Männer bei der Geburt

Männer bei der Geburt

Postby yourAngel on 12 Apr 2016, 19:15

Was haltet ihr davon wenn der Mann bei der Geburt nicht dabei sein möchte er findet es respektlos dabei zu sein?
Bald erschien mein Kleiner zur Welt. Mit meinem Mann hatten wir lange Zeit den Kinderwunsch, da ich keine Kinder bekommen kann, nutzten wir Eizellspende. Der Weg war lang und stressig, viele erfolglose Versuchen usw., mein Mann war immer bei mir, aber jetzt entsteht folgendes Problem…
Er will einfach nicht mit in den Kreissahl, obwohl er weiß, wie sehr ich Ärzte, Krankenhäuser, usw. hasse und welche Angst ich vor der Entbindung habe. Ich schaffe das nicht allein, gerade da brauche ich doch seine Nähe und seinen Zuspruch - warum versteht er das bloß nicht?
Bitte sagt jetzt nicht, dass ich ja eine andere mir vertraute Person mitnehmen kann - das möchte ich nicht, da ich es doch sehr intim finde und ich auch nicht möchte, dass mich jemand anders so sieht - aber er ist doch mein Mann - und wie jemand in einem anderen Beitrag schon ganz richtig bemerkte: Beim Babymachen war ja schließlich auch nur er dabei.
Ich hab schon tausendmal versucht es ihm zu erklären, aber er meint er kann das nicht sehen - er braucht doch nicht hinzuschauen, ich will doch nur seine Hand halten; für mich ist es doch schließlich viel schlimmer und ich kann ja auch nicht sagen, dass ich das nicht sehen kann, obwohl ich wirklich kein Blut sehen kann.
Hoffe auf Rat, wie ich ihn doch noch dazu bringen kann mitzugehen
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Re: Männer bei der Geburt

Postby Bibolina on 12 Apr 2016, 19:19

Ich finde es vollkommen okay, wenn ein Mann die Ehrlichkeit besitzt zuzugeben, dass er nicht unbedingt dabei sein will! Während ich 9 Monate lang unser Kind ausgebrütet habe, hat mein Mann 9 Monate lang drüber nachgedacht, mitzugehen oder nicht.
Als Ersatz, hatte ich meine Mutter mit dabei und mein Mann wollte es sich dann doch nicht entgehen lassen. Zwischenzeitlich ist er aber auch mal rausgegangen und ich finde es okay!
Klar sind bei der Zeugung auch BEIDE beteiligt. Deswegen muss das im Kreißsaal aber nicht zwangsweise so sein.
Man darf auch nicht vergessen, dass eine Geburt ein körperlicher Vorgang ist, der nicht mit einer HNO Behandlung zu vergleichen ist! Nicht jede Hebamme ist während einer Geburt so aufmerksam und verantwortungsvoll, den Mann immer wieder ans Kopfende zurückzuweisen. Manche lassen auch direkt raufgucken. Und ob das nun so erquickend ist, dass der Mann sieht, dass man natürlich auch Ausscheidungen hat oder im Endspurt aufreißt.....ICH würde das selber nicht sehen wollen und war auch froh, dass ich's nicht gesehen habe!
Ein Trennungsgrund wär's für mich nicht!
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Re: Männer bei der Geburt

Postby Engeline on 12 Apr 2016, 19:21

Hallo!
Habe zwar noch kein Kind, bin aber trotzdem ziemlich entsetzt über Deinen Mann. Ich finde es ausgesprochen egoistisch von ihm, daß er in so einer Zeit, in der es schließlich in erster Linie um Dich und Euer Baby geht, so wenig an Deine Bedürfnisse denkt. Klar ist das nicht so angenehm, seiner Frau dabei zuzusehen, wie sie leidet, aber schließlich kannst Du es Dir ja auch nicht aussuchen, ob Du mit in den Kreissaal willst. Ich finde, daß ist ein massiver Vertrauensbruch, schließlich habt Ihr Euch versprochen, einander in guten und schlechten Zeiten beizustehen. Der Satz 'Ausgenommen sind Situationen, in denen es unangenehm wird oder man Blut sehen muß.' kommt meines Wissens nach nicht im Eheversprechen vor. Ich würde ihn knallhart mit diesem Aspekt der Sache konfrontieren. Und wenn er das nicht will - bist Du Dir sicher, daß Du ihn überhaupt brauchst, wenn er Dir bei einer solchen Sache schon nicht beisteht? Wozu dann überhaupt einen solchen Ehemann?
Drücke Dir die Daumen, daß Du alles gut überstehst.
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Re: Männer bei der Geburt

Postby eva2Abel on 12 Apr 2016, 19:26

Wieso muß daß ein Trennungsgrund sein? Du hast selbst geschrieben, dass er immer bei dir war, als du KiWu hattest.
Sorry, ich habe 2 Entbindungen hinter mir... Sicherlich ist es schön wenn der Mann mitgeht zur Entbindung, aber ich finde es nicht als Vertrauensbruch wenn er es nicht tut. Bei uns war das schon von vorneherein klar, dass er nicht mitgeht. Mein Mann hat damals zu mir gesagt, dass er es nicht könne einfach neben mir zu stehen und mir bei meinen Schmerzen nicht helfen könne. Meine 1. Entbindung hatte ich ohne Beisein von jemanden. Ich hatte einen Blasensprung ohne Wehen und tags darauf wurde mir der Wehentropf gelegt. Ich wurde von einer Hebamme und meinem Frauenarzt entbunden, und eine weitere Schwester war auch dabei. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und hatte eigentlich keine Angst vor der Geburt. Es ging auch relativ schnell um 8:00 wurde mir der Tropf angelegt und um 12.28 war meine Tochter da.
Bei meinem Sohn wollte unbedingt eine Bekannte mit, aber es wäre besser gewesen, wenn ich auch dieses Kind alleine bekommen hätte.
Denn es kam zu Komplikationen und ich wusste nicht mehr, wem ich zuhören sollte, weil jeder durcheinandergeredet hat und dass hat mich so geschafft, dass ich mir 2 Wehen in den Kopf gepresst habe und froh war als alles vorbei war. Ich finde, dass man Männer hier etwas zu sehr über fordert. Denn es ist wirklich nicht jedermanns Sache eine Frau zur Entbindung zu begleiten, dass hat nichts damit zutun dass er bei der Entstehung dabei war...
Viel wichtiger ist und war es mir, dass der Vater ein guter Vater wird. Also misst die Männer nicht an dem, ob sie euch zur Entbindung begleiten sondern daran, wie sie sich um ( ihr )das Kind kümmern. Denn das ist viel, viel mehr wert... Meine Kinder wurde von unserem ganzen Bekannten- u. Freundeskreis um ihren Vater beneidet. Auch von denen, deren Mann bei der Entbindung dabei waren
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Re: Männer bei der Geburt

Postby kühn on 12 Apr 2016, 19:30

Was hilft denn der Werdenden Mutter im Kreissaal mehr? Ein Mann, der völlig hilflos einer Situation gegenüber steht und vielleicht beim ersten Tröpfchen Blut weiß, wie eine Kalkwand wird und umfällt? Oder eine gute Freundin, die, wie ich aus Erfahrungen her weiß, sich bestens bewähren würde in solchen Situationen. Glaub mir, Männer wissen ganz genau, was sie abkönnen und was nicht. Wenn er nicht mitwill, weil er sie nicht leiden sehen kann und ihr dann mit Sicherheit auch nicht beistehen kann, was soll er dann da? Hilfreicher ist es dann, wenn er bereit sitzt im Warteraum und wenn das Baby dann da ist, sofort bei ihr ist. Es ist nichts, was man ihm übelnehmen kann, denn wenn ich damals beim ersten mal die Wahl gehabt hätte, wäre ich bei der Entbindung meines Sohnes auch nicht persönlich dabei gewesen.
Frauen reagieren da sehr unterschiedlich. Die einen rufen nach Mama und die anderen verfluchen ihren Mann, weil er "Schuld" daran ist. Vielleicht hat er nur Angst, was ihn sehr menschlich und sympathisch macht, denn er gibt etwas "Unmännliches" zu.
Mein Mann war bei beiden Entbindungen dabei und das erste mal hätte ich ihn erwürgen können, weil er sich mit den Hebammen und Schwestern "verschworen" hatte und mir fürchterlich auf die Ketten ging, beim zweiten mal habe ich ihn nicht gebraucht, allerdings war es sehr beruhigend, ihn dabei zu haben, auch wenn er sich 10h gelangweilt hat. Ich weiß, dass ihm die erste Entbindung ziemlich an die Nieren gegangen ist. So hat er nämlich seine Frau noch nie erlebt.
Ich weiß nicht warum Du tierische Angst vor der Geburt hast. Inzwischen ist man so bemüht um die werdende Mutter, und man kann sogar eine schmerzfreie Entbindung haben, wenn man will. Also, ich denke das soll es erst mal dazu gewesen sein.
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Re: Männer bei der Geburt

Postby Lisa_vogt on 12 Apr 2016, 19:34

Ich habe den Bericht gelesen und es war soviel ich weiß nur ein Fall, den sie beschrieb. Ich weiß nicht wie viele Kinder täglich geboren werden, aber die Prozentzahl, das etwas schiefgeht ist in der modernen Medizin sehr gering!
Ich habe 2 Kinder zur Welt gebracht und weiß wovon ich rede. Lass Dir nicht von negativen Berichten Angst machen.
Was den werdenden Vater angeht: Es ist noch nicht lange her, da war es den Vätern verwehrt im Kreissaal dabei zu sein. Willst Du jetzt alle verteufeln, nur weil sie nicht dabei waren? Himmel, wenn er nicht will, dann soll es lassen. Unter Zwang schadet es nur der Beziehung! Klar reden sie sich gern heraus, nicht alle aber einigen. Du kennst den Mann nicht! Du kennst die Beziehung nicht! Es hilft ihr auf keinem Fall, wenn er nur dabei steht, weil sie ihn sonst "verlässt". Was ich nicht hoffen will. Das ist kein Trennungsgrund. Und nur weil man verheiratet ist, heißt das noch lange nicht, dass man das tut, was der andere will. Es ist eine leichberechtigte Partnerschaft! Vielleicht denkst Du jetzt, das ist doch nicht zu vergleichen, aber es soll tatsächlich Menschen geben, die sich in Krankenhäusern unwohl fühlen. Vielleicht denkt er, er ist dort fehl am Platz. Diesen Gedanken haben viele Männer und kann durch einen gemeinsamen Besuch bei der Hebamme aus der Welt geräumt werden. Wenn er sich nicht umstimmen lässt, bleibt er halt draußen und erlebt dieses unglaubliche Wunder nicht.
Also Kopf hoch, die meisten Entbindungen sind Spontangeburten ohne Komplikationen und bleibenden Schäden. Und für die Schmerzen wirst Du hundertprozentig entschädigt, wenn Du das Baby erst im Arm hältst.
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Re: Männer bei der Geburt

Postby majorka4 on 12 Apr 2016, 19:38

Klar durften die bis vor einigen Jahren (oder sinds nicht eher Jahrzehnte) nicht mit rein. Bis 1977 war ja auch der Mann laut BGB das Oberhaupt der Familie und seine Frau mußte ihm gehorchen und ihm qua Gesetz den Haushalt führen. Aber seit dem hat sich einiges geändert, Männer dürfen mit zur Geburt und Frauen sind nicht mehr quasi-Eigentum ihrer Ehemänner, sondern gleichberechtigte Partnerinnen, denen ein ebenso gleichberechtigter Partner bei ihren Ängsten und Problemen beistehen sollte. Klar kenne ich Mann und Beziehung in diesem Fall nicht, ich kann nur sagen, wie sich die Situation für mich darstellt. Und wenn ein Mann seine Frau, die offenbar große Angst hat, mit dieser Angst allein läßt, stimmt für mich in der Beziehung etwas nicht. Das hat auch nichts damit zu tun, ob der eine dem anderen seinen Willen aufdrückt oder ihm sagt, was er tun soll, sondern einfach damit, wie man mit gemeinsamen (und dieses ist ein gemeinsames) Problemen umgeht und ob man sich beisteht. (Und warum sollte sie ihn nicht zu einer OP ins Krankenhaus begleiten, wenn er davor Angst hat? Ich würde das normaler finden, als dieses ewige 'Ich-bin-ein-Mann-und-habe-nie-Angst', das die Gesellschaft verlangt. Mag sein, daß das vom Blickwinkel einer 2fachen Mutter aus töricht erscheint - aber für die ist es nunmal so. Wenn er Vater und Ehemann sein will, kann er sich nicht nur die Rosinen rauspicken, sondern muß das ganze Programm durchziehen. Sonst setzt er meiner Meinung nach das Vertrauen seiner Frau und seine Ehe aufs Spiel.
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Re: Männer bei der Geburt

Postby Maria Waldfogel on 12 Apr 2016, 19:40

Nachdem ich deinen Beitrag gelesen habe, bin ich mit Dir einer Meinung!! Leider! Denn es ist tatsächlich so, dass auch mich mein Mann im Stich gelassen hat, als ich ihn dringend gebraucht habe...Aber dass Du es so in diesem Zusammenhang bringst, überrascht mich wirklich, denn wenn ich deinen Standpunkt überdenke, hast Du vollkommen Recht!
Übrigens lebe ich auch in einer Trennung mit meinem Mann, er ist zwar ein wunderbarer Vater, aber ein schlechter Ehemann gewesen.
Ich bewundere Dich für deinen Weitblick!
Maria Waldfogel
 
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Re: Männer bei der Geburt

Postby omega on 12 Apr 2016, 19:42

Hallo! Das was Du geschrieben hast, hat mich irgendwie betroffen gemacht. Es tut mir sehr leid, dass sich Dein Mann als 'Fehlgriff' erwiesen hat, ich denke es tut sehr weh festzustellen, daß der Vater der eigenen Kinder, mit dem man schließlich Familie und Zukunft geplant hat, in einem entscheidenden Moment nicht für einen da ist.
Habe das, was Du als 'Weitblick' bezeichnest, allerdings auch aus eigenen schlechten Erfahrungen gewonnen. Wenn ein Partner in einem wirklich entscheidenden Moment (der für jeden ein anderer sein kann) nicht da ist, wird er immer wieder nicht da sein - das Vertrauen ist dann einfach weg, und damit auch die Basis für die Beziehung. Diese Erkenntnis tut sehr weh - aber ich denke dennoch, es ist besser, nach dieser Erkenntnis zu handeln und sein Glück neu, mit jemand anderem zu versuchen, als ewig in einer Beziehung auszuharren, in der die Vertrauensbasis einen Knacks hat.
Wünsche Dir alles Gute und viel Glück für Dich und Deine Kinder.
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Re: Männer bei der Geburt

Postby paprik_a on 13 Apr 2016, 18:34

Also es ist garantiert nicht respektlos wenn er dabei ist. Ich habe meinem Freund die Wahl gelassen und er konnte dann entscheiden. Er hat mich begleitet und wenn ich ehrlich bin weiß ich auch nicht was ich gemacht hätte wenn er nicht dabei gewesen wäre.
Er hat mir sehr viel Kraft gegeben allein schon durch die Tatsache dass er einfach da war und meine Hand gehalten hat. Und als er dann die Nabelschnur durchtrennt hat war das so ein wundervoller und sehr emotionaler Moment.
Also setzte dich noch mal mit ihm zusammen. Rede über deine Gefühle und sage ihm dass es nicht respektlos ist, sondern eine einzigartige Geste und es von sehr großer Bedeutung für dich ist wenn er dabei ist wenn euer Kind seinen ersten Atemzug verlauten lässt. Das ist etwas was sehr verbindet. Aber wie gesagt reden reden reden. Im Endeffekt kannst du ihn aber nicht dazu zwingen.
Hast du eine Hebamme? Dann führt mal zusammen ein Gespräch.
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