Soll Mann dem Kind erklären?

Soll Mann dem Kind erklären?

Postby omega on 05 Dec 2016, 00:53

Wir machen eine Eizellspende und warten gerade auf unsere Spenderin in Kiew. Und mich beginnt Fragen quälen. Werden nach eurer Ansicht mittlerweile die meisten Kinder über ihre Entstehung aufgeklärt oder wird darum immer noch ein großes Geheimnis gemacht? Vielleicht gibt es auch Mütter älterer Kinder, die bereits erste Erfahrungen gemacht haben und daher entweder für oder gegen die Aufklärung plädieren.
Wir selber sind beim Thema Eizellspende noch ganz am Anfang, haben uns aber entschlossen demnächst diesen Schritt zu gehen. Auch wenn es womöglich noch ein weiter Weg ist, spielt die Frage, ob ich meine Kinder später einmal aufklären möchte schon jetzt die entscheidende Rolle für mich. Ist es für die Kinder besser über ihre Herkunft Bescheid zu wissen oder stürzt sie das womöglich irgendwann in eine große Identitätskrise? Weiß jemand wie die aktuelle Meinung von Psychologen zu dem Thema ist? Ich würde mich über interessante Beiträge zu dem Thema freuen!
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby Engeline on 05 Dec 2016, 00:55

Wir haben uns mit der Klinik darüber unterhalten und dann habe ich mich noch in psychologischer Literatur erkundigt (die betrifft in Deutschland vor allem Kinder aus Samenspenden). Alle sind eindeutig der Meinung: Ja, man sollte es tun, und zwar so früh wie möglich. Es gibt sogar Kinderbücher über Eizellspende. Wenn das Kind mit dem Wissen aufwächst, droht ihm keine Identitätskrise. Wenn der Mensch es spät erfährt, ist sie vorprogrammiert und es gibt sehr drastische Konflikte in den Familien.
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby majorka4 on 05 Dec 2016, 00:57

Hallo,
meine Kinder sind jetzt 3 Jahre alt. Am Anfang wollte ich es auf keinen Fall sagen. Manchmal frage ich mich jetzt, ob es so richtig ist. Ich habe auch Sorge wie das Umfeld darauf reagiert. Meine Schwiegermutter z.B. weiß es auch nicht. Leider kann ich mit meinem Mann nicht so gut reden. Wenn ich ihn anspreche, dann kommt gleich, du wolltest es doch nicht sagen. Meine Mutter ist voll dagegen es den Kindern zu sagen. Wenn man aber sieht, wie schnell man einen Test jetzt schon machen kann, da komme ich ins grübeln. Es sind meine Kinder zu 100%. Wie reagieren die Kids dann mit 14? Ist es für sie dann alles noch schwerer?
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby Pika4u on 05 Dec 2016, 01:00

Hallo. Ich habe einen Sohn aus einer Embryonenspende und versuche gerade ein Geschwisterchen zu bekommen. Ich kann Dir nur sagen, Familiengeheimnisse sind sehr gefährlich! Dein Kind hat ein Anrecht auf Wahrheit und es ist eher schädlich es nicht zu erzählen. Wir treffen uns regelmäßig mit anderen Familien, die auch Eizellspende oder Embryonenspendenkinder haben, damit die Kinder miteinander aufwachsen und später auch jemanden kennen, mit dem sie sich austauschen könnten. Ich habe Bilderbücher und versuche immer, wenn es um Entstehung geht, dem Kleinen etwas zu erzählen. Wichtig ist das Kind zu stärken und ihm somit zu sagen, wie wertvoll und wundervoll es ist. Ganz egal wie er entstanden ist und das gilt ja für alle Kinder dieser Welt. Ganz viel Glück
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby omega on 05 Dec 2016, 01:05

Danke für Eure interessanten Antworten! Ich möchte meine Kinder auch über ihre Entstehung aufklären und kann mir vorstellen, dass dies im Kleinkindalter fast noch am einfachsten ist. Ein Familiengeheimnis finde ich auf Dauer auch sehr anstrengend und dem Kind gegenüber irgendwie unfair, gerade wenn andere aus der Familie oder dem sonstigen Umfeld eingeweiht sind.
Ich habe allerdings etwas Angst, dass unser Kind unbedacht anderen von seiner Entstehung erzählen könnte, weil es noch zu jung ist und noch nicht entscheiden kann, ob andere davon erfahren sollen. Da wir außerdem noch im Dorf wohnen, wäre so eine Information wahrscheinlich bald überall bekannt. Es würde mich grundsätzlich auch nicht stören, allerdings sollte unser Kind schon selber entscheiden, ob andere von seiner Entstehung wissen sollen und ich denke diese bewusste Entscheidung ist erst später möglich. Daher denke ich manchmal, dass es vielleicht besser wäre erst ein paar Jahre später, so ab 6 Jahren, mit der Aufklärung zu beginnen. Manchmal frage ich mich allerdings ohnehin, ob das Umfeld, dass von der Kinderwunschgeschichte und auch z.B. von der schlechten Eizellqualität weiß, nicht ohnehin eins und eins zusammenzählen kann und von selbst darauf kommt, dass eventuell fremde Eizellen im Spiel waren, gerade wenn nach diversen Fehlversuchen auch noch Zwillinge geboren werden... Andererseits wissen wohl die wenigsten, dass es überhaupt Eizellspende gibt und kommen wohl kaum auf die Idee, dass eine Frau, die ein Kind austrägt nicht die genetische Mutter des Kindes ist. Bis vor ein paar Monaten wäre ich auch nicht auf solch einen Gedanken gekommen. Manchmal mache ich mir glaube ich auch einfach zu viele Gedanken...
Außerdem muss es einem auch nicht unangenehm sein, auch wenn ich da wohl noch ein bisschen an mir arbeiten muss. In erster Linie zählt für mich das Wohl des Kindes.
Wo lernt ihr Familien mit Eizellspendenkindern kennen? Mir persönlich ist kein einziger Fall in meinem Umfeld bekannt. Habt Ihr die anderen Familien hier über das Forum kennengelernt?
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby yourAngel on 05 Dec 2016, 01:07

Also die Psychologen raten, dass die Aufklärung so früh als möglich erfolgen soll, damit das Kind keine Identitätsstörung davon trägt. Früh heißt sobald die ersten Fragen kommen. Das ist so um die 3 - 4 Jahre. Laut Studien sind Kinder die in dieser sehr frühen Phase aufgeklärt worden sind größtenteils ohne nennenswerte Störungen davon gekommen, und wenn waren die Ursachen oft in anderen Problematiken zu finden... Also ich könnte mir gut vorstellen, dass Kinder in dem Alter dem ganzen vielleicht keinen so großen Wert beimessen, wie wir Erwachsene es tun.
Generell denke ich, dass es doch egal sein kann was die Dorfgemeinschaft denkt, aber ich weiß auch wie die Menschen sein könne, gerade auf einem engen Raum. Und ich kann auch akzeptieren, dass auch viele Betroffene da erst mal nicht wissen wie sie das alles handhaben sollen oder sich vielleicht auch genieren. Ich persönlich selbst halte auch viel von der Frühaufklärung. Klar damit decke ich auch mein Versagen auf, aber das ist ohnehin nicht mehr zu beeinflussen, die Seele des Kindes aber schon.
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby Lisa_vogt on 05 Dec 2016, 01:11

Also ich glaube tatsächlich, dass die Kinder viel weniger Drama über ihre Entstehung im Kleinkindalter machen. Mein Sohn ist ja 3 und ich spreche gerade jetzt, wo wir versuchen das Geschwisterkind zu bekommen mit ihm darüber. Er ist nicht sonderlich interessiert und ich habe im Umfeld erlebt, dass wenn man direkt offen mit der Wahrheit konfrontiert alle so geplättet sind, dass es eher in Bewunderung über den Mut zur Offenheit umschlägt, als in böse Worte. Ich glaube, unsere Sorgen entstehen über Aufklärung, wenn wir selbst nicht sicher sind, das richtige getan zu haben. Erstmal müssen wir voll hinter der Entstehung unsere Kinder stehen und keine Schuldgefühle oder Versagensgefühle haben. Wir haben nichts Böses getan. Aber ich gestehe das ist echt schwer. Durch meine Offenheit zum Thema Eizellspende habe ich aber auch Kontakt zu zwei Frauen die in meiner Stadt leben.
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby paprik_a on 05 Dec 2016, 01:14

Ich habe mich mit dem Thema der EZS gar nicht auseinandergesetzt. Einerseits, es war meine einzige Chance ein Kind zu kriegen (nach einer OP an den Eierstöcken, konnte ich gar nicht mehr stimuliert werden) andererseits bin ich sofort nach dem ersten Versuch schwanger geworden. Meine Schwangerschaft war so turbulent, dass ich mich erst nach der Geburt mit dem Thema beschäftigte. Mein Mann hat es mir überlassen, wie wir es machen. Ich habe mich ein wenig lesen, und auch mich beraten lassen. Es war ein langsamer Prozess. Ich hatte schon immer Kontakt mit Mädels aus dem Forum, und ich gehe auch regelmäßig zum Treffen.
Ich denke nicht, dass er es schon versteht. Es gehört aber zu unserem Leben. Ich denke und hoffe, dass er so langsam schleichend aufgeklärt wird. Wenn er Fragen stellt, die werden auch beantwortet. Übrigens, ich war heute bei meiner Frauenärztin, und sie hat es inzwischen auch vergessen, wie ich mein Sohn gekriegt habe. Ein Bekannter der Familie vergisst es auch ständig, und fragt mich immer wieder, ob wir Geschwisterchen möchten. Es geriet echt in Vergessenheit.
Übrigens, es würde mich auch nicht stören, wenn mein Kind jemandem es erzählen würde. Ich muss aber sagen, wir wohnen in der Ukraine, wo EZS erlaubt ist.
Liebe Grüße
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby Siri on 05 Dec 2016, 01:18

Meine Schwiegermutter ist manchmal so unberechenbar. Zu unserer Hochzeit damals wurde natürlich gefragt, ob jetzt Kinder kommen... Ihre Antwort: "An meinem Sohn liegt das nicht sondern an meiner Schwiegertochter! Toll oder? Um mir selbst den Druck zu nehmen, habe ich kaum jemanden erzählt, dass wir Probleme damit haben. Von dieser Aussage habe ich ein paar Wochen nach Hochzeit erst erfahren. Sehr traurig alles. Ihr Sohn macht nie Fehler, nur ich. Die Kinder sind ihr größtes Glück. Sie liebt die Beiden sehr. Offiziell weiß sie nur von einer künstlichen Befruchtung. Reicht schon aus. Sie hatte mich mal ganz böse angeschaut und gesagt: "Die Kinder müssen wissen, dass sie künstlich erzeugt wurden." Ich sagte darauf hin, da hast du deinem Sohn wohl auch erzählt, wie und wo er entstanden ist? Im liegen oder im Stehen? Im Bett oder wo? Dann war Ruhe. Mein Mann schwört ja immer, dass er es ihr nicht erzählt hat. Aber es ist seine Mutter, da weiß man nie oder?
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby omega on 05 Dec 2016, 01:23

Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist, dass man selber voll hinter der Eizellspende steht und nicht das Gefühl hat etwas Schlechtes zu tun, für das man sich schämen muss. Ich glaube nur dann kann man seinen Kindern ganz offen und positiv von ihrer besonderen Entstehung erzählen und die Entscheidung auch anderen gegenüber selbstbewusst vertreten.
Für mich steht fest, dass ich erst voll hinter der Eizellspende stehen muss, bevor wir diese wirklich machen werden. Denn nach der angeregten Diskussion hier bin ich mir ziemlich sicher, dass wir unsere Kinder aufklären wollen und müssen. Gerade weil wir auf dem Dorf wohnen ist die Gefahr immer da, dass es durch blöde Zufälle oder Gerüchte herauskommt und unsere Kinder womöglich, wenn sie älter sind von anderen damit konfrontiert werden. Das will ich nicht riskieren. Außerdem will ich nicht dauerhaft in der Angst leben, dass es raus kommen könnte.
Wir würden wohl die engere Familie einweihen und die Kinder dann doch recht früh aufklären. Irgendwie finde ich die engste Familie sollte es wissen, schon allein weil die Kinder dann ja vielleicht selber davon berichten und ich es nicht schön finde, wenn es z.B. Oma und Opa dann unvorbereitet trifft und sie deshalb negativ reagieren. Wir haben aber auch ein sehr enges und vertrautes Verhältnis und ich erwarte keine negativen Reaktionen, außer sicher Überraschung und Unwissenheit. Leider scheitert es bei mir immer noch daran, dass mich immer wieder Zweifel beschleichen, ob die Eizellspende der richtige Weg für uns ist...Es wäre so schön endlich eigene Kinder zu haben, wenn da nur nicht immer wieder diese Bedenken wären. Aber ich arbeite daran das Positive in den Vordergrund zu stellen
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