option?

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Postby Windchen210 on 25 Nov 2016, 01:55

Hallo,
ich bin 46 und mein Mann und ich haben eine 4jährige Tochter. Mit einem zweiten Kind hat es leider nicht mehr geklappt. Wir haben es vor zwei Jahren auch mit künstlicher Befruchtung versucht. Jetzt sind wir am Überlegen, ob ich mittels einer (nicht-anonymen) Eizellspende schwanger werden soll. Die Erfolgsaussichten wären relativ hoch. Für mich und meinen Mann wäre das emotional kein Problem. Was uns Sorge bereitet, ist wie wohl die Umwelt, also die Gesellschaft in der wir leben, damit umgehen wird. Wir würden unser Kind auf jeden Fall über seine Entstehungsgeschichte aufklären wollen. Was meint Ihr? Wird das Kind stigmatisiert werden? Wie steht Ihr generell zu dem Verfahren? Eure Meinung würde mich interessieren.
Windchen210
 
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Re: option?

Postby Engeline on 25 Nov 2016, 01:56

Wieso meinst du, die Erfolgsaussichten wären hoch? Da hab ich meine Zweifel, wenn es auf natürlichem Weg und IVF nicht mehr geklappt hat...Davon abgesehen finde ich nicht, dass der Zweck alle Mittel heiligt und man alles machen sollte, was möglich ist. Eine Eizellspende käme für mich nicht in Frage, für mich spielt beim Entstehen von Leben auch sowas wie die Seele eine Rolle. Und ich würde mir nicht das Recht herausnehmen wollen, einem Kind eine solche Situation im Hinblick auf die Identität und Herkunft vorsätzlich zuzumuten. Ich hätte auch gerne noch ein gemeinsames Kind mit meinem Partner gehabt, das hat aber - aus Altersgründen, denke ich - nicht mehr geklappt und ich denke, dann soll es auch so sein. Eine Erzeugung um jeden Preis ist nichts für mich. Und ich bin froh, dass das in Deutschland nicht erlaubt ist.
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Re: option?

Postby Agnes.frankes on 25 Nov 2016, 01:59

Ob eine Eizellenspende für mich persönlich eine Option wäre, weiß ich nicht. Einfach, weil ich darüber noch nie nachgedacht habe. Aber über Adoption habe ich nachgedacht. Zwischen Eizellenspende und Adoption sehe ich Parallelen: Man zieht ein Kind als das eigene auf, das genetisch aber von einer anderen Frau abstammt. Warum sollte eine Adoption also ok sein, eine Eizellenspende aber ethisch fragwürdig? Ich kenne Fälle von Adoption und stelle immer wieder fest: Wo die Eltern von Anfang an offen mit dem Thema umgingen und dem Kind alle Infos über seine Herkunft gewährten, haben sich die Kinder sehr gut entwickelt und bekamen keine Identitätsprobleme. Die Fälle, wo die Eltern versuchten, die Herkunft geheim zu halten und irgendwann (z. B. kurz nach dem 18. Geburtstag oder so) sind gründlich schief gegangen und die Kinder haben allen Boden unter den Füßen verloren.
Mir wäre es egal, was die Gesellschaft darüber denkt, wie ich mein Kind bekomme. Ich würde es auch nicht jedem auf die Nase binden. Was geht es denn die Bekannte oder Nachbarn an, wessen Gene mein Kind hat? Mein Kind ist mein Kind – Punkt. Letztlich würde ich höchstens engen Freunden und Verwandten von der Eizellenspende erzählen. Und mir gleichzeitig jede Verurteilung darüber verbitten. Das Kind allerdings hat jedes Recht auf Transparenz. Wenn es die Gelegenheit bekommt, irgendwann seine genetische Mutter kennen zu lernen, ist es optimal.
Ob ein Kind aus einer Eizellenspende stigmatisiert wird? Das Leben ist bunt und es gibt viele verschiedene Familienmodelle, bei denen die anderen vielleicht erst mal dumm gucken (z.B. Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern, Adoptiv-Kinder aus dem Ausland, Patchwork-Kinder etc.). Aber deshalb auf das Kind verzichten, nur um ihm eine Stigmatisierung zu ersparen? Nein. Wenn Ihr als Eltern mit der Eizellenspende kein Problem habt, und es versuchen wollt, wieso nicht. Für Eure Tochter wäre es sicher schön, nicht als Einzelkind aufzuwachsen.
Alles Gute
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Re: option?

Postby Bibolina on 25 Nov 2016, 02:09

Wie lange habt ihr denn geübt? Bist du gründlich untersucht worden, ist dein AMH getestet worden? Manchmal liegt es nur an Kleinigkeiten, die optimiert werden können, ich selber hatte z.B. eine leichte Gelbkörperschwäche, bin trotzdem sehr flott schwanger geworden, das 1.Mal ging fast sofort schief, das 2.Mal kommt nächsten Monat auf die Welt. Bin auch 44, werde bald 45.
Meine Frauenärztin war ganz optimistisch dass es noch klappen könnte, auch aufgrund des AMH, der angeblich der einer Mittdreißigerin war. Eines war für meinen Mann und mich von Anfang an klar: wenn es nicht klappt, bleibt es dabei, erzwungen wird nichts. Ich selber bin gegen EZ-Spende, weil ich der Meinung bin, dass es nicht erzwingbar ist, weder das Glück an sich, noch das man sich alle Wünsche erfüllen sollte, koste es was es wolle…Mein Mann und ich haben beide insgesamt 4 Kinder aus früheren Ehen, hätte es mit dem gemeinsamen nicht mehr geklappt, dann eben nicht. Ethisch bedenklich ist es schon, wenn Ei-und Samenzellen zur Handelsware werden, sogar regelrecht im Internet versteigert werden, wer setzt da noch Grenzen und was ist wirklich im Sinne des werdenden Kindes? Es geht immer nur um Wünsche, aber was das Kind selber angeht, scheint viele nicht wirklich zu interessieren. Das ist nicht mein Verständnis von Familie und Kinder kriegen, sondern sowas ist purer Egoismus. So unter dem Motto: wer sonst schon alles hat, das zum Ambiente passende Baby, für die 10 Minuten kuscheln am Abend, den Rest macht die Nanny. Es ist doch absurd, das Leute die sich niemals kennen lernen, ein Kind zusammen haben! Eine wie auch immer persönliche Bindung der Eltern, egal ob auf Dauer oder, gibt es ja auch, temoprär, wünscht sich glaube ich jedes Kind. Ich unterstelle dir natürlich nicht solche Motive. Und das Handel mit menschlichem Erbgut getrieben wird, halte ich auch für ethisch fragwürdig, fehlt nur noch die "Geld zurück Garantie" bei Nichtgefallen…Ich drücke dir die Daumen
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Re: option?

Postby Fuchs on 25 Nov 2016, 02:12

Du fragst, Warum sollte eine Adoption also ok sein, eine Eizellenspende aber ethisch fragwürdig? Weil kaum jemand bewußt ein Kind zeugt, um es dann zur Adoption freizugeben, diese Situation entsteht nicht vorsätzlich, sondern schicksalshaft. Das ist nicht zu verhindern, daraus kann man aber keine Rechtfertigung ableiten, so eine Situation gezielt herbeizuführen.
Wer sich mit Adoption beschäftigt weiß auch, dass das nicht spurlos an den Beteiligten und speziell dem Kind vorübergeht, sondern durchaus belastend sein kann, mal mehr mal weniger.
Und das, obwohl die biologische Identität da ja klar ist und nicht auseinanderdriftet wie bei der Eizellspende, wo genetische und biologische Mutter nicht die gleiche sind.
Ich persönlich kann mir schon keine IVF vorstellen und damit erst recht keine Eizellspende. Und ich kann mir gerade, wenn man schon ein Kind hat, nicht vorstellen, dass der Leidensdruck so groß. Abgesehen vom Prozedere, das mich abschreckt, verstehe ich nicht, warum eine Eizellspende so viel mehr Abwehr auslöst als eine Samenspende - oder würden das die Eizellspende-Gegner genauso ablehnen? Für mich käme beides nicht in Frage, was nicht heißt, dass ich das Verbot der Eizellspende bei erlaubter Samenspende verstehe...
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Re: option?

Postby Lisa_vogt on 25 Nov 2016, 02:15

Die meisten Frauen, die diese Methode nutzen, erzählen ihren Kindern nichts davon. Wir gehen den wahnsinnig langen und schwierigen und teuren Weg in die USA oder Ukraine, weil ich dort die Möglichkeit habe die Identität der Spenderin zu erfahren (falls mein Kinder später mal nach seinen genetischen Wurzeln suchen will) und weil die Spenderinnen dort auch wirklich bezahlt werden für ihre Spende. Wir wollen unser Kind aufklären.
Aber wir haben Angst vor Reaktionen aus dem Kindergarten, der Schule etc. Meine Frauenärztin hat mir von einem lesbischen Pärchen erzählt die sich ihren Kinderwunsch per Samenspende verwirklicht haben und die Kinder müssen viel einstecken. Das macht mir Angst.
Denn wie man auch hier lesen kann, gibt es doch in Deutschland (vielleicht auch aufgrund unserer Geschichte) ein großes Unbehagen gegenüber dieser Methode.
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Re: option?

Postby Louisa1998 on 25 Nov 2016, 02:18

Es ist ein unglaublich komplexes Problem, sowohl rechtlich als auch moralisch, bei dem man für ungefähr jedes Pro- Argument ein Contra findet. Ich bin davon überzeugt, dass man eine solide und fundierte Meinung hierzu erst haben kann, wenn man sich ziemlich lange und intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Subjektive Gefühle des Unbehagens bezüglich z.B. der Vorstellung, Lebensspende Zellen erwerben zu können oder Leben im Labor zu zeugen sind zwar ein nicht unerheblicher Aspekt der Bewertung, decken aber meiner Meinung nach das Spektrum für eine hinreichend reflektierte Meinung alleine nicht ab. Zu der Frage, ob man das Kind dann hänselt:
Vielleicht. Kinder werden gehänselt. Weil die Mutter zu dick ist, der Vater Lehrer, das Kind lispelt. Und Kinder werden wegen ganz gravierenden Dingen gehänselt, wie Religionszugehörigkeit, Behinderung und genetische Abstammung. Das alleine wäre für mich kein Grund, die Methode nicht wahrzunehmen. Dafür könnt ihr es immer noch stärken, schützen, lieben und es kann damit fertig werden. Oder auch nicht. Aber es kann auch an anderen Dingen scheitern. Für mich wäre es kein Grund, es nicht zu probieren. Euer Kind wäre sicher sehr geliebt. Für mich ist das entscheidend. Schön, wenn es einen neuen Menschen auf der Welt gibt, der geliebt wird. Eine andere Frage: Käme Adoption für Euch in Frage?
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Re: option?

Postby yourAngel on 25 Nov 2016, 02:23

Ich denke, in fünfzig oder hundert Jahren wird es solche Diskussionen überhaupt nicht mehr geben. Technischer und medizinischer Fortschritt macht Angst, das ist auch verständlich, denn er verändert eine Gesellschaft und ihre Strukturen erheblich. Aber wenn die Eizellenspende wirklich so verwerflich ist, warum ist sie dann in so vielen anderen Ländern erlaubt? Sicher nicht, weil die Deutschen moralisch überlegen sind.
Ich habe mein Kind auf natürlichem Wege bekommen, würde mir aber nie anmaßen, eine Frau zu verurteilen, die IVF, Eizellenspende oder sonst etwas versucht. Wie gesagt, ich habe eine Freundin, die nur dank Eizellenspende in der Ukraine ein Kind bekommen hat, und niemals würde es mir einfallen, diese glückliche kleine Familie schlechter zu bewerten als meine eigene. Ich finde nur eines wichtig: dass man ein Kind, das man wie auch immer bekommen hat, lieb hat und versucht, seine Sache als Eltern möglichst gut zu machen. Alles andere ist zweitrangig. Und Kinder verstehen und akzeptieren eine Menge, wenn man ehrlich zu ihnen ist und wenn sie merken, daß man sie liebt.
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Re: option?

Postby trixis on 25 Nov 2016, 20:24

Dieser Weg ist vielleicht nicht für mich… Das habe ich auch mal über die IVF gesagt. Als wir die Diagnose bekamen, dass es ohne ICSI nicht gehen wird, mußten wir ein halbes Jahr nachdenken und haben es dann probiert. Und es hat funktioniert. Und das wird hier gern vergessen, dafür gibt es auch in der modernen Reproduktionsmedizin keine Garantie. Nach der Diagnose dachten wir auch über eine Samenspende nach. Aber das Ungleichgewicht hat mir nicht behagt. Nennt es egoistisch, aber das konnte ich mir nicht vorstellen. Nun bin ich überraschend auf dem natürlichen Wege wieder schwanger. Ich denke jetzt schon viel darüber nach, ob es vielleicht doch auch gleich ohne ICSI geklappt hätte. Aber dann sehe ich meinen Sohn an und denke, völlig egal.
Was mich auch ein wenig gegen die EZ-Spende sein läßt: ich hatte selber Angst vor den Hormonen, die ich mir da spritzen mußte. Und ich habe einfach kein gutes Gefühl, eine andere Frau für mich da durch gehen zu lassen. Auch wenn sie dafür bezahlt wird. Das ist für mich eben doch ein bißchen Ausbeuten einer Bedürftigen. Ich will das jetzt nicht als Vorwurf hierherstellen, aber das ist eben mein Gewissen, das sich hier meldet. Ich habe mich sehr den Bestrebungen meiner FA widersetzt, eine Nackenfaltenmessung machen zu lassen. Es ist ein sensibles Thema. Wie weit gehen für ein Kind. Und ich stimme Tamsin zu, dem Kind muß man erklären, nicht irgendwem anders. Bei Euch ist die andersartige Zeugung ja nun nicht so offentlichtlich wie bei lesbischen Paaren. Den Vorteil könnt Ihr doch nutzen.
Ich wünsche Euch eine Entscheidung, mit der ihr gut leben könnt!
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Re: option?

Postby tilda on 25 Nov 2016, 20:37

Also was ich zum Thema sagen. Wärend meiner langjährigen ungewollten Kinderlosigkeit und der Kinderwunschbehandlung kam eine Eizellspende für mich nie in Betracht: dem Wohlbefinden der Eizellspenderin. Familie meiner Schwester fährt in die Ukraine, damit die Spenderin auch wirklich bezahlt wird.
Die Hormone, mit welchen ich mich behandelte, hatten erhebliche Nebenwirkungen, obgleich ich nur geringe Dosen brauchte. Bei Eizellspenden wird mit hohen Dosen die Follikelreifung stimuliert. Jemanden dafür zu bezahlen wäre mir so vorgekommen, als ob ich meine Probleme verkaufe: eine Frau ist in Not und verkauft einen Teil ihrer Gesundheit, und ich kaufe diese, um meine ungewollte Kinderlosigkeit damit zu bekämpfen... Nein! Meine Freiheit endet, wo die von jemand anderem beginnt. Entsprechend vehementer bin ich gegen Leihmutterschaft. Samenspenden sind nicht anstrengender als Selbstbefriedigung, deswegen sehe ich durchaus moralische Unterschiede zwischen beiden Verfahren. Pflegschaft und Adoption waren dagegen Optionen, die mein Mann und ich durchaus diskutiert haben. Mehrere Mitglieder meiner Großfamilie sind genetisch nicht mit uns verwandt, daher war uns diese Möglichkeit immer vor Augen. Von diesen Menschen weiss ich, dass sie erst weit in den erwachsenen Jahren ihre Familienzugehörigkeit für sich befriedigend definieren konnten, aber sie wurden und werden geliebt und sind starke Personen - und sie wechselten die Familie, weil sie bei ihren biologischen Eltern nicht bleiben konnten. Es war für sie selbst die beste Alternative. Voraussetzung für eine Adoption war für uns aber immer, dass wir sicher ausschließen können, dass eine Kinderhandel-Organisation dhintersteckt (sonst liefe es wieder darauf hinaus, unsere Probleme an Notleidende zu verkaufen). Für Inlandsadoption sind wir zu alt, Auslandsadoption ohne Kinderhandel ist mir nicht begegnet...
Zum Glück bin ich dann mit medizinischer Hilfe selbst schwanger geworden, das Kind kommt in ein paar Wochen zur Welt. Sonst wären wir wahrscheinlich kinderlos geblieben und hätten nach einer gewissen Trauerzeit auch damit gut leben können. Die Welt braucht auch Tanten und Onkel, nicht nur Eltern.
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