von Tchaplin am 18 Feb 2010, 11:28
Männliche Sicht
Hallo zusammen,
ich hoffe, ich darf mich hier mal als Mann einreihen und meine Sicht erzählen. Als bei meiner Freundin eine MA festgestellt wurde, war ich unendlich traurig - auf eine Weise, die ich gar nicht vorher hätte beschreiben können. Die Erwartung eines gemeinsamen Kindes war der Himmel auf Erden gewesen. Wir waren beide überglücklich - und dann der Gefühlsabsturz.
Aber natürlich war ich der Starke in der Situation. Ja, so sind wir Männer dann eben, und ich finde das auch richtig. Es nützt wirklich nichts, wenn beide Partner down sind und keiner dem anderen eine Stütze sein kann. Ich habe mich über alle anstehenden Dinge (Ausschabung) genauestens informiert, war Tag und Nach für meine Freundin da, habe mir ihr über alles geredet und Gespräche mit Ärzten geführt, weil sie dazu nicht in der Lage war. Habe alles für sie gemanagt und sie vor allem in jeder Sekunde getröstet. Sie zeigte in dieser Zeit - trotz unendlicher Trauer - ihre süßesten und zugewandtesten Seiten. Sie sagte mir, dass sie so dankbar ist, dass ich für sie da bin und alles im Blick und Griff habe. Das kam so sehr von Herzen.
Wochen später hat sich die Situation verändert. Während ich die Trauer immer noch massiv in mir spüre und Bedarf habe, mit ihr über Gefühle und unsere Zukunft zu sprechen, geht sie auf Distanz. Ich glaube, sie versucht, die traurige Sache zu verdrängen. Und gerade weil ich die Sache eben nicht verdränge, sondern reden und mich mit ihr austauschen möchte, verdrängt sie mich gleich mit. Wenn ich von ihr wissen will, wie es ihr in der Sache geht, sagt sie, dass sie gut damit klar kommt. Aber das kommt nicht von Herzen. Sie hat die Trauerreste gut weggepackt, aber traut sich nicht, ihnen wieder zu begegnen. So fühlt sich das für mich an. Ich könnte sie mit der Trauer konfrontieren. Deshalb meidet sie Nähe zu mir und Austausch mit mir. Wenn ich ihr sage, wie mich das verletzt, reagiert sie halbherzig und beschwichtigend. Es sei doch alles in Ordnung. Es kommt nichts von ihr, was mir helfen könnte, sie besser zu verstehen. Sie zeigt auch kein Interesse, mich zu verstehen. Niemals spricht sie von sich aus das Thema an oder fragt mich, wir es mir inzwischen geht. Offenbar ist sie auch unentschieden, wann es mit der Familienplanung weitergehen soll, ohne dass sie es so richtig zugeben würde.
Meine Frage an Euch Frauen: Was kann ich als Mann tun, um dieses ungekannte Eis zu brechen? Ich leide entsetzlich darunter.