Wer kennt das?

Wer kennt das?

Postby Agnes.frankes on 08 Jan 2017, 21:35

Hallo, ihr Lieben!
Da ich mir in letzter Zeit sehr viele Sorgen und Gedanken darum mache, wie mein evtl. Kind später einmal über unsere Entscheidung der EZS denkt. Habe ich hier die Frage, ob es hier auch schon Frauen mit erwachsenen Kindern gibt, die von ihrer ESP wissen. Und wie die Kinder damit umgehen? Haben sie Probleme damit? Möchten sie unbedingt die genetische Mutter kennenlernen?
Ich meine, für mich und meinen Mann, steht absolut fest, dass wenn es klappen wird, wir unserem Kinder auf jeden Fall die Wahrheit sagen werden. Und das natürlich so früh wie möglich. Ich denke an die Zeit, in der man Kinder aufklärt, oder die ersten Fragen über Bienchen und Blümchen kommen werden. Ich bin auf eine Seite von Erwachsenen gestoßen, die alle von einer Samenspende stammen und viele bzw. alle suchen ihren biologischen Vater und haben psychische Probleme damit...ich hab da echt Angst vor. Wäre echt toll wenn mir jemand berichten könnte!
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Re: Wer kennt das?

Postby Nala on 08 Jan 2017, 21:37

Als ich begonnen habe, mich mit EZS/EMS zu befassen, war ich mir auch ganz sicher, möglichst früh aufklären zu wollen. Zwischendurch kommen einem dann schonmal Zweifel. Zum einen wie die Kinder damit umgehen werden, zum anderen, muss ja nicht jeder unbedingt mitbekommen, wie das Kind entstanden ist. Und je früher man aufklärt, desto wahrscheinlicher plappert das Kind das auch aus ;-) Habe mich dann auch mangels anderer Erfahrensberichte ins Thema Samenspende eingelesen. Ich denke, bei Kindern, die durch Spende entstanden sind, gibt es zwei wunde Punkte: den Wunsch, mehr über die genetischen Erzeuger zu erfahren und
das Gefühl, belogen worden zu sein, falls erst spät bzw. durch Zufall aufgeklärt wird. Je harmonische die Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind ist, desto weniger wird der Wunsch entstehen, die Spender kennenzulernen. Wie sehr das Kind letztendlich darunter leidet, ist vermutlich abhängig vom Charakter des Kindes und dem Umgang der Eltern, Verwanden und Freunde mit dem Thema. Liebe Grüße
Nala
 
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Re: Wer kennt das?

Postby Agnes.frankes on 08 Jan 2017, 21:40

Ich habe am wenigsten Angst davor, dass das Kind alles ausplabbern würde. Das ist mir ziemlich egal, denn alle, die mich kennen und mögen wissen was wir schon alles durchgemacht haben und wer dann keine Verständnis für unsere Entscheidung hat ist sowieso keine Freundschaft wert. Alle anderen sind mir egal, da lebe ich ganz nach dem Motto der Ärzte "Lass se reden". Das mache ich in allen anderen Lebenslagen auch ;-) Die meiste Angst davor habe ich, dass das Kind irgendwann einfach unglücklich wird. Weil es nie erfahren wird wer seine genetische Mutter ist. Außerdem habe ich ganz große Angst mir vielleicht in der Pubertät oder wann anders anhören zu müssen "Du bist eh nicht meine Mutter". Alles nicht so einfach das Gedankenkarusell... erst muss es ja mal klappen, vielleicht zerbreche ich mir den Kopf ja umsonst. LG und danke für Deine Antwort
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Re: Wer kennt das?

Postby sofi_e on 08 Jan 2017, 21:43

Möchtest Du auch, dass Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen und Lehrer Dein Kind beäugen und beurteilen? Verstehe mich nicht falsch, ich kann die Gedankengänge durchaus nachvollziehen, doch seitdem meine Kleine in die Krippe geht, bin ich sehr skeptisch mit dem Thema geworden. Da wird dem Kind schon sonst was angedichtet, weil es per Kaiserschnitt geboren wurde. Und ich kenne mittlerweile die ganzen Feedbackgespräche bezgl. Entwicklung etc. Da würde ich ungern wollen, dass irgendwelche Erzieherinnen irgendwas spitz bekommen, weil mein Kind was ausplappert. Denn schon diese "normalen" Elterngespräche nerven mich gewaltig. Will nicht wissen was wäre wenn die wüssten.
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Re: Wer kennt das?

Postby Agnes.frankes on 08 Jan 2017, 21:45

Nein, ich verstehe Dich nicht falsch und hab auch schon ähnliche Gedanken diesbezüglich gehabt. Leider gibt es viele unaufgeklärte und auch wirklich dumme Menschen, darunter sogar Pädagogen. Ich denke aber, wer ein Kind deshalb anders oder schärfer beurteilt, sollte sich mal große Gedanken über seinen Beruf machen. Denn das ist großer ausgemachter Humbug. Wieso sollte sich ein Kaiserschnittkind oder eins aus einer EZS anders entwickeln als andere? Ich selbst bin Erzieherin und führe selbst die von manchen so verhassten Entwicklungsgesprächen. Ich bin aber noch nie auf die Idee gekommen eine Mutter oder Eltern zu fragen, wie ein Kind auf die Welt gekommen ist… Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sich Kinder aus Adoptionen, Kaiserschnitten, Frühgeburten sich genauso gut oder schlecht entwickeln wie andere. Wenn Du so wenig Vertrauen bzw. ungute Gefühle in die Erzieherinnen Deines Kindes hast, solltest Du evtl. über einen Wechsel nachdenken. Denn ein EG sollte eigentlich etwas positives sein. Für die Eltern und auch für die Kinder. LG
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Re: Wer kennt das?

Postby Fuchs on 08 Jan 2017, 21:48

Leider hat sich der Wandel in den Köpfen der Gesellschaft noch nicht vollzogen. Schon allein die künstliche Befruchtung ist bei vielen ein no go, bei der man sich moralischen und ehtischen Diskussionen unterziehen muss. Klar sagen das immer diejenigen, die unsere Probleme nicht kennen. Kinder lieben Familiengeheimnisse - kenne das von meinem Kind und natürlich plappern sie es dann auch aus. Denn zum Geheimnisträger kann und sollte man sie nicht machen, dazu sind es Kinder. Es gibt auch die Möglichkeit der offenen Spende, für die Eltern, die von vornherein wissen, dass sie aufklären möchten. Dann haben die Kinder die Möglichkeit, ihre genetische Mutter kennenzulernen. Bei der anonymen geht das nicht. Da wird die frage "wo komme ich her", "wo sind meine Wurzeln ein Leben lang offen bleiben“.
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Re: Wer kennt das?

Postby Agnes.frankes on 08 Jan 2017, 21:51

Du hast recht. Viele Menschen können uns nicht nachfühlen, weil sie eben noch nie in unserer Situation waren und auch nie hinein kommen werden. Deshalb gibt es die sogenannte Tabuthemen. Ich persönlich habe die gleichen Erfahrungen bei den Fehlgeburten gemacht, niemand redet darüber. Da ich aber schon immer ein offenerer Mensch bin, habe ich nie ein Geheimnis aus unseren Kiwu-Problemen, Fehlgeburten und auch ICSI-Behandlungen gemacht. Und siehe da, bei vielen klappt es doch nicht so einfach mit dem schwanger werden und schwanger bleiben. Ich denke eben auch, dass wenn alle immer alles verschweigen (und ich kenne jede Menge IVF-Kandidaten bei denen es so ist) wird sich der Wandel niemals vollziehen und alles wird immer ein Tabuthema bleiben. Und das finde ich einfach nur traurig und erschreckend. Über eine offene Spende haben wir auch schon nachgedacht, haben uns aber für eine anonyme entschieden. Ich hoffe dass es der richtige Weg sein wird...wer kann das jetzt schon beurteilen?
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Re: Wer kennt das?

Postby naDin on 08 Jan 2017, 21:53

Ich denke wie du... Wir haben uns auch entschlossen, zu unseren Kindern offen zu sein und die Herkunft nicht zu verheimlichen. Aber ich mache mir auch sehr viele Gedanken, wie das sein wird und was alles passieren könnte. Ich habe aber bei unserem jahrelangen Kinderwunsch und den 2 FG gemerkt, dass ich immer weniger schweigen konnte und immer mehr Leute haben von unseren Problemen erfahren. Ich habe so viele Bemerkungen gehört, wie "das klappt schon noch, nur entspannen..." oder " wann wollt ihr endlich Kinder?" dass immer mehr Freunde davon erfuhren. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass unsere richtigen Freunde uns auch verstehen und unsere Entscheide akzeptieren. Und wie du sagst, finde ich, die anderen können mir gestohlen bleiben. Es ist unsere Entscheidung und ich finde, wer nie in der Situation war, kann darüber auch nicht urteilen. Ich hätte ja vor einigen Jahren auch nie gedacht, was ich in solch einem Fall alles machen würde.
Hinzu kommt bei uns die erschwerte Situation, dass unser 1. Kind ein Adoptivkind ist. Dem können wir nicht verschweigen, woher es kommt. Das heisst, es wird seine Mutter finden können, falls es das später mal will. Und da finden wir es noch ungerechter, wenn wir dem EMS-Kind verheimlichen, wie es entstanden ist. Es wird also so oder so schwierig, da es 2 wirklich spezielle (im sehr positiven Sinn) Kinder sind. Wir sind wirklich überglücklich, diese 2 Kinder zu haben... und wir werden es eben einfach auf uns zukommen lassen. Wann und wie man das den Kindern am Besten sagt, weiss ich leider auch nicht. Ich hoffe auch, die Themen werden in den nächsten Jahren noch offener und die Leute auch besser informiert und toleranter dem gegenüber. Liebe Grüsse
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Re: Wer kennt das?

Postby Windchen210 on 08 Jan 2017, 21:57

Ich habe mich im Vorfeld auch ganz intensiv damit beschäftigt, wie die Situation wohl für das Kind sein wird, wie es damit klarkommen wird. Denn dass wir es sagen steht auch fest. Allerdings muss ich sagen, dass ich, je weiter die SS fortschreitet, immer weniger an die Entstehung denke und das ganze Thema erst mal beiseite geschoben habe. Ich hoffe wirklich, dass die EZS in Deutschland in den nächsten Jahren zugelassen und dadurch enttabuisiert wird. Der Schwiegersohn meiner besten Freundin ist aus Eizellspende in der Ukraine entstanden. Seine Mutter ist Anfang 30 in die Wechseljahre gekommen. Ihre jüngere Schwester hat ihr die Eizellen geschenkt. Das Erbgut ist also identisch. Der Junge hat es von Anfang an gewusst. Seine Einstellung zu dem Thema ist sehr simpel. Er meint dass er zumindest 100 % sicher ist, ein absolutes Wunschkind zu sein. Wir werden allerdings absolut nichts sagen. Es gibt dafür mehrere Gründe. Es ist natürlich keine einfache Entscheidung, aber sofern nicht irgendein medizinischer Grund uns dazu veranlasst werden es nur mein Mann und ich wissen...
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Re: Wer kennt das?

Postby trixis on 09 Jan 2017, 15:29

Die Idee mit dem Netzwerk finde ich sehr gut. Auch für die Kinder wäre das später prima, andere Kinder kennenzulernen, die ebenso entstanden sind, damit sie sehen, sie sind da kein Einzelfall, sondern auch das ist eine normale Sache. In der engeren Familie (also bei den Personen, die uns wichtig sind, wie Eltern, Geschwister) haben wir es sofort mit unserem Coming out der Schwangerschaft gesagt, dass es EMS ist. Die haben das eher zur Kenntnis genommen, war irgendwie ziemlich egal, alle sind gnadenlos verliebt in unseren kleinen Sohn. Auch unseren besten Freunden und besonders den zukünftigen Taufpaten haben wir das gesagt. Alle wussten von unserem Kinderkriegenproblem und haben sich sehr für uns gefreut, dass wir diese Möglichkeit wahrnehmen konnten. So wird der Kleine später das Bewusstsein haben, alle für uns - und damit auch für ihn als Baby - wichtigen Personen haben es vorher schon gewusst und ihn genau so, wie er zu uns kam, herzlich in der Familie und im Freundeskreis aufgenommen. Wie der Junge selber das später verarbeiten wird - klar mache ich mir da auch meine Gedanken. Aber wir wollen versuchen ihm von Anfang an zu zeigen, dass wir ihn von ganzem Herzen lieben und er tausendprozentig zu uns gehört. Und wenn er dann sucht und wissen will, wo er herkommt - dann werden wir ihm helfen und versuchen, ihm einen Weg zu geben, damit er für sich selber damit ins Reine kommt. Vielleicht ist es einfach, vielleicht wird es aber auch schwer. Das weiß man nicht vorher. Aber auch mit leiblichen Kindern kann es Probleme geben, oft ebenfalls ziemlich heftige. Daher müssen wir das alle auf uns zukommen lassen. Ich wäre aber dankbar, wenn wir uns auch in den nächsten Jahren immer wieder über unsere Gedanken austauschen könnten! Viele Grüße
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