Kinderlos bleiben?

Kinderlos bleiben?

Postby naDin on 23 Jan 2017, 22:08

Nach nunmehr 4 Fehlgeburten und insgesamt 8 Behandlungen ist für mich der Zeitpunkt gekommen mich damit auseinanderzusetzen, dass wir wahrscheinlich trotz aller Bemühungen kinderlos bleiben werden. Ich wünsche mir Austausch mit Frauen (und Männern - aber da scheinen auf dieser Plattform nicht so viele aktiv zu sein) die sich in einer ähnlichen Phase befinden oder aber diese bereits hinter sich haben. Herzliche Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Engeline on 23 Jan 2017, 22:12

Ich muss sagen, mir geht es ähnlich. So viel Versuche und alles hat nichts gebracht. Ich habe vor einem halben Jahr alle Medikamente abgesetzt und bekomme nun die Quittung dafür! Mein Mann will einfach nicht mehr, dieses auf und ab den Gefühlen und dieses tiefe Tal der Tränen- wenn wieder die Blutung oder ein Negativ kam. Für ihn ist das Thema durch und er möchte nichts mehr davon hören! Er hat Angst um mich, da durch das Absetzen der ganzen Hormone nun so viele negative Sachen gekommen sind. Er befürchtet, wenn wir weiter machen, dass es mit meiner Gesundheit noch schlechter wird. Ich habe mich nun schweren Herzens dazu entschieden erst ein Mal das Thema zur Seite zu legen. Vielleicht sieht es in 2 oder 3 Jahren schon wieder anders aus und wir versuchen noch mal eine Eizellspende oder auch nicht. Dieses alles hat uns in den letzten Jahren so viel Kraft (vom Geld nicht zu sprechen) gekostet. Es ist Zeit seinen Lebensmittelpunkt auch einmal auf andere Dinge zu konzentrieren. Leider bekommen mal wieder so viele in der unmittelbaren Umgebung Babys so dass er mir sehr, sehr schwer fällt. Auch mein Schwager hat sein 1 Kind bekommen und nun dreht sich alles um diesen kleinen Wurm. Weihnachten haben wir deswegen das erste Mal alleine gefeiert, da ich keine Lust auf blöde Fragen hatte. Viele Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby naDin on 23 Jan 2017, 22:16

Schön, dass ihr geantwortet habt! Ja ich würde mich sehr über einen Austausch freuen! Die letzte FG ist 2 Monate her. Über Adoption haben wir immer mal wieder nachgedacht, können es uns von der Sache her auch vorstellen, haben jedoch Bedenken, einen weiteren Prozess, der dann auch wiederum mindestens 2 Jahre dauert - mit ungewissem Ausgang - zu beginnen. Die letzten 5 Jahre waren emotional einfach schon unglaublich anstrengend. Dazu kommt, dass ich bereits über 40 bin, mein Mann fast 50, d.h. wenn dann Auslandsado (womit wir kein grundsätzliches Problem hätten) aber dann eben auch wenig Aussicht auf ein Kind unter zwei Jahren. Und da bin ich mir einfach nicht sicher, ob das unseres ist. Weniger wegen Faktors, sondern vielmehr ein Kind, dass im Heimatland schon erste Bindungen und bewusste Erfahrungen hat und ich mir einfach nicht sicher bin, ob es so gut ist, ein solches Kind dann aus dem kulturellen Kontext zu reißen. Aber vielleicht sind das auch alles nur Ausreden...weil mir die aktuell die Kraft fehlt, mich darauf einzulassen. Bei Pflege ist für uns das Problem, dass man alles mit den leiblichen Eltern abstimmen muss - und da es durchaus sein kann, dass wir beruflich noch mal ins Ausland gehen, ist das dann wohl leider ein Ausschlußkriterium. Aktuell fange ich einfach ganz bewußt an, den Gedanken zuzulassen dass wir aller Wahrscheinlichkeit uns damit abfinden müssen dass unser Leben kinderlos bleibt. Die letzten Jahre mit den Behandlungen, Hoffnungen und Enttäuschungen haben unser Leben (und auch den Alltag) relativ stark bestimmt und da wünsche ich mir jetzt einfach einen guten Weg unsere Perspektive der Aufmerksamkeit zu ändern. Liebe Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Pika4u on 23 Jan 2017, 22:17

Ich habe zwar erst einen Frischversuch Eizellspende hinter mir und hole noch meine Kryos ab, mache mir aber auch schon Gedanken, wann man aufhören sollte. Ich glaube, ich habe nicht die Kraft und auch nicht das Geld für viele Fehlversuche, weil mich das erste Negativ schon so fertig gemacht hat. Am schlimmsten fand ich, dass man sich selbst so verändert und in der Wartezeit und nach einem Negativ. Kenne ich sonst überhaupt nicht von mir. Deine Gedanken zu Pflegschaft und Adoption kann ich ebenfalls nachvollziehen. Man will sich nicht schon wieder auf einen zermürbenden Prozess einlassen, auf dessen Ausgang man keinen Einfluss hat. Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft, wie auch immer du dich entscheidest. Liebe Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby yourAngel on 23 Jan 2017, 22:19

Das Thema ist wichtig und ich finde es so mutig darüber zu schreiben. Wer sagt wann Schluss ist? Der Körper? Das Konto? Die Psyche? Was ist richtig, was ist falsch? Wir Frauen sitzen alle in diesem elenden Fruchtbarkeitskarussell. Ganz bitter wird es, wenn die Schwester und beste Freundin schwanger werden. Der soziale Druck ein Baby zu bekommen ist in Deutschland so stark, das ich mich gefragt habe: Ist es jetzt noch mein Kinderwunsch oder der sozial eingeforderte? Sei glücklich, Du hast einen super Mann bekommen, der fühlt. Er liebt Dich. Das ist das Glück auf Erden. Das Leben ist wunderbar und einzigartig und es bietet den ganzen Wunschblumenstrauss, auch ohne Kinder. Anders herum gesagt: Auch ein Leben mit 2 wunderbaren Kindern ist nicht die Garantie zur Sorgenfreiheit. Dreh die Sache rum, es ist Dein Leben, mach das beste draus und geht ins Ausland, liebt Euch, springt in tosende Flüsse,
macht Eurer Leben zu Eurem Rockkonzert, denn es ist einzigartig und wundervoll.
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Lisa_vogt on 23 Jan 2017, 22:24

Ich habe 7 EZS versuche hinter mir, 8 Jahre auf und ab. Unzählige Diskussionen, Therapie. Mein Körper fühlt sich an, wie verbraucht. Gesundheit angeknackst und ich war ausgebrannt mit 46 Jahren. Heute, 2 Jahre später, haben wir einen kleinen Jungen. Er ist adoptiert aus Russland. Ich würde immer wieder unseren Kleinen adoptieren, er ist der süßeste Junge, hübsch, klug und und und...Du hast geschrieben, dass die Kinder schon im Heimatland schon erste Bindungen erlebt haben. Nein, noch schlimmer, sie haben gar keine sichere Bindung erlebt (es sei denn, die Eltern sind verstorben und sie deswegen ins Heim kamen). Das macht alles noch anstrengender. Es ist schon sehr anstrengend, denn die Kinder fordern 150 % Aufmerksamkein und Nähe. Gleichzeitig wollen sie ihre erworbene Autonomie bewaren und kommen teilweise mit direkte Nähe nicht klar. D.h., du solltest wirklich in dich hineinhören, ob du es körperlich und seelisch schaffen würdest. Ich habe den Fehler gemacht, dass wir direkt nach die Behandlungen mit der Ado angefangen haben. Der Prozess war genauso anstrengend, wie die Behandlungen vorher.
Folge ist, dass ich etwas ermüdet bin und manchmal zweifle ich, ob dem Kind wirklich das geben kann, was er braucht.Und noch was: Ich würde sagen, ich bin jetzt nicht glücklicher als vorher. Vielleicht kommt noch, wir stehen noch am Anfang :-) Ganz liebe Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby naDin on 23 Jan 2017, 22:33

Danke für deine mutmachenden Worte und für die Fragen… wann ist der Zeitpunkt einen Schlußpunkt zu setzen? Das mag individuell, sehr unterschiedlich sein, aber für mich ist der Punkt - dass ich keine Hoffnung mehr habe wenn trotz aller Bemühungen, Untersuchungen, Medikamente es immer wieder schief geht und nachweislich nicht am Embryo lag, ist das schon eine ziemlich hoffnunfglose Situation. Trotzdem schwankt meine Meinung täglich...mal bin ich wirklich bereit einen Schlußpunkt zu setzen und dann wieder kreisen meine Gedanken nur darum, ob es nicht doch noch etwas gibt, was nicht beachtet worden ist. Nicht zuletzt ist es schwierig Abstand zu finden zu dem Thema, welches die letzten 5 Jahre recht nachdrücklich unser Leben bestimmt hat in vielerlei Aspekten. Und was macht eigentlich den Kinderwunsch aus? Sozialer Druck in unserem Fall eher weniger...wahrscheinlich denken die meisten, dass ich halt einfach meine Karriere in den Vordergrund gestellt habe und keine Kinder wollte und aus dem Alter das die anderen fragen, wann ist es denn so weit...bin ich seitdem ich die 40 geknackt habe auch irgendwie raus...der Wunsch nach Kindern hat wohl am allermeisten mit Sinn des Lebens zu tun. Einen kleinen Menschen in seinem Weg auf diese Welt zu begleiten Aber das ist uns wohl einfach nicht beschieden.
Schön, dass euer Junge den Weg zu euch gefunden habe. Und mit den Bindungsproblemen meinte ich neben dem Bezug zum "Heimatland" auch die grundsätzliche Fähigkeit, Bindungen aufzubauen - wird doch das Grundvertrauen in den ersten zwei Jahren gebildet und danach kann man bestimmt auch noch viel gestalten und beeinflussen, aber Schäden die auch kaum noch korrigierbar sind, sind da. Ich gebe zu, an dieser Stelle habe ich dann auch Angst - Angst, dass all unsere Liebe und guten Intentionen möglicherweise einfach nicht ausreichen...Manche Tage sind gut, die Welt ist bunt und ich kann das Schöne wahrnehmen, an anderen Tagen empfinde ich sie einfach nur als leer, dunkel und sinnlos. Wie kommt man da raus?
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby paprik_a on 23 Jan 2017, 22:38

Wie kommt man da raus... Gute Frage! Ich glaube, bis zu einem gewissen Grad ist dieses Trauern ganz wichtig, denn schließlich verabschieden wir uns - möglicherweise - von einem Herzenswunsch! Darüber nicht traurig zu sein bzw. diese Trauer nicht zuzulassen, wäre m.E. der falschen Schritt, denn wir müssen diese anstrengenden Jahre, Behandlungen, Enttäuschungen, emotionale Achterbahnfahrten, ja irgendwie verdauen.
Andererseits haben wir auch sehr viel (wir sind gesund, haben einen lieben Partner, ein soziales Netz), das dürfen wir nicht vergessen! Und wenn es mir besonders schlecht geht, versuche ich, mir diese Dinge wieder bewusst ins Gedächtnis zu rufen! Das hilft mit dann zumindest wenn der größte Heul-Flash wieder vorbei ist... Aber ich will auf keinen Fall, dass diese ganz KiWu-Behandlung aus mir einen seelischen Trümmerhaufen macht. Irgend so ein alter Römer hat mal gesagt "Mit der Zeit nimmt die Seele die Farben unserer Gedanken an" - und ich finde so unrecht hat er damit gar nicht. Deswegen versuche ich immer wieder, mich auf das Positive zu konzentrieren, auch wenn es mir oft sehr schwer fällt. Was macht ihr, wenn mal wieder alles um euch herum Mist ist bzw. die beste Freundin einem freudestrahlend verkündet, dass sie schwanger ist?
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Siri on 23 Jan 2017, 22:43

Hallo,
also ich versuche immer wenn es mir schlecht geht, wie (Mein Arbeitskollege hat gerade verkündet, seine Freundin ist schwanger) an schöne Dinge zu denken. Ich habe gleich nach einen möglichen neuen Urlaubsort geschaut. Oder ich zähle in Gedanken die ganzen Vorzüge auf, wenn man nun einmal kinderlos ist. Wir leben in den Tag hinein, wenn wir etwas haben möchten dann kaufen wir es. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß. Sondern die Welt ist farbig und man muss sich einfach nur diese schönen Sachen rauspicken.
Wir sind auch ohne Kinder so glücklich und ich denke manchmal vielleicht liegt es auch daran. Kinder bedeuten nun einmal auch Stress, Kummer und vermehrt Sorgen. Wir kennen so viele Paare die absolute Wunschkinder bekommen haben und trotzdem hat die Ehe nicht gehalten und nun steht die Scheidung an. Gerade in einem Fall in der Nachbarschaft ganz deutlich, so viele Versuche - dann endlich schwanger und zwei Jahre später – die Scheidung. Ich sehe die beiden noch vor mir, wie wir zusammen auf die Schwangerschaft angestoßen haben und beide überglücklich waren. LG
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Siri on 24 Jan 2017, 00:16

Ich habe zwar das Glück, dass es bei mir geklappt hat aber dieses Thema berührt mich sehr. Ich hatte ja auch drei negative Ergebnisse mit eigenen EZ. Wir sind dann zweigleisig gefahren. Beim Jugendamt haben wir einen Adoptionsantrag gestellt mit allem drum und dran. Ich wollte einfach nicht noch mehr Zeit verstreichen lassen. Bei einem weiteren Negativ hatte ich dann halt Plan B. Es dauert ja sehr lange bis man das Seminar usw. geschafft hat. Da eine Adoption in D. sehr schwierig ist, wollten wir eventuell ein Pflegekind nehmen. Aber dann hat die EZS geklappt. Es gibt so viele Kinder im In- und Ausland, die ein Zuhause suchen. Leider ist man in D. so auf das Alter fixiert bei Adoptionen. Aber Pflegekinder gibt es mehr als genug. Aber diese Kinder brauchen sehr viel Geduld. Eine Bekannte aus dem Seminiar hat erst ein Pflegekind und dann ein zweites aufgenommen. Die beiden Mädchen sind noch klein aber in der Entwicklung usw. zurück. Sie ist sehr glücklich mit den Beiden. Aber das kann halt nicht jeder.
Auch wenn ihr kinderlos bleibt, versucht die schönen Sachen zu sehen. Ich weiß, wie schwer das ist. Wenn mich jemand nach Kinder gefragt hat, dann habe ich geantwortet, dass ich keine Kinder möchte. Eine Lüge, die mich oft beschützt hat vor weiteren blöden Fragen.
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