wünsche dir alles Gute und viel Glück auf deinem Wege. LG
Bibolina
 
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Engeline on 08 Nov 2016, 21:17

Mit medizinischen Fakten kann ich leider nicht dienen, aber vielleicht mit einigen Gedanken.
Gefühlsmäßig würde ich schon sagen, dass trotz fremder EZ, einiges von dir in dem Kind steckt, immerhin trägst du es 9 Monate lang aus, deine Blut zirkuliert durch Plazenta und Baby, es spürt dich, deine Emotionen, etc. Ob sich das genetisch direkt auswirkt, kann ich nicht sagen, aber die Gene sind ja nur die halbe Miete, entscheidend für die Entwicklung und die Persönlichkeit eines Kindes ist ja auch das soziale Umfeld und da du das Kind austrägst, bist du ja wirklich von Anfang an dabei. Im Gegensatz zu adoptierten Kindern wird sich so auch nie die Frage stellen, warum die biologische Mama es nicht gewollt hat. Hinzu kommt ja auch, dass dein Mann der biologische Vater wäre.
Vielleicht solltest du dir die Unterschiede zwischen EZ-Spende, Leihmutterschaft und Adoption bewusst machen. Nicht im medizinischen Sinne, das ist ja eindeutig, sondern im psychologischen. Und ich finde, dass es schon etwas völlig anderes ist, wenn man selbst mit seinem Kind schwanger ist, das ist einfach eine tolle Erfahrung und wenn du die Möglichkeit dazu hast mit deinem Plan B solltest du sie auf jeden Fall nutzen.
Ich hoffe, meine Gedanken machen deine trockene Überlegung etwas weniger trocken! Alles Gute!
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Re: Frage der Epigenetik

Postby eva2Abel on 08 Nov 2016, 21:25

Diese Gedanken habe ich auch. Obwohl es sicherlich oberflächlich betrachtet das Vernünftigste, weil erheblich Erfolgversprechendere wäre, meine KiWu-Leidensgeschichte durch eine EZS positiv zu beenden, schaffe ich es nicht, mich dazu zu entschließen. Manche können sich anscheinend leichter mit dem Gedanken anfreunden, eine heterologe EZ zu verwenden, ich nicht. Dass durch Epigenetik so viel (25 - 30%) wie von dem Experten vermutet von den Genen der Empfängerin auf das Kind übergehen, habe ich noch nie gelesen. Das wäre für mich auch bedenkenswert. Alles was ich darüber gelesen habe, geht nicht so weit.
Zu den Aufklärungsproblemen: ja, stelle ich mir so schwierig vor, wie bei einem Adoptivkind. Das würde mich aber nicht schrecken, das würde ich annehmen und zu bewältigen versuchen.
Ich hätte eher Angst, dass ich das Kind nicht genug lieben könnte und bei Problemen dann im Hinterkopf hätte, dass das eben die fremden Gene seien - das kommt mir selber absolut arrogant vor, vielleicht würde ich nie so denken, aber wenn? Ein Kind hätte das niemals verdient. Da ich das nicht ausprobieren kann, bleibe ich bei meiner Ablehnung der EZS für mich, bevor ich nicht zu 100% überzeugt bin, ein Kind durch EZS genauso vorbehaltlos annehmen zu können, wie eingenetisch eigenes. Viele Grüße
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Agnes.frankes on 08 Nov 2016, 21:27

Vielen Dank für eure motivierenden Gedanken zu meiner Situation! Für mich stünde im Falle einer EZS klar, dass ich mein Kind von klein auf häppchenweise über seine Herkunft aufklären und das mit ihm gemeinsam verarbeiten möchte. Dieser Weg wird häufig von Psychologen empfohlen. Es wäre mir auch sehr wichtig, dass mein Kind wüsste, bis zu welchem Grad es mit genetischen Vorbelastungen punkto eventuell auftauchender Krankheiten seiner sozialen Familie rechnen müsste und gegensteuern könnte und wo die Sinnhaftigkeit ärztlicher Familienanamnese-Gespräche enden würde. Durch die klare Vorabentscheidung für eine Aufklärung ergibt sich für mich aber ein potentielles weiteres Problem: Das Ungleichgewicht genetischer Zugehörigkeit im Vater-Mutter-Kind. Könnte das nicht z.B. ab der Pubertät des Kindes zu verletzenden Folgen führen? Nach dem Motto: "Du hast mir gar nichts zu sagen, Du bist ja nicht mal meine richtige Mutter! Wenn, dann lasse ich mir maximal von meinem Vater etwas sagen..."
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Fuchs on 08 Nov 2016, 21:34

Es betrifft bei uns die Samenspende. Da ist ausgeschlossen, dass mein Mann epigenetisch noch irgendeinen Einfluss hat… Wir haben uns aber damit vorher natürlich auch auseinandergesetzt und Spenderkinder haben, wenn sie frühzeitig aufgeklärt werden, nicht mehr Probleme als andere Kinder. "Du bist nicht mein Vater" sagen auch viele Kinder, bei denen der biologischen Herkunft sehr eindeutig ist, es ist ein typischer Pubertätsprozess der Abnabelung und trifft das in dem Fall nicht. Biologische Elternteil nur stärker.
Zur Epigenetik: das Spannendste ist ja, dass auch nach Abschluss der Embryonalentwicklung diese Prozesse weiter wirksam sind. Das heißt, du könntest zu einem gewissen Prozentsatz in der Schwangerschaft Gene aktivieren, auch wenn das Material von der Spenderin - aber auch noch nach der Geburt. Ich glaube Epigenetik ist auch dafür verantwortlich, dass sich Ehepartner irgendwann ähnlich sehen.
Mir persönlich wäre wichtig, dass die Spende nicht anonym geschieht, weil man von den Samenspenderkindern weiß, dass es wichtig ist, dass die Kinder ab 18 zumindest die Möglichkeit haben, an Informationen zu kommen. Viele haben sonst das Gefühl, dass ihre Biografie unvollständig ist.
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Re: Frage der Epigenetik

Postby kühn on 08 Nov 2016, 21:37

Ich denke, im Gegensatz zu Adoptivkindern muss sich ein Kind aus einer EZ-Spende nie die Frage stellen, warum es seine Eltern nicht gewollt haben. In der Pubertät sagen Kinder sicherlich gerne mal etwas, weil sie sich von den Eltern abgrenzen wollen, ihre eigene Identität suchen und dabei dann übers Ziel hinausschießen, ohne es oft zu merken, dass sie verletzend werden (als Lehrerin merkt man das immer wieder: man ist halt der Lehrer, oder der Elternteil, nicht die individuelle Persönlichkeit). Aber das sind Ausnahmesituationen, die sicherlich nichts mit deinem grundsätzlichen Verhältnis zu deinem Kind zu tun haben. Deshalb würde ich mir keine Sorgen machen. Ehrlich gesagt denke ich, dass du dir zu viele Gedanken machst und an die Situation etwas zu verklopft rangehst. So, wie du dein Kind sofort lieben wirst, wird es dich als deine Mutter lieben, Beziehungsprobleme gehören immer dazu, sei es zwischen Ehepartner, biologischen Kindern und ihren Eltern und sämtlichen Zwischenschritten. Und diese Probleme kann man nicht im Vorhinein lösen, sondern erst dann, wenn sie entstehen.
Zudem habe ich den Eindruck, dass deine Entscheidung dafür schon gefallen ist, trotz aller Bedenken. Mein Rat: Nimm sie an und versucht euer Glück! Ihr habt es euch verdient.
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Lisa_vogt on 08 Nov 2016, 21:40

Ich habe mich mit Epigenetik nicht auseinander gesetzt. Muss aber echt sagen sehr interessant das ganze. Unsere Zwillinge verdanken wir der Embryonenspende, genetisch also nichts von uns, aber und das ist immer mehr verwunderlich für uns, unser Sohn ist optisch und charakterlich ein Abklatsch meines Mannes. Die Maus sieht mir kaum ähnlich, sieht aber dem Bruder sehr ähnlich. Beide haben blaue Augen (Spender und mein Mann grüne ich braun), das ist das einzige was voll aus der Reihe fällt. Die Mimik der Maus ist von mir auch ihre Art zu reden und das schimpfen kommt ganz nach mir.
Wir werden unsere Kinder auch früh aufklären und finde das auch sehr wichtig. Vor Sätzen wie du bist nicht meine Mama oder so hab ich kein Bammel, ich habe das in der Pubertät mindestens 1x die Woche zu meiner Mutter gesagt und da ich wie ihr jüngeres ich aussehe lässt sich das nicht abstreiten. Ich wünsche dir das du bald licht am Ende des Tunnels siehst und ganz klar eine Entscheidung für dich (euch) treffen kannst.
LG
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Louisa1998 on 08 Nov 2016, 21:43

Es ist eine schwierige Entscheidung und auch eine tief emotionale! Es ist zuerst sehr schmerzhaft und traurig zu begreifen, dass man kein genetisch eigenes Kind zeugen kann. Wenn diese Tatsache verarbeitet und akzeptiert ist, dann kann man über Eizellenspende oder Embryonenspende nachdenken. Unsere Tochter ist durch Embryonenspende entstanden. Ob sie uns optisch ähnlich ist? Viele sagen, dass sie meinem Mann ähnlich ist. Ich finde es generell schwierig Ähnlichkeiten zu sehen... Charakterlich? Keine Ahnung - sie ist noch so jung...Aber mehr lieben können wir sie nicht.... Sie ist einfach toll! Und nun spiele ich weiter mit meiner süßen kleinen Tochter - die ohne EZSP und BioTexCom Team nicht bei uns wäre. Mit der ich mich auch durch die neun Monate Schwangerschaft sehr verbunden fühle. Sie ist unsere Tochter - fertig! Mit der Aufklärung beginnen wir sie sehr früh und altersgerecht. Ich hoffe, dass sie unsere Beweggründe und ihre Entstehung verstehen und akzeptieren wird!
Alles Gute
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Re: Frage der Epigenetik

Postby majorka4 on 08 Nov 2016, 21:46

Die Frage nach dem "Wann" kann dir hier keine beantworten...Es ist deine eigene innere Stimme, die dir die Antwort gibt. Mir war bei ICSI Nr. 5 klar, dass es so nicht weitergeht (13 Eizellen, 9 befruchtet und alle genetisch auffällig). Die sechste ICSI haben wir dann noch einmal in einer anderen Klinik gemacht, um wirklich ein allerletztes Mal zu sehen, dass nichts mehr geht... Und dann war es 100%ig klar, dass es keine Eigenversuche mehr gibt. Ich wollte keiner Hoffnung hinterher laufen, die sich nicht erfüllen lässt. Jede Frau hat ihre persönliche Grenze. Ich würde dir aber aufgrund deines Alters ehrlich gesagt raten gleich auf Eizellenspende umzusteigen - da ja das Alter nicht nur für die Zeugung eine Rolle spielt!
Dir alle Gute
majorka4
 
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