Soll Mann dem Kind erklären?

Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby Engeline on 26 May 2018, 03:19

Hallo. Ich habe einen Sohn aus einer Embryonenspende und versuche gerade ein Geschwisterchen zu bekommen. Ich kann Dir nur sagen, Familiengeheimnisse sind sehr gefährlich! Dein Kind hat ein Anrecht auf Wahrheit und es ist eher schädlich es nicht zu erzählen. Wir treffen uns regelmäßig mit anderen Familien, die auch Eizellspende oder Embryonenspendenkinder haben, damit die Kinder miteinander aufwachsen und später auch jemanden kennen, mit dem sie sich austauschen könnten. Ich habe Bilderbücher und versuche immer, wenn es um Entstehung geht, dem Kleinen etwas zu erzählen. Wichtig ist das Kind zu stärken und ihm somit zu sagen, wie wertvoll und wundervoll es ist. Ganz egal wie er entstanden ist und das gilt ja für alle Kinder dieser Welt. Ganz viel Glück
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby majorka4 on 29 May 2018, 20:42

Ich möchte meine Kinder auch über ihre Entstehung aufklären und kann mir vorstellen, dass dies im Kleinkindalter fast noch am einfachsten ist. Ein Familiengeheimnis finde ich auf Dauer auch sehr anstrengend und dem Kind gegenüber irgendwie unfair, gerade wenn andere aus der Familie oder dem sonstigen Umfeld eingeweiht sind.
Ich habe allerdings etwas Angst, dass unser Kind unbedacht anderen von seiner Entstehung erzählen könnte, weil es noch zu jung ist und noch nicht entscheiden kann, ob andere davon erfahren sollen. Da wir außerdem noch im Dorf wohnen, wäre so eine Information wahrscheinlich bald überall bekannt. Es würde mich grundsätzlich auch nicht stören, allerdings sollte unser Kind schon selber entscheiden, ob andere von seiner Entstehung wissen sollen und ich denke diese bewusste Entscheidung ist erst später möglich. Daher denke ich manchmal, dass es vielleicht besser wäre erst ein paar Jahre später, so ab 6 Jahren, mit der Aufklärung zu beginnen. Manchmal frage ich mich allerdings ohnehin, ob das Umfeld, dass von der Kinderwunschgeschichte und auch z.B. von der schlechten Eizellqualität weiß, nicht ohnehin eins und eins zusammenzählen kann und von selbst darauf kommt, dass eventuell fremde Eizellen im Spiel waren, gerade wenn nach diversen Fehlversuchen auch noch Zwillinge geboren werden... Andererseits wissen wohl die wenigsten, dass es überhaupt Eizellspende gibt und kommen wohl kaum auf die Idee, dass eine Frau, die ein Kind austrägt nicht die genetische Mutter des Kindes ist. Bis vor ein paar Monaten wäre ich auch nicht auf solch einen Gedanken gekommen. Manchmal mache ich mir glaube ich auch einfach zu viele Gedanken...
Außerdem muss es einem auch nicht unangenehm sein, auch wenn ich da wohl noch ein bisschen an mir arbeiten muss. In erster Linie zählt für mich das Wohl des Kindes. Wo lernt ihr Familien mit Eizellspendenkindern kennen? Mir persönlich ist kein einziger Fall in meinem Umfeld bekannt. Habt Ihr die anderen Familien hier über das Forum kennengelernt?
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby sofi_e on 07 Jun 2018, 22:10

Also die Psychologen raten, dass die Aufklärung so früh als möglich erfolgen soll, damit das Kind keine Identitätsstörung davon trägt. Früh heißt sobald die ersten Fragen kommen. Das ist so um die 3 - 4 Jahre. Laut Studien sind Kinder die in dieser sehr frühen Phase aufgeklärt worden sind größtenteils ohne nennenswerte Störungen davon gekommen, und wenn waren die Ursachen oft in anderen Problematiken zu finden... Also ich könnte mir gut vorstellen, dass Kinder in dem Alter dem ganzen vielleicht keinen so großen Wert beimessen, wie wir Erwachsene es tun.
Generell denke ich, dass es doch egal sein kann was die Dorfgemeinschaft denkt, aber ich weiß auch wie die Menschen sein könne, gerade auf einem engen Raum. Und ich kann auch akzeptieren, dass auch viele Betroffene da erst mal nicht wissen wie sie das alles handhaben sollen oder sich vielleicht auch genieren. Ich persönlich selbst halte auch viel von der Frühaufklärung. Klar damit decke ich auch mein Versagen auf, aber das ist ohnehin nicht mehr zu beeinflussen, die Seele des Kindes aber schon.
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby sofi_e on 22 Jun 2018, 02:13

Die wichtigste Frage überhaupt ist die, ob man dem Kind etwas über die Eizellspende erzählt. Hätte man die freie Wahl, auf welchem Wege man ein Kind bekommt, würde man sich vermutlich niemals als allererstes für eine Eizellenspende entscheiden, aber man kann in dieser Methode dennoch durchaus positive Seiten sehen. Im Gegensatz zu vielen Kindern, die ohne ärztliche Hilfe gezeugt wurden, kann sich jedes mithilfe einer gespendeten Eizelle geborene Kind ganz sicher sein, dass es ein absolutes Wunschkind ist. Die Eltern solcher Kinder haben in aller Regel einen stark ausgeprägten Kinderwunsch gehabt und haben unzählige Hürden und Barrieren überwunden, um diesen Wunsch zur Wirklichkeit werden zu lassen. Kinder, die ihr Leben einer Eizellspende verdanken, werden in den meisten Fällen außerordentlich wertgeschätzt und zutiefst geliebt. Daher ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass diese Kinder bei guter seelischer und körperlicher Gesundheit heranwachsen, während ihrer gesamten Kindheit von ihren Eltern kompetent unterstützt werden, stabile Beziehungen zu anderen Menschen entwickeln und lernen, das Beste aus ihrem Leben zu machen.
Es ist natürlich ratsam, gleich von Anfang an offen und ehrlich mit dem Kind über seine Herkunft zu sprechen. Wenn der Inhalt positiv dargestellt und ganz normal erzählt wird, kann man auch einem kleinen Kind verständlich vermitteln, dass es ganz besonders geliebt wird, weil Mama und Papa sich so große Mühe geben mussten, ein Kind zu kriegen. Im Laufe der Zeit kann man dem Kind dann zusätzliche altersgemäße Informationen geben.
Es kann aber auch sein, dass man dem Kind lieber gar nichts über die Eizellenspende sagt. Auch dafür gibt es gute Gründe. Vielleicht verunsichert und verwirrt das Kind, wenn man ihm erklärt, dass Mama gar nicht seine genetische Mutter ist und vielleicht führt das nur dazu, dass das Kind die Spenderin suchen möchte. Möglicherweise hat man mit engen Freunden und Familie überhaupt nicht über die Notwendigkeit einer Eizellspende gesprochen und möchten jetzt auch nicht damit anfangen.
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby sofi_e on 25 Jun 2018, 00:19

Wir haben 5-jährige Zwillinge, die mit einer ICSI entstanden sind. Nun stellt sich uns immer wieder die Frage, wann wir es den beiden am besten erklären, dass sie anders entstanden sind, als andere Kinder. Werdet ihr das machen und wenn ja, dann schon im Kleinkindalter und dann kindgerecht oder erst, wenn sie das ganze Thema vollständig erfassen können? Ich denke, dass unsere Tendenz dazu neigt, dass wir es jetzt kindgerecht andeuten werden in den nächsten zwei Jahren und dann im Laufe des Erwachsenwerdens der beiden näher auf das Thema eingehen werden. Ich hoffe, dass es ok ist, dass ich in diesem Forum danach frage, denn ich denke, dass man sich auch bereits im Entstehungsprozess unserer kleinen Wunder schon Gedanken über dieses Thema macht. Zumindest war es bei uns so. Ich wünsche euch allen, die gerade diesen manchmal sehr schweren Weg gehen, einen mehr als positiven Ausgang und dass all eure Wünsche in Erfüllung gehen werden.
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby Agnes.frankes on 29 Jun 2018, 01:11

Für mich ist es nicht wichtig, ob die EZ nun von mir stammt oder nicht. Wir waren sogar zu Adoption bereit. Als ich merkte, dass es wohl mit meinen EZ nicht klappt, habe ich von mir aus die EZS in der Kinderwunsch-Klinik angesprochen. Die Ärztin war sehr verständnisvoll. Sie meinte, dass ist das Gleiche wie eine Samenspende. Egal wie, wer das Kind zur Welt bringt, liebt und versorgt ist die Mutter bzw. der Vater. Vom Gefühl her habe ich auf jeden Fall das Richtige getan. Wir wohnen auch auf dem Dorf. Hier würde wohl keiner auf den Gedanken kommen, dass wir eine EZS gemacht haben. Die Kinder haben laut Nachbarn so viele Ähnlichkeiten mit mir. Mit der Aufklärung bin ich mir echt nicht sicher, was da richtig ist. Jeder muss es für sich entscheiden.
Bin mal gespannt, ob du diesen Weg einschlägst. Darf ich mal fragen, ob du noch Chancen mit eigenen EZ hast? Bei mir wäre es vielleicht möglich gewesen... aber zu 80% eher nicht. Ich habe Endometriose.
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby majorka4 on 07 Jul 2018, 19:50

Deine Kinder waren offensichtlich sehr, sehr erwünscht. Sollten sie eines Tages danach fragen, wie das damals war, als Du schwanger geworden bist, kannst Du es ihnen - je nach Alter und Entwicklungsstand ja durchaus erklären. Allerdings haben mich meine Kinder (20 und 17) bis heute nicht danach gefragt - und sie haben mich nun wirklich vieles gefragt. Die Tatsache mit den verworfenen Eizellen würde ich ihnen aber nicht sagen. Es gibt Entscheidungen, die man als Eltern trifft, mit denen braucht ein Kind sich nicht belasten. Es tut überhaupt nicht Not, diese Information weiterzugeben, es hilft niemandem. Wenn Dich das Thema belastet, würde ich mich tatsächlich jetzt bewusst damit auseinandersetzen, mir noch mal genau klar machen, warum dieser Weg gegangen wurde und versuchen, meinen Frieden damit zu machen. Alles Liebe
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby yourAngel on 12 Jul 2018, 18:40

Wir sind hin und hergerissen, das ist keine leichte Entscheidung. Eigentlich waren wir immer für Ukraine aber die Kosten in Tschechien klingen schon sehr interessant. Nach den ganzen ICSIs ist das Geld irgendwann auch etwas knapp... Der Anreiseweg mit ca. 6 Stunden Autofahrt wäre auch gerade noch okay. In Prag war ich auch noch nie. Ward ihr dann ca. eine Woche in Prag zwischen Befruchtung und Transfer? Kannst Du Hotels empfehlen, die zentral und in der Nähe der Klinik liegen? Wie sind die Kosten in Alicante bei Euch? Wir werden wohl noch ein paar Nächte drüber schlafen... Wir müssen uns ja schon sicher sein! Ich wünsche Euch beiden ganz viel Glück bei Euren Versuchen und drücke die Daumen, dass sich die Kleinen ordentlich festbeißen
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby paprik_a on 15 Jul 2018, 23:43

Ich habe mich mit dem Thema der EZS gar nicht auseinandergesetzt. Einerseits, es war meine einzige Chance ein Kind zu kriegen (nach einer OP an den Eierstöcken, konnte ich gar nicht mehr stimuliert werden) andererseits bin ich sofort nach dem ersten Versuch schwanger geworden. Meine Schwangerschaft war so turbulent, dass ich mich erst nach der Geburt mit dem Thema beschäftigte. Mein Mann hat es mir überlassen, wie wir es machen. Ich habe mich ein wenig lesen, und auch mich beraten lassen. Es war ein langsamer Prozess. Ich hatte schon immer Kontakt mit Mädels aus dem Forum, und ich gehe auch regelmäßig zum Treffen.
Ich denke nicht, dass er es schon versteht. Es gehört aber zu unserem Leben. Ich denke und hoffe, dass er so langsam schleichend aufgeklärt wird. Wenn er Fragen stellt, die werden auch beantwortet. Übrigens, ich war heute bei meiner Frauenärztin, und sie hat es inzwischen auch vergessen, wie ich mein Sohn gekriegt habe. Ein Bekannter der Familie vergisst es auch ständig, und fragt mich immer wieder, ob wir Geschwisterchen möchten. Es geriet echt in Vergessenheit.
Übrigens, es würde mich auch nicht stören, wenn mein Kind jemandem es erzählen würde. Ich muss aber sagen, wir wohnen in der Ukraine, wo EZS erlaubt ist.
Liebe Grüße
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Re: Soll Mann dem Kind erklären?

Postby Agnes.frankes on 18 Jul 2018, 23:58

Was Du von Deiner Schwiegermutter schreibst, hört sich für mich auch ziemlich heftig an. Da wäre ich aber auch echt sauer und würde sie wegen der Eizellspende garantiert nicht ins Vertrauen ziehen. Ich habe da mehr Glück. Zu meinen Eltern, vor allem zu meiner Mutter habe ich ein sehr enges und vertrautes Verhältnis. Ich habe ihr übrigens gerade von unseren Überlegungen zum Thema Eizellspende erzählt und sie war sehr verständnisvoll. Das hat gerade wirklich gut getan. Zu meiner Schwiegermutter ist das Verhältnis nicht ganz so eng, aber wir verstehen uns auch ganz gut.
Mit meinen eigenen Eizellen ist es nahezu unmöglich, noch ein Baby zu bekommen. Wir haben gerade die fünfte gescheiterte ICSI hinter uns und die Qualität und Anzahl der Eizellen wurde immer schlechter. Außerdem hatte ich zuletzt immer das Problem, dass die Eizellen nicht reif waren, so dass es einmal nicht mal zum Transfer kam. Alles extrem frustrierend, dieses ständige Hoffen und die Enttäuschungen. In Deutschland werden wir auf jeden Fall keine weiteren Versuche starten. Psychisch bin ich dadurch momentan ziemlich am Boden...
Wo seid Ihr denn eigentlich in Behandlung? Wir hatten eigentlich an eine der Kliniken in der Ukraine gedacht, aber man findet hier so wenige die dort die Eizellspende gemacht haben. Kennst Du jemanden der dort war und positive oder negative Erfahrungen gemacht hat? Und eine Frage noch: Ist eine frische Spende wirklich besser als wenn die Eizellen nach Punktion eingefroren werden? Für uns wäre eine frische Eizellspende schwierig da wir wegen der Arbeit nicht so flexibel sind. Ich wünsche noch einen schönen Abend!
Agnes.frankes
 
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