Kinderlos bleiben?

Re: Kinderlos bleiben?

Postby tilda on 14 Jun 2018, 22:47

Ich habe zwar das Glück, dass es bei mir geklappt hat aber dieses Thema berührt mich sehr. Ich hatte ja auch drei negative Ergebnisse mit eigenen EZ. Wir sind dann zweigleisig gefahren. Beim Jugendamt haben wir einen Adoptionsantrag gestellt mit allem Drum und Dran. Ich wollte einfach nicht noch mehr Zeit verstreichen lassen. Bei einem weiteren Negativ hatte ich dann halt Plan B. Es dauert ja sehr lange bis man das Seminar usw. geschafft hat. Da eine Adoption in D. sehr schwierig ist, wollten wir eventuell ein Pflegekind nehmen. Aber dann hat die EZS geklappt. Es gibt so viele Kinder im In- und Ausland, die ein Zuhause suchen. Leider ist man in D. so auf das Alter fixiert bei Adoptionen. Aber Pflegekinder gibt es mehr als genug. Aber diese Kinder brauchen sehr viel Geduld. Eine Bekannte aus dem Seminar hat erst ein Pflegekind und dann ein zweites aufgenommen. Die beiden Mädchen sind noch klein aber in der Entwicklung usw. zurück. Sie ist sehr glücklich mit den Beiden. Aber das kann halt nicht jeder.
Auch wenn ihr kinderlos bleibt, versucht die schönen Sachen zu sehen. Ich weiß, wie schwer das ist. Wenn mich jemand nach Kinder gefragt hat, dann habe ich geantwortet, dass ich keine Kinder möchte. Eine Lüge, die mich oft beschützt hat vor weiteren blöden Fragen.
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Ruth on 19 Jun 2018, 01:52

Wann ist der Zeitpunkt einen Schlusspunkt zu setzen? Das mag individuell, sehr unterschiedlich sein, aber für mich ist der Punkt - dass ich keine Hoffnung mehr habe wenn trotz aller Bemühungen, Untersuchungen, Medikamente es immer wieder schief geht und nachweislich nicht am Embryo lag, ist das schon eine ziemlich hoffnungslose Situation. Trotzdem schwankt meine Meinung täglich...mal bin ich wirklich bereit einen Schlusspunkt zu setzen und dann wieder kreisen meine Gedanken nur darum, ob es nicht doch noch etwas gibt, was nicht beachtet worden ist. Nicht zuletzt ist es schwierig Abstand zu finden zu dem Thema, welches die letzten 5 Jahre recht nachdrücklich unser Leben bestimmt hat in vielerlei Aspekten. Und was macht eigentlich den Kinderwunsch aus? Sozialer Druck in unserem Fall eher weniger...wahrscheinlich denken die meisten, dass ich halt einfach meine Karriere in den Vordergrund gestellt habe und keine Kinder wollte und aus dem Alter das die anderen fragen, wann ist es denn so weit...bin ich seitdem ich die 40 geknackt habe auch irgendwie raus...der Wunsch nach Kindern hat wohl am allermeisten mit Sinn des Lebens zu tun. Einen kleinen Menschen in seinem Weg auf diese Welt zu begleiten Aber das ist uns wohl einfach nicht beschieden.
Schön, dass euer Junge den Weg zu euch gefunden habe. Und mit den Bindungsproblemen meinte ich neben dem Bezug zum "Heimatland" auch die grundsätzliche Fähigkeit, Bindungen aufzubauen - wird doch das Grundvertrauen in den ersten zwei Jahren gebildet und danach kann man bestimmt auch noch viel gestalten und beeinflussen, aber Schäden die auch kaum noch korrigierbar sind, sind da. Ich gebe zu, an dieser Stelle habe ich dann auch Angst - Angst, dass all unsere Liebe und guten Intentionen möglicherweise einfach nicht ausreichen...Manche Tage sind gut, die Welt ist bunt und ich kann das Schöne wahrnehmen, an anderen Tagen empfinde ich sie einfach nur als leer, dunkel und sinnlos. Wie kommt man da raus?
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby tilda on 20 Jun 2018, 02:15

Letztlich muss das jedes Paar für sich entscheiden. Ich hoffe nur, Ihr denkt beide gemeinsam nochmal über einen solchen Schritt nach und überlegt Euch, ob Ihr nicht eventuell mal noch die Klinik wechselt. Außerdem bist Du ja noch irre jung. Da sollte man vielleicht noch nicht ans Aufgeben denken.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass unser KIWUZ-Doc am Anfang der Behandlung gebeten hat, wir sollten über unsere persönlichen Grenzen in der Behandlung nachdenken und uns auf ein gemeinsam vertretbares Maximum einigen. Das konnten wir letztlich nicht und auch jetzt, nach der Zeit können wir nicht sagen, wann Schluss sein soll. Dafür ist unser Wunsch noch viel zu stark. Als meine Gynäkologin letztens meinte, dass ich ja nun auch schon 35 werde und mir überlegen soll, ob ich nicht aufhöre, wäre ich innerlich vor Wut beinahe geplatzt. Und das zeigt mir, dass ich von meinem persönlichen Aufgebe-Zeitpunkt noch ziemlich weit weg bin. Aber das muss wirklich jedes Paar für sich selbst entscheiden. Viel Glück für Euch!
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby yourAngel on 22 Jun 2018, 02:32

Ja, das Trauma im Mutterleib während der Leihmutterschaft hat mich auch beschäftigt. Trotzdem ist es ein Unterschied ob ein Kind kurz nach der Geburt weggegeben wird oder ob es schon eine zweijährige, dreijährige oder vierjährige Geschichte mit sich trägt. Hinzu kommt die Integration in ein fremdes Land. Bei der Leihmutterschaft gibt es angeblich schon noch Tricks wie man die Kinder aus Indien nach Deutschland bekommen kann. Zum Thema rauchende und trinkende Leihmütter: In Indien werden die Leihmütter in einer Klinik neun Monate lang überwacht. Ob es Ihnen dabei gut geht ist natürlich eine andere Frage. Mit Sicherheit hat das Thema Leihmutterschaft einen sehr bitteren Beigeschmack. Aber irgendwie haben doch alle diese Wege einen bitteren Beigeschmack finde ich. Mein Mann und ich haben uns mit dem Thema Adoption ziemlich intensiv beschäftigt. Auch hier wird ziemlich viel Geld gemacht und auch hier gibt es keine Garantie für den Erfolg. Wir waren am Ende so enttäuscht, dass wir unser Adoptionsverfahren eingestellt haben. Ich glaube dass das Jugendamt in seinen Beratungsgesprächen nicht ohne Grund so erschreckend wirkt. Das machen sie nicht einfach nur so um die Leute zu ärgern. Leider mussten wir auch zum Thema Pflege-Kinder in unseren unmittelbaren Bekanntenkreis mehrere negative Erfahrungen machen. Das hat uns so erschrocken dass auch dies für uns nicht mehr in Frage kommt. Im Enddefekt hat jede Lösung einen oder mehrere Haken und für jede von uns gibt es eine individuelle Lösung die uns über kurz oder lang glücklich machen wird. Liebe Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby paprik_a on 23 Jun 2018, 20:42

Ich habe 7 EZS versuche hinter mir, 8 Jahre auf und ab. Unzählige Diskussionen, Therapie. Mein Körper fühlt sich an, wie verbraucht. Gesundheit angeknackst und ich war ausgebrannt mit 46 Jahren. Heute, 2 Jahre später, haben wir einen kleinen Jungen. Er ist adoptiert aus Russland. Ich würde immer wieder unseren Kleinen adoptieren, er ist der süßeste Junge, hübsch, klug und und und...Du hast geschrieben, dass die Kinder schon im Heimatland schon erste Bindungen erlebt haben. Nein, noch schlimmer, sie haben gar keine sichere Bindung erlebt (es sei denn, die Eltern sind verstorben und sie deswegen ins Heim kamen). Das macht alles noch anstrengender. Es ist schon sehr anstrengend, denn die Kinder fordern 150 % Aufmerksamkeit und Nähe. Gleichzeitig wollen sie ihre erworbene Autonomie bewaren und kommen teilweise mit direkte Nähe nicht klar. D.h., du solltest wirklich in dich hineinhören, ob du es körperlich und seelisch schaffen würdest. Ich habe den Fehler gemacht, dass wir direkt nach die Behandlungen mit der Ado angefangen haben. Der Prozess war genauso anstrengend, wie die Behandlungen vorher.
Folge ist, dass ich etwas ermüdet bin und manchmal zweifle ich, ob dem Kind wirklich das geben kann, was er braucht. Und noch was: Ich würde sagen, ich bin jetzt nicht glücklicher als vorher. Vielleicht kommt noch, wir stehen noch am Anfang :-) Ganz liebe Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Bibolina on 25 Jun 2018, 01:32

Auch ich habe mit 16 die Diagnose kinderlos leben bekommen. Da hat es mich getroffen aber ich konnte mich noch nicht richtig damit auseinander setzen. Als der richtige Partner da war, war die Sache dann schon ein Top-Thema. Untersuchung hin und her Ergebnis war das Gleiche. Ein Kind musste her. Adoptionsantrag und Eizellenspende lief parallel. Ja ich darf mich sehr glücklich schätzen der erste Treffer war positiv. Ich habe einen wunderbaren 5 jährigen Sohn. Aber wie schon einige schreiben. Der soziale Druck ist enorm was das Thema Kinder angeht. Wir hatten dieses eine Kind und nicht das ich damit nicht zufrieden gewesen wäre ich musste weiter machen. Aber warum? Beste Freundin bekam das Dritte, Schwester das Zweite, Kinder und Kinder um mich herum. Und als mein Mann einen schweren Unfall hatte und wir Monate später bei einem Heilpraktiker saßen, schaute er mich an und sagte: Warum wollen Sie eigentlich noch ein Weiteres Kind? Ich saß total bescheuert da und wusste auf diese Frage spontan keine Antwort. Das hat mich so beschäftigt. Ich liebe meinen Sohn über alles aber auch Kinder stellen einem enorm auf die Probe. Ich persönlich finde die Verantwortung die man hat teilweise unerträglich. Die Ängste die Sorgen, weil man sein Kind über alles liebt. Wenn es krank ist und weint man aber überhaupt keine Ahnung hat, was es hat und sich manchmal total Überfordert fühlt etc. Und ich wusste wirklich nicht, ob ich so was nochmal mitmachen kann.
Nicht das mich jetzt irgendjemand falsch versteht. Meine Kinder sind das Wichtigste in meinem Leben und ich bin froh diesen Schritt gemacht zu haben. Ich würde es auch immer wieder tun. Es ist zwar kein Trost aber freut euch an eurem bisherigen Leben. Unternehmt was, freut euch über eine glückliche Beziehung und das Euch jemand liebt. Auch das sind alles wertvolle Dinge die man mit den Jahren vergisst. Manchmal bin ich total gestresst und blicke neidisch auf Frauen die in Ruhe spazieren gehen oder einkaufen sind.
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby paprik_a on 07 Jul 2018, 20:49

Es wird immer wieder solche Tage und Phasen geben, das gehört zum KiWu dazu. Das Du im Moment sehr traurig bist ist verständlich, Geburten im Familien- oder Freundeskreis sind nur schwer zu ertragen wenn der eigene Wunsch nicht erfüllt wird. Versuche trotzdem Deine Nichte näher kennen zu lernen, evtl. Ist das gar nicht so schlimm wie Du erwartest, so war es bei mir.
PCO sind kein Grund kinderlos zu bleiben, es erschwert nur das Schwanger werden. Wenn Du das Gefühl hast mit GVnP nicht weiter zukommen, dann sprich mit Deinem Arzt darüber was er empfiehlt. Manchmal hilft das Wissen wie es weiter gehen kann und man bringt die Kraft auf die bisherige Behandlung noch etwas weiter zu machen.
Ich kann Dir nur sagen dass ich in den vielen Jahren des KiWu's oft so Phasen hatte wie Du jetzt. Man muss sie zulassen um gestärkt und mit neuen Sillen weiter zu kämpfen daraus hervor zu gehen. Und ich kann Dir versprechen dass sich das Kämpfen lohnt...LG und alles Gute
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby Lisa_vogt on 16 Aug 2018, 22:27

Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen! Die letzte FG ist 2 Monate her. Über Adoption haben wir immer mal wieder nachgedacht, können es uns von der Sache her auch vorstellen, haben jedoch Bedenken, einen weiteren Prozess, der dann auch wiederum mindestens 2 Jahre dauert - mit ungewissem Ausgang - zu beginnen. Die letzten 5 Jahre waren emotional einfach schon unglaublich anstrengend. Dazu kommt, dass ich bereits über 40 bin, mein Mann fast 50, d.h. wenn dann Auslandsado (womit wir kein grundsätzliches Problem hätten) aber dann eben auch wenig Aussicht auf ein Kind unter zwei Jahren. Und da bin ich mir einfach nicht sicher, ob das unseres ist. Weniger wegen Faktors, sondern vielmehr ein Kind, dass im Heimatland schon erste Bindungen und bewusste Erfahrungen hat und ich mir einfach nicht sicher bin, ob es so gut ist, ein solches Kind dann aus dem kulturellen Kontext zu reißen. Aber vielleicht sind das auch alles nur Ausreden...weil mir die aktuell die Kraft fehlt, mich darauf einzulassen. Bei Pflege ist für uns das Problem, dass man alles mit den leiblichen Eltern abstimmen muss - und da es durchaus sein kann, dass wir beruflich noch mal ins Ausland gehen, ist das dann wohl leider ein Ausschluss Kriterium. Aktuell fange ich einfach ganz bewusst an, den Gedanken zuzulassen dass wir aller Wahrscheinlichkeit uns damit abfinden müssen dass unser Leben kinderlos bleibt. Die letzten Jahre mit den Behandlungen, Hoffnungen und Enttäuschungen haben unser Leben (und auch den Alltag) relativ stark bestimmt und da wünsche ich mir jetzt einfach einen guten Weg unsere Perspektive der Aufmerksamkeit zu ändern. Liebe Grüße
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby sofi_e on 23 Aug 2018, 01:03

Das Thema ist wichtig und ich finde es so mutig darüber zu schreiben. Wer sagt wann Schluss ist? Der Körper? Das Konto? Die Psyche? Was ist richtig, was ist falsch? Wir Frauen sitzen alle in diesem elenden Fruchtbarkeitskarussell. Ganz bitter wird es, wenn die Schwester und beste Freundin schwanger werden. Der soziale Druck ein Baby zu bekommen ist in Deutschland so stark, das ich mich gefragt habe: Ist es jetzt noch mein Kinderwunsch oder der sozial eingeforderte? Sei glücklich, Du hast einen super Mann bekommen, der fühlt. Er liebt Dich. Das ist das Glück auf Erden. Das Leben ist wunderbar und einzigartig und es bietet den ganzen Wunschblumenstrauss, auch ohne Kinder. Anders herum gesagt: Auch ein Leben mit 2 wunderbaren Kindern ist nicht die Garantie zur Sorgenfreiheit. Dreh die Sache rum, es ist Dein Leben, mach das beste draus und geht ins Ausland, liebt Euch, springt in tosende Flüsse,
macht Eurer Leben zu Eurem Rockkonzert, denn es ist einzigartig und wundervoll.
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Re: Kinderlos bleiben?

Postby majorka4 on 24 Aug 2018, 17:33

Hallo,
also ich versuche immer wenn es mir schlecht geht, wie (Mein Arbeitskollege hat gerade verkündet, seine Freundin ist schwanger) an schöne Dinge zu denken. Ich habe gleich nach einen möglichen neuen Urlaubsort geschaut. Oder ich zähle in Gedanken die ganzen Vorzüge auf, wenn man nun einmal kinderlos ist. Wir leben in den Tag hinein, wenn wir etwas haben möchten dann kaufen wir es. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß. Sondern die Welt ist farbig und man muss sich einfach nur diese schönen Sachen rauspicken.
Wir sind auch ohne Kinder so glücklich und ich denke manchmal vielleicht liegt es auch daran. Kinder bedeuten nun einmal auch Stress, Kummer und vermehrt Sorgen. Wir kennen so viele Paare die absolute Wunschkinder bekommen haben und trotzdem hat die Ehe nicht gehalten und nun steht die Scheidung an. Gerade in einem Fall in der Nachbarschaft ganz deutlich, so viele Versuche - dann endlich schwanger und zwei Jahre später – die Scheidung. Ich sehe die beiden noch vor mir, wie wir zusammen auf die Schwangerschaft angestoßen haben und beide überglücklich waren.
majorka4
 
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