Über Abtreibung

Re: Über Abtreibung

Postby Maria Waldfogel on 02 Nov 2016, 23:02

Meine Abtreibung ist 5 Jahre her und dennoch beschäftigt sie mich in größeren Abständen immer wieder. Kurz nach meinem 19. Geburtstag blieb meine Periode aus. Das letzte Ausbildungsjahr hatte gerade begonnen und ich war absolut überfordert. Ich hatte die Pille 1-2x vergessen und war ernsthaft so naiv zu glauben, dass da schon nichts passiert sei. Mit dem Vater war ich schon seit einiger Zeit nicht mehr zusammen. Er hatte sich ca. 1 Jahr zuvor von mir getrennt. Ich konnte mich emotional nicht von ihm lösen. Er nutzte dies aus. Wir schliefen immer wieder miteinander und er hielt mich immer wieder mit leeren Versprechungen hin.
Als ich den positiven Test in den Händen hielt, lachte und fluchte ich zur gleichen Zeit. Noch nie habe ich so ein Chaos der Gefühle erlebt. Jedoch stand für mich erst einmal fest, dass ich das Baby bekommen möchte. Der Vater des Kindes war alles andere als begeistert. Er beschimpfte mich und war sofort der Meinung, dass das Kind nicht von ihm sei und er auch absolut nichts damit zu tun haben möchte. Da kamen die ersten Zweifel in mir auf. Allein mit einem Baby...mit 19? Was wird aus meiner Ausbildung. Es war eine schulische Ausbildung und lebte bei meinen Eltern. Je länger ich darüber nachdachte desto sicherer war ich mir, dass ich das nicht kann, ich war einfach nicht bereit dazu.
Zum Glück standen meine Eltern voll und ganz hinter mir. Überraschenderweise war es mein Papa, der mich überall hin begleitete und mir immer wieder Mut machte. Auch am OP Tag war er es, der mich ins Krankenhaus brachte. Mit mir zusammen weinte und mich aufbaute und er war es, der mich danach in Empfang genommen hat. Den Exfreund informierte ich am Abend, als ich wieder nach Hause durfte, über die Abtreibung. Ich traf auf Desinteresse und Verwunderung, dass das alles überhaupt so lang gedauert hat. Seit diesem Telefonat habe ich jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen.
1,5 Jahre nach der Abtreibung habe ich eine wunderschöne Tochter auf die Welt gebracht und jetzt nach 5 Jahren bin ich in der 28. Woche mit einem Jungen schwanger. Ich bin glücklich mit dem Vater beider Kinder verheiratet und wir lieben unsere Familie. Und dennoch muss ich immer wieder daran denken...wie alt wäre es jetzt...wie wäre es mit seinem Vater weitergegangen... hab ich gemordet? Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, aber so ein letzter Zweifel bleibt da doch irgendwie immer...
Maria Waldfogel
 
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Re: Über Abtreibung

Postby naDin on 02 Nov 2016, 23:17

Erst mal möchte ich dir nur sagen, dass es mir wirklich leid tut, dass du in dieser Situation bist. Kann nur für mich sprechen, hatte noch nie eine Abtreibung und ich denke ich würde damit nicht klar kommen! Ich war in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik und da haben wir das Buch „Abtreibung“ bekommen. Ein wirklich sehr nüchternes Buch mit allen Fakten und vielen Bildern! Diese Bilder haben sich in meinem Kopf so eingebrannt und ich könnte es nie verantworten so etwas zu tun! War auch schon in der Situation wo die Ärzte mir eine Abtreibung nahe gelegt haben. Bin so froh es nicht gemacht zu haben! Ich war damals 19 und meine Tochter ist mittlerweile 12 und hat mein Leben sehr bereichert. Wenn ich ihr jetzt in die Augen sehe bin ich so froh es nicht getan zu haben. Hab mit ihr erst kürzlich darüber geredet, weil wir das Thema Aufklärung behandelt hat. Das hat mir richtig auf die Tränendrüse gedrückt! Ich kann nur für mich sprechen und es liegt an dir wie du dich entscheidest. Lass dich von mir drücken...
naDin
 
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Re: Über Abtreibung

Postby Nala on 02 Nov 2016, 23:27

Ich bin ungeplant und ungewollt schwanger geworden. Das habe ich an einem Montag festgestellt. Da ich meinen Zyklus nicht beachtet hatte, wusste ich leider auch nicht, wie weit ich in etwa bin. Bin dann direkt zum FA, da war außer einer Fruchthöhle nichts zu sehen. Ich sollte in einer Woche wieder kommen. Für uns war aber klar, dass wir dieses Kind nicht (auch noch) bekommen können. Auch auf diese Gründe muss ich hier nicht eingehen. Es reicht, wenn sie für mich, für Dich oder für jede andere betroffene Frau ausschlaggebend sind!
Ich habe am Dienstag wieder angerufen und gesagt, dass ich mich entschieden habe und einen Termin zum Beratungsgespräch haben möchte. Dieses Gespräch muss bei einer anderen Person als dem behandelnden FA stattfinden. Dieses Gespräch hatte ich dann am Freitag. Ich hatte die Bestätigung in der Hand und habe direkt in der Klinik angerufen und einen Termin für Dienstag gemacht. Zwischen Beratungsgespräch und Abbruch müssen mindestens 3 Tage liegen. Am Montag bin ich zur Krankenkasse gegangen mit meinen Gehaltsbescheinigungen und habe gesagt, ich bräuchte eine Kostenübernahmebestätigung. Die Kosten übernimmt die KK, wenn dein alleiniges Gehalt nicht zu hoch ist. Erkundige Dich bei Deiner KK, wie hoch die Grenze bei Euch ist.
In der Praxisklinik waren alle sehr nett, ich fühlte mich nicht schief angeguckt. Ich habe geweint. Um das Baby, das es hätte werden können. Aber ich wusste, was mich erwartet, wenn ich das Baby bekomme und ich wusste, dass es für mich, meinen Mann, meine anderen Kinder nicht gut ausgehen würde. Ich wusste, dass wir dieses Kind nicht würden kriegen können. Es wurde noch mal US gemacht und außer Fruchthöhle war weiter noch nichts zu sehen. Ich bekam dann ein Schmerzmittel, dann kam die Anästhesistin und hat mich mit in den OP genommen. Alle waren sehr nett. Dann gab es die Narkose und schon war ich weg. Ca. 20 Minuten später haben sie mich in meinem Zimmer wieder geweckt und alles war vorbei. Ich fühlte mich sehr erleichtert, als ich aus der Narkose erwacht bin. Ich wusste einfach, dass ich dieses Kind nicht bekommen kann! Ich hatte an dem Tag noch leichte Blutungen, aber am nächsten Tag war alles vorbei. Ich hatte keine Blutung, keine Schmerzen, keinen Kummer. Für mich war es der richtige Weg. Von einem medikamentösen Abbruch wurde mir abgeraten. Es zieht sich über mehrere Tage hin, das hätte ich auch nicht gewollt. Beim Beratungsgespräch wurde mich auch wegen der anderen Kinder davon abgeraten, weil es schon sehr sehr blutet und nicht so ganz spurlos an einem vorüber geht. Aber dazu kann ich nicht wirklich etwas sagen.
Viele liebe Grüße
Nala
 
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Re: Über Abtreibung

Postby omega on 02 Nov 2016, 23:31

Ich musste abtreiben aus ganz vielen privaten Gründen...die Kosten hat die Krankenkasse übernommen da ich es finanziell nicht konnte. Seelisch geht es mir bis heute nicht gut damit...ich bereue es zu tiefst das ich meine kleine weg machen lies. Meine Gedanken sind sehr oft bei ihr...
Der Eingriff selbst lief laut Arzt gut, was sich aber als Irrtum bei dem nach Kontrollen raus stellte. Mein HCG wert ist nicht so gefallen, wie es sein sollte...bei weiteren Untersuchungen stellte sich dann raus, dass nicht alles entfernt wurde (sozusagen hatte ich noch Teile der kleinen in mir). Darauf hin musst ich noch mal schnellst möglich unters Messer...bei der 2 OP verlief aber alles gut, medizinisch ist alles in Ordnung. Wenn ich nochmal in solch eine Situation kommen sollte, würde ich mich für das Kind entscheiden...würde auch lieber die Zeit zurück drehen
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Re: Über Abtreibung

Postby Pika4u on 02 Nov 2016, 23:37

Ja, also ich habe auch schon eine Abtreibung hinter mir und ich rate es keinem, denn es hängt an einem das ganze Leben lang, ich würde mir echt nochaml überlegen, ob du das auch wirklich machen willst! Außerdem, eine Abtreibung ist auch eine Op und es kann auch schief gehen und plötzlich kannst du nicht mehr schwanger werden, muss nicht sein, aber so was kann vorkommen. Und außerdem, wenn man es doch behandeln kann, wieso machst du das nicht? Sorry, aber dann willst du nicht wirklich dein Kind, denn wenn man schwanger werden will, dann muss man auch in Kauf nehmen, dass es evtl. behindert sein wird und außerdem kann man das jetzt noch gar nicht wissen! Es ist ein unschuldiges kleines Wesen und es sollte nicht einfach umgebracht werden, außerdem schon11. Woche, das ist ja schon soweit entwickelt!
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Re: Über Abtreibung

Postby Ruth on 02 Nov 2016, 23:42

Ich war mir schon damals bewusst, dass mit einer Abtreibung mein eigenes Kind getötet wird. Aber was sollte ich tun? Bei meinen Eltern fand ich keinen Halt, meine Eltern sahen damals auch keinen anderen Weg, für meine Freundin war Abtreibung nichts Schwerwiegendes… Kurz: ich hatte nicht die Kraft, mich diesem Schritt zu widersetzen.
Die Abtreibung war schrecklich, ein wahrer Horror. Nach der Abtreibung empfand ich zunächst Erleichterung. Die Gedanken daran und das schlechte Gewissen verdrängte ich lange Zeit. Auf die Dauer konnte ich dies nicht mehr. Der Anblick von schwangeren Frauen wurde für mich unerträglich. Um Mütter mit kleinen Kindern machte ich einen weiten Bogen. Leider bekam ich keine Kinder mehr. Ganz überwunden habe ich die Abtreibung bis heute nicht – auch nach rund 27 Jahren! Immer mehr Kraft schöpfe ich aus dem Glauben an die Barmherzigkeit und Liebe Gottes. Machen Sie eine Abtreibung nicht mit! Niemals – auch wenn der Druck gross ist und die Folgen noch so beschönigt werden. Die Konsequenzen tragen Sie als Frau selbst, das ganze Leben lang!
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Re: Über Abtreibung

Postby Siri on 02 Nov 2016, 23:48

Ja ich habe da hinter mir… Die Probleme begannen mit der Diagnose, dass mein Kind behindert sein könnte. Die Ärzte rieten mit zur Abtreibung. Ich fühlte mich von meinem damaligen Mann völlig allein gelassen. Vergeblich erhoffte ich mir, dass er mir sagt: „Ich liebe Dich. Ich liebe auch unser Kind bereits jetzt, gleichgültig, ob es gesund oder behindert zur Welt kommt.“ Die Abtreibung war für mich schrecklich, entwürdigend. Ich fühlte mich wie ein Stück Vieh, das zur Schlachtbank gebracht wird. Ich erhielt eine Spritze, und unverzüglich wurden meine Beine mit scheußlichen Riemen an Metallbügel befestigt. Man hätte wenigstens warten können, bis ich mit der Narkose weggetreten bin. Jahrelang hatte ich Unterleibsschmerzen. Albträume verfolgen mich und ich konnte kaum mehr in den Spiegel sehen. Immer wieder hatte ich das Gefühl, mein Kind stehe vor mir und sage mir: „Wieso hast Du mir meine Chance genommen?“ Dass ich schließlich Hilfe für die Bewältigung dieses Traumas erhielt, verdanke ich einem glücklichen Umstand. Lassen Sie sich als Schwangere in Not nicht einschüchtern, und geben Sie Ihrem Kind seine Chance. Danke Sie daran. Es gibt Organisationen, die Ihnen und Ihrem Kind unbürokratisch helfen.
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Re: Über Abtreibung

Postby sofi_e on 02 Nov 2016, 23:53

Der Gedanke an den Abbruch ist für mich noch heute sehr schmerzhaft und voller Schuldgefühle. Es ist nicht wahr, dass mit der Abtreibung alle Probleme für die Frau vorüber sind. Im Gegenteil! Es war furchtbar! Nach der Abtreibung kam die Krankenschwester und zog blutige Gaze aus mir heraus. Meterweise! Mein Bauch war voll von diesem Zeug. Zu Hause blutete ich wie verrückt. Auch psychisch war ich eine einzige Wunde. Ich habe die Abtreibung überhaupt nicht verkraftet! Immer wieder habe ich grausame Träume, in denen ich mein Kind, das ich getötet habe, suche. Schliesslich muss ich es irgendwo ausgraben und finde es – verwest! Wenn ich dann erwache, muss ich immer weinen. Kürzlich liess ich ein neues Cheminée einbauen. Daraufhin fand ich mein Kind im Traum tot unter dem Cheminéerost. Es ist grauenhaft! Als wir einige Wochen nach der Abtreibung bei einer Familie mit einem Baby eingeladen waren, krampfte sich mein Herz zusammen. Es pochte im Rhythmus Du hast deins getötet, Du-hast-deins-getötet. An diesem Abend sehnte ich mich unbeschreiblich stark nach einem eigenen Kind. Diese Gefühle kommen immer wieder in mir auf.
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Re: Über Abtreibung

Postby tilda on 02 Nov 2016, 23:58

Der Druck zur Abtreibung ist groß. Von einer Frau, die infolge einer Vergewaltigung schwanger wird, erwartet man heute, dass sie abtreibt. Jede andere Möglichkeit scheint unvorstellbar und sogar sinnlos. Als ich nach der Vergewaltigung schwanger wurde, war der Druck der heutigen Gesellschaft so gross, dass ich nicht widerstehen konnte. Das war der Fehler meines Lebens. Jene, die zur Abtreibung raten, denken nicht an die Zukunft vergewaltigter Frauen. Heute stelle ich fest, dass die Abtreibung keine gute Entscheidung war: Zusätzlich zur Vergewaltigung habe ich mir die Last der Abtreibung meines Kindes aufgeladen. Eine vergewaltigte Frau sollte psychologische und materielle Hilfe erhalten, um das unschuldige Kind besser annehmen zu können. Auf die Dauer ist es weniger schwer, ein solches Kind zu akzeptieren, als mit der Gewissheit einer Abtreibung zu leben. Eine vergewaltigte und schwangere Frau die Abtreibung nahezulegen heißt, ihr eine Lösung anzuraten, die ihre Leiden vergrößert.
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Re: Über Abtreibung

Postby trixis on 03 Nov 2016, 00:16

Ich will Dir keine Gewissenbisse einreden, ganz bestimmt nicht. Ich akzeptiere Deine Entscheidung und es ist ohnehin nicht rückgängig zu machen. Aber es könnte sein, dass sich Deine Einstellung ändert, wenn Du ein Kind hast. Vielleicht kommen dann doch noch die Gewissensbisse, auf die Du gewartet hast. Ich habe früher, als ich noch in der Ausbildung war, selbst eher locker über Abtreibung gedacht. Ich hatte große Angst davor, ungewollt schwanger zu werden, dabei spielte auch die Einstellung meiner Eltern eine Rolle, die unbedingt wollten, dass ich beruflich auf eigenen Beinen stehe, bevor ich ein Kind kriege. Zum Glück ist es nie passiert. Wie ich damals entschieden hätte, wenn, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich hätte ich es behalten, da mein Freund es bestimmt gewollt hätte. Mit Sicherheit kann ich jedoch sagen, dass jetzt, da ich schon 2 Kinder habe, und ein 3. im Moment ziemlich ungünstig wäre, niemals abtreiben würde. Denn erst nachdem ich eine Schwangerschaft durchlebt habe und das kleine Neugeborene m Arm hielt, habe ich begriffen, um was für ein Wunder es sich hier handelt.
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