Abschied?

Abschied?

Postby paprik_a on 04 Mar 2017, 20:08

Hallo! Ich bin 32 Jahre alt, mein Mann ist 33 Jahre alt und wir versuchen seit 5 Jahren ein Kind zu bekommen. Nach 5 ICISs, 3 Kryos und 2 abgebrochenen Versuchen sind unsere Nerven, die Hoffnung und das Geld am Ende und der Ton in unserer Ehe wird von Tag zu Tag rauer, was mir sehr weh tut. Aufgrund der Azoospermie gibt es keinerlei Hoffnung auf eine spontane Schwangerschaft, so dass auch ich mich langsam mit dem Gedanken anfreunden muss, kinderlos zu bleiben. Im letzten Jahr denken wir auch an Spendersame, aber wir beide konnten uns noch nicht für diesen Weg entscheiden. Abgesehen davon, kenne ich persönlich auch niemanden, der durch Diagnose bisher schwanger geworden wäre. Am liebsten würde ich heute noch mit der nächsten ICSI weitermachen, aber, wie schon gesagt, mir fehlt das Geld, die Hoffnung und zur Zeit auch mein Mann, der da mitziehen würde. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denke, wie schön es wäre, ein Kind zu haben. Wie schafft Ihr das, Euch ein Leben ohne Kinder schön zu machen? Ich freue mich auf einen regen Austausch! Liebe Grüße
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Re: Abschied?

Postby Siri on 04 Mar 2017, 20:11

Erstmal tut es mir leid, dass Du schon soviel durchmachen musstest. Ich bin 36, mein Mann 37, Kiwu schon seit 10 Jahren. Nach 2 Jahren fing die ärztliche Behandlung an, zu viele männliche Hormone, bei meinem Mann alles in Ordnung - Dexamethson, später Clomifen dazu, jeden Monat Zyklusmonitoring, Sex nach Plan. Zwischendurch Zusammenbruch nach schweren Depressionen und schlimmen Magenbeschwerden, Behandlung bei Heilpraktikerin. Dann BS - da wurde bei mir Endometriose und verklebte Eileiter festgestellt – wir gingen dann in die Kiwu-Klinik, seitdem 3 IVF's und 3 Kryos. Nach 2. IVF schwanger, aber instabile Werte und Blutungen, Verdacht auf EU, Krankenhausaufenthalt, BS und Ausschabung, es dauerte danach noch lange, bis die HCG-Werte wieder auf Null waren und die Blutungen verschwanden, sonst nur Negativs. Ich stecke die Versuche seelisch schwer weg und vertrage auch die Medis nicht und möchte endlich wieder normal leben, deswegen möchte ich aufhören. Vor meinem letzten Versuch hatten wir nochmal alles durchchecken lassen, Immunisierung, GBS, Chromosomen, Blutgerinnung, alles okay.
Ich habe zwar noch vier Eisbärchen auf Lager, weiß aber nicht, wann und ob ich überhaupt den Versuch überhaupt noch durchziehen werde, weil ich keine Kraft mehr habe und die Aussichten auch sowieso mehr als schlecht sind. Auf jeden Fall beschäftige ich mich die letzten Wochen mit dem Abschied und dem Leben danach. Tja, und unsere Ehe hat auch in der letzten Zeit so einiges abgekriegt.
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Re: Abschied?

Postby paprik_a on 04 Mar 2017, 20:14

Vielen Dank für deine Antwort! Nach meiner 2. und 3. ICSI hatte ich jeweils erhöhte HCG Werte, alles sieht sehr gut aus, und dann immer der große Zusammenbruch, die Werte sind gesunken, tut uns leid. Irgendwie habe ich über die Jahre gemerkt, wie ich mehr und mehr abstumpfe. Irgendwann hatte ich keine Tränen mehr, ich war zwar tief enttäuscht und total traurig, aber ich konnte nicht mal mehr weinen. Und ich merke mehr und mehr, wie ich mich von meinem Mann entferne. Er will vom Thema Kinderwunsch am liebsten gar nichts mehr wissen, nichts sehen, nichts hören und bloß nicht dran denken. Mich verletzt das sehr, da ich mir immer noch ein Leben ohne Kind nicht vorstellen kann. Wie kann ich es nur schaffen, glücklich und zufrieden ohne Kind zu leben? Natürlich machen wir Reisen, die wir mit Kind nicht machen könnten, wir kaufen uns Dinge, die wir uns niemals mit Kind leisten könnten, aber ich würde alles gerne hergeben, wenn ich dafür ein Kind bekommen würde. Ich brauche weder Reisen, noch teure Klamotten…
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Re: Abschied?

Postby Siri on 04 Mar 2017, 20:18

Bei meinem Mann war es nach dem letzten Versuch so, dass er plötzlich noch Versuche im Ausland machen wollte, obwohl wir letztes Jahr abgemacht hatten, das nicht zu tun. Er wollte alles ausschöpfen, obwohl es ihm sonst immer egal war, wie die ganze Sache ausgeht. Ich weiß nicht, ob das bei ihm so eine Phase war, aber jetzt hat er sich wieder beruhigt und bittet mich nur, irgendwann den letzten Kryo-Versuch durchzuziehen und die Eisbärchen nicht zu verwerfen. Es ist bei uns also zurzeit eher umgekehrt, er könnte noch, aber ich nicht mehr.
Natürlich sind die Sachen, die man ohne Kinder machen kann, kein wirklicher Trost. Aber ich versuche es zu genießen, wir haben zum Glück auch immer unsere Reisen gemacht die letzten Jahre, ich habe nebenbei eine Weiterbildung gemacht, habe also das andere Leben nie ganz weggeschlossen. Ich weiß nur, früher konnte ich auch gut ohne den Gedanken Kinder gut leben und deswegen wird es irgendwann auch wieder gut gehen - es ist aber vorher erstmal Zeit zu trauern und loszulassen und braucht wohl einfach seine Zeit. Habt ihr über Adoption nachgedacht? Wäre das ein Weg für Euch? Wir beide wollen es aber nicht. Eine schöne neue Woche wünsche ich Dir.
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Re: Abschied?

Postby paprik_a on 04 Mar 2017, 20:25

Über Adoption haben wir nachgedacht, konnten uns aber bisher nicht dafür entscheiden. Ich weiß, dass das jetzt total blöd klingt und viele denken, ich habe einen Knall. Aber irgendwie möchte ich gerne selbst ein Kind bekommen. Es in mir tragen und spüren. Kannst Du das verstehen? Natürlich ist mir klar, dass es ein riesiges Geschenk wäre, ein Kind adoptieren zu dürfen. Aber ich bin einfach nicht soweit, es annehmen zu können. Im Moment denke ich viel zu sehr daran, was hat das Kind während der Schwangerschaft erlitten, hat die Mutter Alkohol, Medikamente, Drogen während der Schwangerschaft genommen. Was, wenn sie das Kind zurückhaben will? Natürlich weiß ich, dass man wenn eine Frau ein Kind zur Adoption frei gibt und man diejenige Auserwählte ist, die es bekommen soll, an so etwas gar nicht denken darf, aber ich mache mir nun mal diese Gedanken. Ich denke mein Problem beim Abschiednehmen ist, dass ich ganz tief in mir drin weiß, dass es irgendwann klappt. Irgendwann habe ich ein Kind. Aber: vielleicht wünsche ich es mir nur so sehr? Mein Gefühl täuscht mich? Langsam muss ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass es vielleicht doch niemals klappen wird. Und das tut weh!
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Re: Abschied?

Postby Ruth on 04 Mar 2017, 20:35

Wir haben dasselbe Problem und haben uns nämlich zu einem zweiten TESE-Versuch entschlossen. Die Schwierigkeiten, als Paar in der Krisensituation, die das hier ist, miteinander gut zu reden, kenne ich gut und würde Euch auch empfehlen, Euch auch professionell beraten zu lassen. Wir haben schon in früheren Zeiten einmal eine Krise mit Hilfe von Gesprächen bei Pro Familia sehr gut lösen können und waren hinterher froh, den Schritt gewagt und nicht getrennt zu haben. Jetzt sind wir bei einer angeleiteten Selbsthilfegruppe mit dabei, und auch hier finden wir wieder, dass das sehr viel bringt, weil so auch einmal neue Fragen und Anstöße hereingebracht werden, auf die man als Paar untereinander nicht immer kommt.
Um die ganze Situation besser zu bewältigen, hat mir bisher am besten der Gedanke weitergeholfen, dass ich einerseits, falls es nichts wird mit dem eigenen Kind, meine Trauer darüber nicht verdrängen muss, sondern das ganz normal ist, und dass diese Trauer auch wohl etwas bleibendes sein kann, auch wenn sie sich mit der Zeit dann natürlich abschwächt. Zugleich finde ich auch, dass man durchaus auch Stolz darauf sein kann, wenn man eine solche Lebenskrise bewältigt. Um mich besser auf Überlegungen für Alternativen zum eigenen Kind einzulassen hat mir außerdem geholfen mir bewusst zu machen, dass es jetzt um etwas wirklich Neues und Anderes geht. Genauso kann ein anderer Weg natürlich dann auch sein, keine Familie zu gründen und sein Leben als Paar neu zu gestalten. Aber auch hier scheint mir das Wichtigste dann zu sein, dass man das nicht als Ersatz für das eigene Kind ansieht und außerdem weiter dazu steht, dass Trauer über den Verlust sein darf (oder sogar sein soll).
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Re: Abschied?

Postby Agnes.frankes on 04 Mar 2017, 20:42

Bei uns hat es ca. 6 Jahre gedauert, bis wir unsere Trauer um eine "einfach so" Schwangerschaft verarbeitet hatten. Wir hatten uns gegen eine KIWU Behandlung entschieden und bereuen diese Entscheidung auf keinen Fall. Da ich selber von meinem Vater adoptiert bin, war dieses Thema schon immer präsent, aber trotzdem brauchten wir die Jahre, um uns voll auf diesen Weg einzulassen...und ich kann heute sagen, ich bin heil froh, dass wir kein leibliches Kind haben, denn ich weiß nicht, ob wir dann trotzdem noch adoptiert hätten...und das hieße, unser Sonnenschein wäre nicht bei uns und ich kann mir ein Leben ohne genau dieses Kind nicht mehr vorstellen! Du schreibst, dass Du Eure "Ersatzkinder" total lieb hast und dann ein schlechtes gewissen deren Eltern gegenüber hast, d.h. Du kannst ein fremdes Kind so lieb haben ohne dass es in Dir gewachsen ist und Du es geboren hast oder?
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Re: Abschied?

Postby Louisa1998 on 04 Mar 2017, 20:46

Ich bin 30 und mein Mann 37. Vor 5 Jahren setzte ich die Pille ab. Als ich nach einigen Monaten nicht SS war bin ich zum Gyn. Dort wurden einige Untersuchungen gemacht, dann Clomi Zyklen. Als es immer noch nicht klappt, wurden wir zu Kiwu Praxis überwiesen. Im Januar war Erstgespräch. Dann folgten 2 IUI. Anschließend IVF. Bei der ersten IVF hatte es geklappt. Leider nur mir einer schweren ÜS fast 5 Wochen KH Aufenthalt, 3x Punktion insgesamt 17 Liter Wasser. Danach verlief die SS super. Bis zum 20. Januar Blasensprung, sofort in KH, unseren Sohn ging es noch gut. Man sagte uns dass ich bis zum Schluss der SS im KH bleiben müsste. Eine Woche später, hatte ich unseren Linus still geboren. Und mein Leben ging am Seidenen Faden. Ich feiere jetzt 2x meinen Geburtstag. Seitdem war nichts mehr, wie es einmal war. Danach machen wir noch 2x IVF. Leider negativ. Mein Mann wollte keinen weiteren Versuch, da ich bei der letzten IVF wieder eine ÜS hatte und wieder im KH lag und punktiert werden musste. Das ist jetzt 3 Jahre her. Ich freue mich auf einen regen Austausch! Liebe Grüße
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Re: Abschied?

Postby paprik_a on 04 Mar 2017, 20:50

Mit meinem Mann ist es sehr schwierig über seine Gefühle zu reden. Er kann es einfach nicht und er sagt immer, ihm ist es egal, ob wir Kinder haben oder nicht - auch wenn es vor einiger Zeit mal so war, dass er noch mehr Versuche als ich wollte. Aber es hatte ja überhaupt lange gedauert, bis er überhaupt soweit war, dass wir nicht mehr verhütet haben, weil er vorher sich Kinder überhaupt nicht vorstellen konnte. Und wenn ich jetzt mit ihm rede, muss ich ihm jedes Wort aus der Nase ziehen. Es fällt mir oft so schwer, da ich am liebsten soviel darüber reden möchte, aber von ihm nichts kommt und er das als hingegeben ansieht. So, morgen geht bei mir die Arbeit wieder los - und unser nächster Urlaub ist aber bereits gebucht - im August geht es für zwei Wochen nach Österreich zum Wandern.
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Re: Abschied?

Postby tilda on 04 Mar 2017, 20:57

Es tut mir sehr leid für Dich, dass bei Deinem Mann der Vorhang gefallen ist, obwohl Du gerne noch eine Chance nutzen würdest. Bei uns war es am Anfang dieses Jahres eher umgekehrt. Meiner wollte alle Möglichkeiten ausschöpfen und noch ins Ausland gehen - er hatte gerade so eine Phase, wie er mir neulich sagte. Bei ihm in der Firma sind so viele Väter geworden, und er war auch schon vermehrt darauf angesprochen worden. Aber er sieht ja, wie mich das Ganze nur noch mitnimmt. Er hat sogar nun gesagt, er wüsste eigentlich immer noch gar nicht, ob er wirklich Kinder haben wollte oder doch nicht. In den letzten Tagen konnte ich ihm echt mal so einige seiner Gedanken entreißen. Ich war in den letzten drei Jahren bei zwei HP's, bei denen ich auch Homöopathie gemacht habe, um das alles einigermaßen durchzustehen. Allerdings habe ich jetzt im Februar erstmal wieder aufgehört, weil es einfach so satt habe, irgendwelche Pillen zu schlucken. Falls es mir nicht besser gehen sollte, überlege ich dann schon, ob ich mir wieder Hilfe suche, aber ein bisschen Zeit gebe ich mir schon, um einfach traurig zu sein und das nicht wegzuschlucken.
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