Meine Kinderwunschgeschichte

Meine Kinderwunschgeschichte

Postby Engeline on 29 Sep 2016, 22:01

Hallo!
Ich will hier vom Seele schreiben…Ich bin 39 Jahre alt. Ich bin mit meinem Mann schon 12 Jahren zusammen. Vor 5 Jahren habe ich die Diagnose Lymphdrüsenkrebs bekommen. Die Ärzte haben mir den rechten Eierstöcke komplett entnommen und eingefroren, damit ich später eine Chance hätte schwanger zu werden, weil die Chemotherapie, der ich haben müsste, sehr aggressiv war und es nicht mehr genug Zeit war, um durch eine Hormonbehandlung Eizellen heranreifen zu lassen einzufrieren. Nachdem die Chemo vorbei war, musste ich noch 1 Jahr warten, bevor ich das ok vom Arzt bekommen habe, die Pille abzusetzen und zu versuchen, schwanger zu werden. Da sich aber kein Zyklus einstellte, meine Hormonwerte, denen einer Frau in den Wechseljahren entsprachen und durch Ultraschall auch fest gestellt wurde, dass mein noch vorhandener Eierstock nichts mehr produzierte, müsste ich eine Weile Cycloprogynova nehmen. So habe ich wenigstens einen künstlichen Zyklus gehabt und meine Wechseljahrsbeschwerden. Dann ließ ich mir einen Teil des Ovargewebes wieder in Bonn in die Beckenwand implantieren. Ich musste weiter Cycloprogynova nehmen um das implantiert Gewebe zu unterstützen. Im Juni fing das Gewebe wieder an Hormone und Eizellen zu produzieren. Die Freude war riesig, da das nicht selbstverständlich ist. Wir sollten dann dem Gewebe 3 Monate Zeit geben und in der Zeit versuchen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Das hat nicht geklappt. Ich würde mein Zyklus dann vom Gyn. überwacht und ich habe jeden Monat Ovitrelle zum Einsparung auslösen bekommen. Leider auch ohne Erfolg, da bei meinem Mann in der Zwischenzeit festgestellt wurde, dass seine Spermien auch nicht so gut sind. Aber mein linker Eierstock hat alle paar Monate auch mal eine Eizelle produziert. Würde in Bonn mit uns besprochen mit ICSI zu beginnen. Bei dem implantieren Gewebe ist es nämlich so, dass niemand weiß, wie lange es arbeitet, es kann 20 Jahre sein, es kann aber auch nur 1 Jahr sein. Deshalb entschieden wir uns gemeinsam mit der Doc direkt die ICSI zu machen.
Ende Jahr würde beim Ultraschall festgestellt, dass ich im linke Eierstock eine Zyste hatte. Also bis zum nächsten Zyklus warten. Da war die Zyste im linken Eierstock weg, dafür hatte ich aber im rechten eine mit Blut gefüllte Zyste. Nun sollte ich 1 Monat die Pille nehmen, damit die Zyste schneller abseilen konnte.
Dann endlich jetzt im November könnten wir starten. Es war zwar noch ein Rest Zyste da, aber wir müssten langsam beginnen, weil die Zeit läuft. Ich musste mich insgesamt 3 Wochen krank schreiben lassen und alle 2-3 Tage nach Bonn für einen Ultraschall und Blutentnahme fahren. Ich musste auch sehr hohe Dosen Hormone nehmen, da ein implantierter Eierstock viel mehr Hormone braucht um stimuliert zu werden. Letzten Mittwoch wurden bei mir dann 4 Follikel punktiert. In allen Follikeln waren keine Zellkern... Die Professorin hat gesagt das kann beim nächsten mal anders sein oder wieder genauso... Das weiß niemand... Ich bin völlig fertig. Und Entschuldigung, dass ich soviel geschrieben habe, aber ich musste es mal los werden. Ich kann nämlich diese ganzen Sprüche aus dem Bekannten und Freundeskreis nicht mehr hören, die einem sagen "das wird schon", "lass dich nicht hängen", " du musst positiv denken" und keiner von denen weiß wie das ist.
Liebe grüße
Engeline
 
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby yourAngel on 29 Sep 2016, 22:14

Es tut mir sehr leid für dich, es war sehr schwer, deine Geschichte zu lesen…Ich kann dir leider nicht viel Rat geben...meine Kiwu Geschichte ist um so vieles harmloser, im Nachhinein.
Ich produziere auch sehr wenig Follikel, dann wieder etwas mehr. Keine Eizelle zu finden ist natürlich ein bitteres Ergebnis.
Vielleicht sprichst du mal deine Kiwu Ärztin an, ob es ratsam wäre, das Protokoll zu ändern? Es gibt verschiedene Protokolle mit verschiedenen Medikamenten. 400IE Puregon ist echt schon volle Dröhnung. Da würde ich mal ansetzen und nachhaken, ob man am Protokoll etwas anderes wagt. Sprüche wie "du schaffst das schon...positiv denken" sind wahrlich nicht ermunternd. Höre ich auch nicht gern. Vielleicht wird beim nächsten Versuch dann die eine Eizelle gefunden, die dich zu eurem Glück bringt. Ich habe das Glück einmal erleben dürfen und das wünsche ich dir auch
Alles Gute
yourAngel
 
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby Windchen210 on 29 Sep 2016, 22:18

Ich will auch sagen, dass es mir sehr leid tut! Wir versuchen nun seit 12 Jahren schwanger zu werden. Ich habe aber schon 2 Kinder und habe kein Recht zu klagen. Es tut aber gut, denn hier sind Menschen die die eigenen Gedanken und Emotionen sehr gut nachempfinden können und es ist was anderes, als wie wenn man mit jemanden darüber spricht der nicht Ähnliches durchmacht.Wegen deiner Geschichte, es ist schon sehr heftig, was du schon alles mitmachen musstest. Ich wünsche dir von Herzen, dass alles gut gehen wird und ihr bald eine positive Nachricht bekommt.
Alles Liebe
Windchen210
 
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby trixis on 29 Sep 2016, 22:23

Es ist wirklich leid, welche Geschichten manche Menschen mit sich tragen. Das tut mir sehr leid. In meiner Familie gab es auch mal ein Fall. Aber du bist jung und stark und wirst es packen. Sorry, genau das wolltest du jetzt überhaupt nicht hören. Ich konnte diese Sprüche auch nicht mehr hören…Ich finde es super gut, dass ihr gleich mit ICSI angefangen habt. Es kann ein sau blöder Zufall gewesen sein, dass da keine Kerne drin waren. 4 ist halt auch eine geringe Ausbeute. Ich hatte zwei Punktionen mit ca. 25 Eizellen und von 16 gut transferierten innerhalb der letzten zwei Jahren hat sich ein Embryo erstmal festgebissen. Du hast durch deine Krankheit schon so viel durchgemacht. Ich hoffe ganz fest für dich, dass du bald Erfolg haben wirst.
Alles Gute
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby tilda on 29 Sep 2016, 22:29

Deine Geschichte hat auch mich sehr berührt und ich wollte nicht einfach wieder wegklicken, da ich leider keinen Rat weiß, sondern Dir zumindest schreiben, dass ich Euch alles Gut wünsche! Was Du schon durchgemacht hast, beweist so viel Stärke, dass ich sicher bin, wenn es einen Weg gibt, dann findet Ihr ihn...ich würde Dir nur so sehr wünschen, dass dieser Weg einfacher wäre...
Alles Liebe
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby sofi_e on 29 Sep 2016, 22:36

Deine Geschichte hat mich sehr bewegt. Und ich kann so verstehen, dass du ein Glück haben willst. Und das ist möglich! Aber ich glaube mit deinen Grundvoraussetzungen brauchst du vielleicht einen langen Atem. Es kann bedeuten dads erst immer wieder Rückschläge für dich anstehen, bevor du dein Ziel erreicht hast. Die Frage ist, wie du mit dieser Zeit umgehst. Du hast schon eine schwere Krankheit hinter dir und ich denke du weißt, wie wichtig es ist, seine Zeit gut zu verbringen. Damit meine ich, dass ich dir sehr wünsche, dass du auch andere schöne Ziele im Leben hast, und viele Dinge erlebst, an denen du dich erfreuen kannst. Und von denen du Kraft für deinen KIWU schöpfst. Und parallel dazu lohnt es sich deinen Herzenswunsch nach einem Kind weiter zu verfolgen. Schau, selbst bei besten Vorraussetzungen liegen die Wahrscheinlichkeiten durch ICSI schwanger zu werden bei 30-40% pro Versuch. Also auch 60-70% dagegen. Ich persönlich finde das auch sehr bitter, habe ich früher gedacht, das wäre der letzte Weg aber mit 99% Wahrscheinlichkeit auf Erfolg.
Der Behandlungszyklus, die Zeit davor und danach - es ist halt kein Sprint sondern ein Dauerlauf oder sogar Marathon. Ich wünsche dir gute Begleiter auf deinem Weg, vielleicht können auch wir hier im Forum davon welche sein. Lass dich von Rückschlägen nicht zu schnell entmutigen. Ich wünsche dir von Herzen, dass du nicht mehr lange kämpfen musst
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby Engeline on 29 Sep 2016, 22:39

Vielen Dank für eure lieben Nachrichten und Guten Wünsche. Ich habe mit der Proffessorin schon über andere Medikamente gesprochen. Wir ändern das nächste mal auch was. Aber der nächste Versuch ist ja leider erst in frühstens 2 Monaten. Ich habe einfach so Angs,t dass ich nie einen Zellkern habe... aber ich hoffe es einfach. Im Moment fühle ich mich einfach so leer und traurig... Danke nochmal.
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby Siri on 29 Sep 2016, 22:51

Ich habe auch eine traurige Geschichte hinter mir, nicht mit deiner vergleichbar aber trotzdem. Ich hatte vor sieben Jahren die Diagnose Gebärmutterhalskrebs (direkt nachdem wir angefangen haben, zu üben) Ich hatte zwar Glück, dass der Krebs durch Vorsorge sehr früh entdeckt wurde und nicht gestreut hat. Aber leider waren die Krebszellen so aggressiv und der Tumor so gross, dass eine Konisation nicht mehr gereicht hat. Noch vor 15 Jahren wäre dann einfach eine Total-OP durchgeführt wurden. Kinderwunsch für immer endgültig aber es gab auch in meinem Fall eine damals neue Methode (Trachelektomie), mit der man mir die Fruchtbarkeit erhalten konnte.
Dass danach nicht das schwanger bleiben, sondern das schwanger werden so schwierig werden würde, hat keiner geahnt... Ich habe nun sechs erfolglose IVF/ICSI hinter mir. Hatte fast nie eine riesige Ausbeute, meist so 5 bis 6 Eizellen, Qualität und Entwicklung bis auf einen Versuch nie zeitgerecht und immer nur Transfer eine Eizelle, keine Kryos. Ein einziges Mal hatte ich Glück und spontan ohne Hilfe schwanger. Das war dann aber eine Eileiterschwangerschaft.
Da fragt man sich schon, wie grausam kann das Schicksal sein? Kann man nicht ein einziges Mal auch ein bisschen Glück haben? Warum passiert das mir? Ich habe bis heute leider keine Antwort.
Wir haben uns schon seit der Diagnose Krebs mit dem Thema Adoption auseinander gesetzt. Damals haben wir noch etwas naiv ans Jugendamt gedacht. Heute meine ich mit Adoption Eizellspende. Mein Mann würde das jetzt sofort tun. Ich habe ihn aber noch um einen letzten Versuch gebeten, werden wir wohl im Dezember starten. Ich weiß, Adoption und Eizellspende ist nicht für jeden eine Option. Aber es hilft, im Hinterkopf eine Alternative zu haben.
Ich versuche, nicht aufzugeben oder zu verzweifeln. Nach jedem negativ wird es schwerer. Immerhin sollten wir froh sein, dass wir leben! Und wir sollten dem Medizin dankbar sein, sonst hätten wir gar keine Chancen oder könnten nicht mal probieren! Gebe nicht auf
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby Engeline on 29 Sep 2016, 22:53

Vielen Dank für deine liebe Nachricht. Ich denke auch, dass ich dankbar sein sollte, dass ich überhaupt noch lebe. Aber im Moment fällt es mir schwer. Ich sehe nur das Negative. Ich hoffe einfach, dass es wieder besser wird. Ich drücke dir auch für deine Kinderplanung alles gute und dass du diesmal eine erfolgreiche Schwangerschaft hast! Zumindest habe ich schon sehr viele nette und aufbauende Nachrichten bekommen!
Liebe Grüße
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Re: Meine Kinderwunschgeschichte

Postby naDin on 09 Sep 2017, 00:38

Es ist wirklich leid, welche Geschichten manche Menschen mit sich tragen. Das tut mir sehr leid. In meiner Familie gab es auch mal ein Fall. Aber du bist jung und stark und wirst es packen. Sorry, genau das wolltest du jetzt überhaupt nicht hören. Ich konnte diese Sprüche auch nicht mehr hören…Ich finde es super gut, dass ihr gleich mit ICSI angefangen habt. Es kann ein sau blöder Zufall gewesen sein, dass da keine Kerne drin waren. 4 ist halt auch eine geringe Ausbeute. Ich hatte zwei Punktionen mit ca. 25 Eizellen und von 16 gut transferierten innerhalb der letzten zwei Jahren hat sich ein Embryo erstmal festgebissen. Du hast durch deine Krankheit schon so viel durchgemacht. Ich hoffe ganz fest für dich, dass du bald Erfolg haben wirst. Alles Gute
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