Frage der Epigenetik

Re: Frage der Epigenetik

Postby trixis on 09 Nov 2016, 00:22

Es tut mir leid, dass du auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen kannst. ABER. Es macht durchaus Sinn, dass in Deutschland die Eizellspende im Gegensatz zur Samenspende nicht erlaubt ist. Denn es ist ein Riesen-Unterschied, wie diese Geschlechtszellen gewonnen werden: Bei einer Samenspende geht der Mann mal vorbei und liefert seine Probe ab, wie für ein SG. Kein Problem, keine Gesundheitsrisiken für einen gesunden Mann. Für eine Eizellspende muss die Spenderin dagegen eine aufwändige Hormonbehandlung über sich ergehen lassen. Dazu dann die Narkose bei der Punktion. Alles mit erheblichen Risiken verbunden: Die Stimulation kann den körpereigenen Hormonhaushalt und damit die eigene Fruchtbarkeit beeinträchtigen, und die Punktion ist als Operation mit allen entsprechenden Risiken behaftet. Ganz zu schweigen von den Gesundheitsgefahren bei Überstimulation etc. Viele Frauen hier können dir davon erzählen, was für eine hohe körperliche Belastung eine solche Behandlung darstellt.
Damit eine Frau eine solche Prozedur auf sich nimmt, kann sie also eine entsprechende Vergütung verlangen. Das wiederum führt aber dazu, dass es vor allem junge Frauen in finanziellen Notlagen sind, die sich dafür zur Verfügung stellen - naiv, und nicht die eigenen Risiken bedenkend! Und wenn sie dann 10 Jahre später ein eigenes Kind wollen, haben sie eventuell den Salat...
Mein persönlicher Standpunkt ist also, dass man Eizellspende nicht unterstützen sollte. Aber natürlich sehe ich auch die andere Seite - sicher ist es schöner, wenn man wenigstens schwanger sein darf, und die Beziehung zum Kind ist zwangsläufig eine Andere als bei einer Adoption. Insofern wäre für mich z.B. im Falle eines Falles eine Samenspende vermutlich in Betracht gekommen. Aber eine Eizellspende würde ich für mich aus den oben genannten Gründen ablehnen. Ich werde aber niemanden verurteilen, der sich dafür entscheidet, und wenn Du es machen wirst, werde ich Dir mindestens genau so die Daumen drücken, wie allen anderen ICSI- und IVF- Frauen hier...
Wünsche Dir alles Gute und viel Kraft fuer Eure Entscheidung
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Agnes.frankes on 09 Nov 2016, 00:25

Du hast natürlich absolut Recht! Das sind auch meine Bedenken. Ob nun sinnvoll oder richtig wollte ich deshalb wenigstens Länder bevorzugen, wo die Armut der Menschen sie nicht zu solchen Schritten treibt, wobei man das mit Sicherheit auch so nicht sagen kann. Ich glaube, soviel ich bis jetzt in Erfahrung gebracht habe, wird in manchen Ländern vorausgesetzt, dass die Spenderinnen bereits eigene Kinder haben... Das wäre dann auch ein Kriterium. Andererseits hatte ich mir gedacht, wenn bei mir Eizellen/Embryos übrig blieben, warum darf ich die eigentlich nicht zur Adoption frei geben? Eben solchen Leuten eine Chance geben, bei denen es anders so gar nicht klappt...
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Re: Frage der Epigenetik

Postby trixis on 09 Nov 2016, 00:29

Also allerdings werden doch nach der Punktion alle EZ versucht zu befruchten, oder? Man weiß nicht, bei wie vielen es klappt. Und dann wären wir beim Thema der Embryonenspende statt EZ-Spende. Das Problem ist, dass die Prozedur ja sicherlich auch für die Empfängerin teuer sein wird. Die Kliniken wollen auch ein Geschäft machen und nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Wer aber viel bezahlt, will natürlich auch gute Qualität dafür - und ohne jemandem auf den Schlips treten zu wollen, aber von Frauen, die sowieso schon Schwierigkeiten hatten, ss zu werden und meist auch schon überdurchschnittlich alt sind... Zumal die Kliniken auch alles tun werden, um eine hohe SS-Quote zu erreichen, denn sie stehen auch im Wettbewerb. Ich kenne das Problem aus der Diskussion um embryonale Stammzellen. Da wurde auch vorgeschlagen, überzählige Embryonen aus den KiWu-Kliniken zu nehmen, aber das wird von der Wissenschaft generell abgelehnt, weil die Qualität meist einfach nicht gut genug ist. Sorry, wenn ich das hier so sage, ist nicht böse gemeint, und soll ganz bestimmt keine Abwertung der in vitro entstandenen Kinder sein, kenne selber zwei Exemplare!
Aus den Gründen finde ich es auch fragwürdig, ob Kliniken wirklich nur von Frauen nehmen, die schon eigene Kinder haben und daher zwangsläufig schon älter sind. Und selbst wenn, auch ältere Frauen entscheiden sich manchmal noch für ein weiteres Kind... Es bleibt für mich einfach ein schwieriges Thema. Allerdings ist es auch leicht, aus meiner Position heraus eine ablehnende Meinung zu vertreten...
LG
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Agnes.frankes on 09 Nov 2016, 00:33

Muss nicht sein, dass die Frauen alle Älter sind, hier sind viele, die mit bereits mit ICSI anfangen. Abgesehen davon muss bei denen auch oft gar nicht was nicht stimmen, so dass die Qualität schlechter wäre als bei Eizellspenderinnen resp. natürlich dann Embryonenspende...
Wie ich auch schon geantwortet habe, ich habe diese Frage extra in diesem Forum gestellt, um eben gerade auch die kritischen Stimmen zu lesen. Daher vielen Dank dafür!
Übrigens wünsche ich Dir natürlich alles, alles Gute mit Deinem Krümel
LG
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Windchen210 on 09 Nov 2016, 00:36

Eine ganz klare Meinung hab ich leider dazu nicht, aber einen Gedanken. Wenn man selbst von einem Thema nicht betroffen ist, wie vom Problem, zu wenige oder schlechte Eizellen zu haben, stellt man sicher auch die kritischen Seiten sehr in den Vordergrund. Ist man aber selbst betroffen, so wie Du, öffnet man sich so einer Möglichkeit mit Sicherheit ganz anders. Ich hätte mich vor zwei Jahren jemand um meine Meinung zum Thema ICSI gefragt, wäre die wohl auch etwas anders ausgefallen als heute, wo ich selbst betroffen bin.
Also… Wenn man die Möglichkeit im Ausland hat und sicher sein kann, dass das ganze seriös vonstatten geht, d.h., ohne dass dafür junge Frauen missbraucht und ausgebeutet werden,
kann es ja durchaus eine ernsthafte Überlegung wert sein. Und ich glaube, es ist von Frau zu Frau sehr verschieden, in wieweit man sich dann als biologische Mutter fühlt. Ich könnte es für mich, ehrlich gesagt, zurzeit nicht beantworten. Liebe Grüsse und ich wünsche Dir, dass Ihr für Euch die richtige Entscheidung trefft.
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Re: Frage der Epigenetik

Postby yourAngel on 09 Nov 2016, 00:39

Sicherlich hast Du recht, dass es leicht ist, kritisch zu sein, wenn man nicht selbst betroffen ist. Und ich weiß auch nicht, ob ich wirklich das Recht habe, mich hier einzumischen und meinen Senf dazuzugeben. Aber ich habe hier auch schon gelesen nach dem Motto „Ist doch voll blöd und ungerecht, dass in Deutschland keine Eizellspende erlaubt ist, Samenspende ist doch auch erlaubt, was einfach nur kurzsichtig ist. Man hat doch auch ein Recht, alle Seiten zu erfahren, oder? Ich habe inzwischen gemerkt, dass ich mich mit dem Thema vor unserer IUI eigentlich viel zu wenig auseinandergesetzt habe, und jetzt habe ich manchmal meine Zweifel, ob wir nicht übereilt gehandelt haben. Trotz des rundum positiven Ergebnis. Aber nun ist es nicht mehr zu ändern.
Wünsche Dir alles Gute
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Engeline on 09 Nov 2016, 00:40

Ich stimme Dir 100% zu. Es ist schon absolut notwendig, sich kritisch mit den diversen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und dann für sich persönlich die Grenze zu ziehen. Wie weit geht man für ein Kind? Der eine würde schon eine IUI ablehnen, der andere das volle Programm in Südafrika durchziehen, es ist manchmal schwer, für sich zu entscheiden, das mache ich jetzt bewusst nicht mehr. Mit dem übereilten Handeln, Du wirst es im Nachhinein nie herausfinden, aber nachdem sich viele hier so schwer tun, sei einmal positiv oberflächlich und freu Dich einfach nur (ich hoffe, Du verstehst mich jetzt richtig).
Wir haben für uns entschieden, noch 2-max. 3 Versuche in Bregenz zu wagen, dann definitiv einen Schlussstrich zu ziehen und uns nach einer Trauerphase, um eine Adoption zu bemühen.
Liebe Grüsse und alles Gute für Euch!
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Fuchs on 09 Nov 2016, 00:48

Ich denke auch, dass man die Gedanken „Adoption/Pflege“ keinesfalls übers Knie brechen soll. Bei mir spielt auch ganz arg mein eigener Werdegang eine Rolle bei unserer Entscheidungsfindung. In meinen Augen gibt es keine bessere oder schlechtere Entscheidung - jeder sollte wirklich den Weg beschreiten, mit dem er sich selbst identifizieren kann, solange dieser Weg anderen Menschen nicht schadet. Und Schaden kann fast bei jedem dieser Wege entstehen, wenn man ehrlich gegen sich selbst ist. Bei Adoption kann man in Kinderhandel geraten, bei Pflege kann es sein, dass man die leiblichen Eltern ausbooten möchte, bei Eizellenspende kann es Ausbeute der Spenderin sein (und hier in D. ist sie ohnehin nicht legal),
bei Samenspende fällt mir gerade nix ein, aber da gibt es bestimmt auch was...Was ich damit sagen will: jeder Weg ist ethisch und unethisch zugleich....
Liebe Grüße!
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Agnes.frankes on 09 Nov 2016, 00:51

Ja, das Thema hatten wir schon einmal... Trotzdem muss ich gestehen, kann ich mich an den Gedanken Adoption nicht so recht gewöhnen. Deinen Link habe ich aber immer noch, vielleicht reift dieser Gedanke doch noch irgendwann heran. Genauso wie letztlich jeder Schritt zu diesem Thema (ICSI – ja oder nein) ein Entscheidungsprozess ist. Alle wären sicher froh, wenn man solche Entscheidungen gar nicht erst fällen müsste. Deine Entscheidung ist auf Adoption /Pflegekind gefallen... Es ist schön, wenn man mit einer Entscheidung dann auch so zufrieden sein kann. Für mich steht jetzt die Entscheidung an: Noch mal eine ICSI versuchen - es aufgeben und der Natur seinen Lauf lassen - Eizellspende - Adoption? Und ich muss gestehen, ich habe mich in meinem Leben noch nie so hilflos gefühlt!
Trotzdem für Deine Meinung.
LG
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Re: Frage der Epigenetik

Postby Nala on 25 Jun 2017, 01:10

Ich habe mich mit Epigenetik nicht auseinander gesetzt. Muss aber echt sagen sehr interessant das ganze. Unsere Zwillinge verdanken wir der Embryonenspende, genetisch also nichts von uns, aber und das ist immer mehr verwunderlich für uns, unser Sohn ist optisch und charakterlich ein Abklatsch meines Mannes. Die Maus sieht mir kaum ähnlich, sieht aber dem Bruder sehr ähnlich. Beide haben blaue Augen (Spender und mein Mann grüne ich braun), das ist das einzige was voll aus der Reihe fällt. Die Mimik der Maus ist von mir auch ihre Art zu reden und das schimpfen kommt ganz nach mir. Wir werden unsere Kinder auch früh aufklären und finde das auch sehr wichtig. Vor Sätzen wie du bist nicht meine Mama oder so hab ich kein Bammel, ich habe das in der Pubertät mindestens 1x die Woche zu meiner Mutter gesagt und da ich wie ihr jüngeres ich aussehe lässt sich das nicht abstreiten. Ich wünsche dir das du bald licht am Ende des Tunnels siehst und ganz klar eine Entscheidung für dich treffen kannst.
Nala
 
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