Depression

Re: Depression

Postby Lisa_vogt on 23 Nov 2016, 21:17

Wir haben den unerfüllten Kinderwunsch seit 5 Jahren. Künstliche Befruchtung ist ein Weg zum erfüllten Kinderwunsch, der aber auch sehr aufreibend ist und die Beziehung auf weitere Bewährungsproben stellt. In Deutschland werden nur verheirateten Paaren diese Behandlungen von den Kassen erstattet. Man kann die Behandlung auch selbst bezahlen, nur was für Reiche!
Nach all dem, was ich selbst erlebt habe, werden nur im Voraus stabile und gefestigte Beziehungen diese schwere Phase zusammen bestehen, ob der Kinderwunsch in Erfüllung geht oder nicht.
Mein Mann hatte einen Befund bei 30% und der Arzt sagte uns: es braucht nur eine Samenzelle zur künstlichen Befruchtung. Auch meine Fruchtbarkeit ist eingeschränkt, kann aber mit Hormonen hergestellt werden, was für einen Mann nicht möglich ist. Wir sind 6 Jahre verheiratet, davon haben wir 5 Jahre Kinderwunsch und sind in einer Uniklinik zur künstlichen Befruchtung gegangen, jetzt sind wir um die 40. Mein Mann fühlte sich auch äußerst unwohl in diesen Kliniken und ich musste ihn noch motivieren... Das hat sehr viel Kraft gekostet. Auch mir ist es passiert, dass ich an mir und meinem Partner gezweifelt habe. Nach jedem Fehlschlag wurden die Zweifel größer.
Trotz alledem fand ich, dass bei mir die Psyche eine entscheidende Rolle spielte, denn ich empfand mich als ziemlich allein gelassen von Ärzten und auch von meinem teilweise hilflosen und auch traurigen Ehemann... Dann ist mir etwas passiert, das ich hätte vermeiden sollen. Ich fand mich von diesem Heilpraktiker sehr verstanden, er nahm sich meiner Probleme an. Mein Selbstwertgefühl hatte gelitten unter all den Niederlagen. Ich verliebte mich ein wenig in diesen Mann, der mir Komplimente machte und zu verstehen gab, dass wir das schon hinbekommen und er für mich da sei... Nachdem ich ein halbes Jahr dort in Behandlung war, vollgestopft mit Hormonen von den 3 Behandlungen, die ich hintereinander machte, war ich auch. Ich habe mit meinem Mann über diese Gefühle geredet, daraufhin habe ich die Behandlung abgebrochen, auch die 2 offenen künstl. Befruchtungsversuche auf Eis gelegt. Wir gehen jetzt zu einer Eheberatung. Mir ist klar geworden, dass ich mich in einen anderen Mann verliebte, auch wenn dieser keine Zukunft geboten hat. Mein Kinderwunsch war mir all die Jahre wichtiger als meine Liebe zu meinem Mann. Eine traurige Erkenntnis aber auch Klarheit, die jetzt zu einer Entscheidung führen wird. Die Liebe zwischen zwei Menschen muss größer sein als alle anderen Erwartungen und Wünsche, sonst läuft man auseinander.
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Re: Depression

Postby yourAngel on 23 Nov 2016, 21:19

Ich glaube es nicht, was hier so geschrieben wird. Stellt Euch das gleiche mal vor, wenn die Frau unfruchtbar wäre, und Männer würden schreiben - verlasse sie, such dir eine neue, fruchtbare Frau! Ein Aufschrei der Entrüstung ginge durch das Forum. Liebe Frauen, auch ihr müsst die Sensibilität an den Tag legen, die ihr ständig von den Männern verlangt. Unfruchtbarkeit suchen Männer sich nicht unterbewusst aus. Es ist eine Krankheit und leider tut die Medizin verdammt wenig daran. Männer leiden darunter nicht weniger als Frauen und haben dann erst recht eine verständnisvolle Partnerin nötig - die andere Lösungen sucht und nicht ihren Egotrip durchzieht. Aber so ist es heutzutage eben weg mit dem Versager. Nur meine Interessen zählen. Und ihr wundert Euch, dass die Männer so sind wie sie sind? Ehrlich gesagt: Widerlich.
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Re: Depression

Postby Pika4u on 23 Nov 2016, 21:22

Es kommt auf innere Werte an und dann sowas! Der Mann hat das Pech, dass er eine Krankheit hat und kann daher auf normalem Wege keine Kinder zeugen. Aber anstatt dass die Frau zu ihm steht, überlegt sie sich einfach mal, ob sie sich von dem unnützen Mann trennt. Toll, der Mann als Samenproduktion, nicht mehr! Zum einen gibt es die Möglichkeit künstlicher Befruchtung, zum anderen halt eine Adoption oder Sammenspende. Aber stattdessen wird überlegt: Oh, ich habe nur noch 2 Jahre Zeit, also verlasse ich den Mann mit dem ich glücklich bin mal lieber und suche mir ganz schnell irgendwen, der mich schwängern kann. Wie tiefgründig, wie zivilisiert und wie nett! Ich stelle mir grade vor, was für eine Entrüstung es gäbe, wenn ein Mann hier schreiben würde, dass er seine Frau verlässt, weil sie unfruchtbar ist. So nach dem Motto: Die Frau ist doch keine Gebährmaschine...Dieser Thread alleine entschuldigt all die schweren Vorwürfe die in anderen Threads gegen die Männer erhoben werden, in denen es oft heißt: Wir sind ja nicht mehr in der Steinzeit!
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Re: Depression

Postby majorka4 on 23 Nov 2016, 21:33

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Du denkst ernsthaft darüber nach, ob du deinen Partner verlassen sollst? Du schreibst auch, er hatte von Anfang an Kinderwunsch. Nun kam es leider raus, dass er keine Kinder zeugen kann, meinst du, ist das für ihn kein Schlag, wenn er selbst immer mal Kinder haben wollte? Man liest hier nur von dir, aber wie geht es ihm dabei? Ich denke mal, das trifft ihn genauso, vielleicht eher noch stärker wie dich! Er ist ein Mann und ich glaube, das geht bei einem Mann tierisch in die Psyche.
Du schreibst du verzeihst ihm die Sache irgendwie nicht, er hat doch keinen Seitensprung begangen oder deinen Geburtstag vergessen, er ist so gut wie unfruchtbar, kann im geringsten nichts dafür, unschuldig, und du kannst ihm das nicht verzeihen? Sorry, aber das ist mir ein bisschen zu hoch! Der arme Mann, was jetzt wohl in ihm vorgehen muss, denn ich denke mal, er wird nur zu genau deinen Kinderwunsch kennen und mittlerweile auch deine Entäuschung mitbekommen haben! Du sagts, du liebst ihn, es ist sonst alles andere wunderbar! Das hört man einfach viel zu selten! Denn zeige ihm erst recht jetzt in dieser Situation das du ihn liebst und hinter ihm stehst. Ein Mann soll dich glücklich machen und ist doch nicht nur da um einen zu schwängern. Wenn es nicht auf normalen Weg geht doch bei weitem kein Grund zur Trennung! Ausserdem du schreibst, es liegt unter 20% richtig, ist nicht besonders viel, aber ist es null? Grade in solchen Situationen finde ich, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben. Wie siehts aus mit einer künstlichen Befruchtung? Auch hier wenns nicht gleich beim ersten mal klappt den Mut verlieren, wenn alles nicht hilft, dann eventuell auch Samenspende oder Adoption.
Also wenn mein Mann keine Kinder zeugen könnte, würde ich ihn definitiv deswegen nicht verlassen. Grade da braucht er dann seine Frau, die ihm denn auch so wirklich zeigen kann das sie ihn von ganzem herzen liebt, in dem sie nicht geht…
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Re: Depression

Postby Windchen210 on 23 Nov 2016, 21:37

Ich kann nur immer wieder sagen, dass ich froh bin, hier zu schreiben und die vielen unterschiedlichen Meinungen hier zu lesen. Eine Sache, die wir nun neben den ganzen Diskussionen angegangen sind: nächste Woche haben wir einen Termin bei so einem Arzt für Reproduktionsmedizin. Also wir haben aufgehört, uns im Kreis zu drehen etc. Mir soll mal Blut abgenommen werden und die Eileiter werden geprüft. Irgendwie frage ich mich warum das meine Ärztin nie gemacht hat, sie hat immer nur von Spermien geredet. Dann sollen wir Folsäure, Zink und Vitamin B nehmen. Dann sollen weitere Gespräche folgen. Also ich muss sagen, die Idee von Reagenzglasbefruchtung lehne ich noch ab, aber es gibt vorher noch andere Varianten.
Ich danke euch, dass ihr mir meine Gedanken wieder sortiert habt…wir sind noch zusammen. Ich konnte mich deswegen doch nicht trennen. Künstlich haben wir überlegt, aber da haben wir uns dagegen entschieden, irgendwie waren wir zwar mal bei so einem Arzt, um uns zu informieren: aber das ist alles doch recht gruselig - für meinen Geschmack. Bleibt Adoption, allerdings sind wir beide gerade von eventueller Arbeitslosigkeit bedroht und schieben das Thema. Also ich kann nur sagen, ich weiß bis heute keine gute Lösung. Ich habe mich zwar nicht getrennt, aber das Thema, das Problem bleibt. Was ich gelernt habe, ist, nicht mehr zu versuchen, die Verantwortung für diese Dinge einfach abzuschieben, sondern selber zu tragen lernen und selber auseinandersetzen. Aber ganz ehrlich: dieses Thema ist es immer noch und es macht mich sehr traurig.
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Re: Depression

Postby Agnes.frankes on 16 Sep 2017, 22:31

Mein Mann und ich haben auch ein Kind, das durch Samenspende gezeugt wurde und ich kann dir nur soviel sagen: Mein Mann (ich weiß nicht und kann’s dir nicht versprechen, dass es bei deinem Mann genauso ist) ist voll und ganz Vater und hat keine Probleme damit, nicht der Erzeuger des Kindes zu sein... Immerhin hat er die Kleine schon von der Schwangerschaft an begleitet und von der ersten Sekunde ihr Leben mit ihr geteilt. Es kommt glaub ich nicht darauf an, wessen Sperma benutzt wird um die Befruchtung durchzuführen, Hauptsache ist doch, wer für das Kind da ist! Er bringt sie abends ins Bett, geht mit ihr zum Arzt, bringt sie in den Kindergarten usw. Die beiden haben ein weit besseres Verhältnis zueinander als manch anderen Eltern zu ihren Kindern... Also sei getrost wegen der Samenspende, er wird sich hoffentlich voll und ganz als Papa fühlen! Mein Mann hat sich anfangs auch verkrochen, aber ich glaub die brauchen in diesem Moment auch mal ein bisschen Zeit für sich, um selbst mit der Situation klar zu kommen... Mehr als für ihn da zu sein und immer ein offenes Ohr für ihn zu haben.. kannst du glaube ich auch nicht machen! Ich wünsche euch alles erdenklich Gute!
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Re: Depression

Postby Fuchs on 10 Oct 2017, 20:58

Ja im Umfeld sind schon sehr viele Kinder. Ihre Schwester ist im 5 Monat mit ihrem zweiten Kind schwanger. Ihr Bruder ist vor einem Jahr Vater geworden. Meine Cousine ist jetzt Mutter. Eine Freundin ist auch gerade Mutter geworden. Das macht dass alles nicht viel leichter. Für mich war klar dass ich diese Behandlung versuche. Ich liebe meine Frau und wäre froh, wenn wir das hinbekommen. Außerdem fühle ich mich auch ein wenig verpflichtet, da es ja an mir liegt. Denke aber, das ist normal. Ich bin wie dein Mann auch eher der ruhigere Typ, der nicht viele Worte verliert. Meine Frau meint oft, mich würde das dann weniger interessieren. Was aber nicht so ist. Ich lasse lieber taten walten. Versuche auch möglichst viele Termine wahrzunehmen, was Schwer ist in einem drei Schicht System. Einen positiven Schritt haben wir nun eingeleitet. Meine Frau wird ab November nicht mehr Vollzeit arbeiten in der Zeit der ICSI versuche. Hoffe dadurch, dass sie die Termine ruhiger angehen kann, mehr Zeit für sich hat in diesen Wochen weniger Stress halt. Ist ja alles sehr zeit aufwendiger, Grade für die Frau. So bis die Tage.
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Re: Depression

Postby Lisa_vogt on 16 Oct 2017, 01:29

Mein Mann und ich haben lange versucht eine Familie zu gründen… leider ohne Erfolg. Wir waren dann beim Arzt und haben uns beide mal untersuchen lassen, da kam dann auch die schreckliche Diagnose - Unfruchtbarkeit! So es wäre alles nur halb so schlimm, wenn mein Mann das ähnlich wie ich sehen könnte. Es ist keine Schande unfruchtbar zu sein und man ist deswegen doch nicht weniger männlich... Aber er zieht sich vollkommen zurück und sucht die Schuld bei sich, dabei kann er doch gar nichts dafür. Ich komm nicht an ihn heran, obwohl ich immer versuche ihm das Gefühl zu geben, dass er nicht versagt hat und wir zusammen schon eine Lösung finden werden. Wir haben mal kurz über eine Samenspende geredet... aber ob er damit klar kommt, das er nicht der Erzeuger des Kindes ist? Hat jemand vielleicht Ratschläge oder Tipps für mich, wie ich in der Beziehung damit umgehen kann? Eventuell gibt es auch jemanden, der bereits Erfahrungen mit dem Thema Samenspende gemacht hat und mir auch da ein bisschen was drüber erzählen kann?
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Re: Depression

Postby Lisa_vogt on 10 Nov 2017, 22:23

Ich denke, wenn Du Deinen Freund wirklich und aufrichtig liebst, dann dürfte Dir der Gedanke einer Trennung aus dem genannten Grund gar nicht kommen...Dein Freund kann nichts dafür, dass er unfruchtbar ist, er würde wahrscheinlich vieles dafür geben, Kinder in die Welt setzen zu können. Meinst Du nicht, er ist mit dieser Sache genug gestraft? Ihn aus diesem Grund zu verlassen, fände ich ziemlich heftig...Ich kann nachvollziehen, dass Du gern ein Kind hättest, aber was ist Dir wichtiger? Willst Du wirklich Deine große Liebe gehen lassen, weil er keine Kinder zeugen kann (sonst aber scheinbar alles prima zwischen Euch läuft)? Kannst Du da nicht lieber auf ein Kind verzichten? Ich weiß, dass klingt hart und ist auch einfach daher gesagt, wenn ein Kinderwunsch besteht...Vielleicht könnt Ihr Euch mit dem Gedanken an ein Pflegekind anfreunden? Jedenfalls finde ich es ziemlich stark, in dieser Situation von nicht verzeihen zu sprechen - Dein Freund hat sich seine Situation schließlich nicht freiwillig ausgesucht!
Wenn ich Du wäre - ich würde mir nicht aus "Spermagründen einen neuen Partner suchen"...Die Kinderlosigkeit ist dann vielleicht ein Schicksal, dass Euch verbindet und dass Ihr Beide teilen müsst...Kinder sind nicht alles im Leben - wenn es nicht sein soll, dann setzt Euch andere Ziele, macht andere Dinge zum Mittelpunkt Eurer Beziehung, Eures Lebens...Überlege Dir die Sache ganz genau - kann zwar nachvollziehen, dass Du hin und hergerissen bist, aber irgendwie... ich glaube, mir würde der Partner vorgehen... Du solltest ihm helfen, mit der Situation klarzukommen, denn er wird sicher auch darunter leiden und sich heimlich Vorwürfe machen...Weiß er von Deinen Trennungsgedanken?
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Re: Depression

Postby paprik_a on 18 Nov 2017, 01:46

Ich weiß sehr wohl, dass es für einen Mann einen Unterschied macht, ob er unfruchtbar ist. Und ich denke, für dich wäre die Lage wesentlich schwieriger, wenn beides auf deinen Partner zuträfe. Ich glaube allerdings nicht, dass sich dein Mann zurückzieht, weil er unfruchtbar ist. Mir scheint da die Idee von der Samenspende viel entscheidender zu sein. Sie besagt ja im Grunde nichts anderes, als dass er akzeptieren soll, ein Kind sein eigen zu nennen, dessen Vater er nicht ist. Tag für Tag, sein ganzes Leben lang, wird ihm damit vor Augen geführt, dass er nicht hinbekommen hat, was er sich gewünscht hat. Das wird eine Demütigung fürs Leben. Warum bitte sehr, denkst Du, und ich glaube, dass Du da die eigentliche Adressatin bist, nicht darüber nach, ein Kind zu adoptieren, einen Säugling, der keine Eltern hat? Euer Verhältnis zu dem Kind müsstet ihr beide auf gleicher Ebene aufbauen. Und Du wärst eben doch nicht ein wenig mehr Mutter als Dein Vater eben Vater wäre. Ganz ehrlich: Ich halte die Idee von der Samenspende für eine schlechte Idee. Und als Mann würde ich sie in vergleichbarer Situation nicht nur als Zumutung, sondern als große Demütigung sehen.
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