Depression

Re: Depression

Postby Bibolina on 23 Nov 2016, 19:45

Natürlich können nicht-biologische Eltern ihr Kind annehmen und es nach allen Regeln elterlicher Liebe umsorgen. Keine Frage. Mir sind Adoptiv-Eltern begegnet, die das in vorbildlicher und beeindruckender Weise taten. Davor hatte ich alle Achtung. Mich stört bei dieser Fragestellung das Motiv "Machbarkeit". Und dazu sage ich dann: Nicht alles, was machbar ist, ist auch gut und auch nicht unbedingt ethisch vertretbar. Es ist freilich ein persönliches Schicksal, mit dem man schwer umgehen kann, wenn man als Mann oder Frau feststellen muss, dass man keine eigenen Nachkommen haben wird. Würde man das Motiv der Machbarkeit, wie ich es oben genannt habe, nämlich konsequent umsetzen, dann müsste man mit dem Beginn einer Beziehung, mindestens mit dem Einstellen des Kinderwunsches die Partnerschaft auf ihre Festigkeit abklopfen. Wenn Du keine Kinder bekommen kannst, wäre es dir dann möglich, zu akzeptieren? Ich sage das in deine Richtung, weil ich nun wirklich denke, dass man nicht alles tun sollte, was man tun kann. Und was ist mit dem Kind später? Wie sieht der Umgang mit der Samenspende gegenüber dem Kind aus? Sagt man ihm dann, Papa habe das nicht gekonnt, deshalb sei es durch Verwendung einer Samenspende entstanden? Welche Folgen hätte eine solche Information für ein Kind und sein eigenes Bewusstsein? Ich bemühe die Ethik. Die Fruchtbarkeits-und Fortpflanzungsmedizin ist weit fortgeschritten. Warum bitte sehr, sollte man dann nicht auch Kinder nach Maß produzieren? Ist doch alles machbar. Warum also nicht? Kinder aus der Retorte, Bestell-Baby nach Wunsch. Vielleicht erreiche ich damit noch glückliche Eltern, die bekommen, was sie wollen. Aber glückliche Kinder? Ich versage mir, mir alle Konsequenzen auszumalen. Für mich wäre das eine schreckliche Vorstellung.
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Re: Depression

Postby eva2Abel on 23 Nov 2016, 19:52

Mein Mann und ich haben auch ein Kind, das durch Samenspende gezeugt wurde und ich kann dir nur soviel sagen: Mein Mann (ich weiß nicht und kanns dir nicht versprechen, dass es bei deinem Mann genauso ist) ist voll und ganz Vater und hat keine Probleme damit, nicht der Erzeuger des Kindes zu sein... Immerhin hat er die Kleine schon von der Schwangerschaft an begleitet und von der ersten Sekunde ihr Leben mit ihr geteilt. Es kommt glaub ich nicht darauf an, wessen Sperma benutzt wird um die Befruchtung durchzuführen, hauptsache ist doch, wer für das Kind da ist! Er bringt sie abends ins Bett, geht mit ihr zum Arzt, bringt sie in den Kindergarten usw. Die beiden haben ein weit besseres Verhältnis zueinander als manch anderen Eltern zu ihren Kindern... Also sei getrost wegen der Samenspende, er wird sich hoffentlich voll und ganz als Papa fühlen! Mein Mann hat sich anfangs auch verkrochen, aber ich glaub die brauchen in diesem Moment auch mal ein bisschen Zeit für sich, um selbst mit der Situation klar zu kommen... Mehr als für ihn da zu sein und immer ein offenes Ohr für ihn zu haben.. kannst du glaube ich auch nicht machen! Ich wünsche euch alles erdenklich Gute!
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Re: Depression

Postby Maria Waldfogel on 23 Nov 2016, 19:57

Hallo, ich kann völlig deine Frau verstehen. Ich habe dasselbe Problem, ich habe mir ein Leben lang Kinder gewünscht. Seit 4 Jahren habe ich nun einen Partner, mit dem ich mir das vorstellen konnte, auch er wollte es von Anfang an. Nur es kamen keine Kinder. Inzwischen waren wir bei Ärzten, inzwischen wissen wir, dass seine Spermaqualität unter 20% ist, also im Prinzig unfruchtbar. Inzwischen bin ich 39 Jahre.Meine Frauenärztin sagt, ich habe noch 2 Jahre, dann ist Schluss. Ich bin total verzweifelt: einerseits will ich mit meinem Freund zusammen sein, andererseits ist mein Lebensthema so wichtig, dass es echt zur Belastung wird. Aber ich kann mir doch nicht nur aus Spermagründen einen neuen Partner suchen...Andererseits, irgendwo verzeihe ich ihm die Sache nicht, manchmal habe ich die Fantasie, das muss doch was mit ihm und seinem Unterbewußtsein zu tun haben, dass er so blockt - ich betrachte es als psychisch. Ich weiß nicht was ich tun soll und habe das Gefühl, das werfe ich mir in 10 Jahren vor, dass ich nicht einfach doch dem Kinderwunsch nachgegeben habe...Und ich habe Gedanken, ihn zu verlassen.
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Re: Depression

Postby omega on 23 Nov 2016, 20:03

Hallo, Maria! Ich denke, wenn Du Deinen Freund wirklich und aufrichtig liebst, dann dürfte Dir der Gedanke einer Trennung aus dem genannten Grund gar nicht kommen...Dein Freund kann nichts dafür, dass er unfruchtbar ist, er würde wahrscheinlich vieles dafür geben, Kinder in die Welt setzen zu können. Meinst Du nicht, er ist mit dieser Sache genug gestraft? Ihn aus diesem Grund zu verlassen, fände ich ziemlich heftig...Ich kann nachvollziehen, dass Du gern ein Kind hättest, aber was ist Dir wichtiger? Willst Du wirklich Deine große Liebe gehen lassen, weil er keine Kinder zeugen kann (sonst aber scheinbar alles prima zwischen Euch läuft)? Kannst Du da nicht lieber auf ein Kind verzichten? Ich weiß, dass klingt hart und ist auch einfach dahergesagt, wenn ein Kinderwunsch besteht...Vielleicht könnt Ihr Euch mit dem Gedanken an ein Pflegekind anfreunden? Jedenfalls finde ich es ziemlich stark, in dieser Situation von nicht verzeihen zu sprechen - Dein Freund hat sich seine Situation schließlich nicht freiwillig ausgesucht!
Wenn ich Du wäre - ich würde mir nicht aus "Spermagründen einen neuen Partner suchen"...Die Kinderlosigkeit ist dann vielleicht ein Schicksal, dass Euch verbindet und dass Ihr Beide teilen müsst...Kinder sind nicht alles im Leben - wenn es nicht sein soll, dann setzt Euch andere Ziele, macht andere Dinge zum Mittelpunkt Eurer Beziehung, Eures Lebens...Überlege Dir die Sache ganz genau - kann zwar nachvollziehen, dass Du hin und hergerissen bist, aber irgendwie... ich glaube, mir würde der Partner vorgehen... Du solltest ihm helfen, mit der Situation klarzukommen, denn er wird sicher auch darunter leiden und sich heimlich Vorwürfe machen...
Weiß er von Deinen Trennungsgedanken?
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Re: Depression

Postby tilda on 23 Nov 2016, 20:09

Ich finde deine Einstellung total respektlos deinem Partnern gegenüber. Einfach unglaublich. Und du restdest von "unverzeihlich"? Deine Vorstellung, dein Partner sei unfruchtbar, weil er psychische Probleme hätte, unbwusste nartürlich, finde ich einfach völlig unrealistisch. Ich finde es völlig an den Haaren herbei gezogen zu glauben, dass inaktive Spermien etwas mit der Psyche zu tun hat und dass jeder Pups, der nicht nach deinen Vorstellungen von deinem Leben passt psychischer Natur zugrunde liegt. Und selbst wenn es so wäre, wenn es wirklich bei deinem Mann psycisch wäre, dann soll das unverzeihlich sein? Warum? Was wäre, wenn du in den kommenden Jahren Arthrosen bekommst und du nicht mehr alles mitmachen kannst mit deinem Mann, ist das dann auch unverzeihlich? Solltest du dann auch mal zum Psychologen nach Ansicht deines Mannes. Vielleicht will er ja dann auch eine funktionsfäige Frau und keine die schon arthrotische Beschwerden hat.
Ich kann deinem Mann gut verstehen, wenn er keine Familienaufstellung machen will. Wozu auch? Meiner Meinung nach hast du ein Problem mit dieser Situation. Warum gehts du nicht zu einem Psychologen? Der kann die bestimmt helfen, dass du selbst verstehst, warum du so unbedingt Kinder möchtest, die weitaus wichtiger sind als deine Liebe zu deinem Mann. Ein Arbeitskollege von meinem Vater verließ seine Frau, weil sie keine Kinder bekommen konnte.
Alle Kollegen waren schockiert. Nun ja, der gute Mann lernte ratzpatz eine neue Frau kennen, sie heirateten nach ein paar Monaten zusamen sein, sie wurde schwanger, so wie er es wollte und dann hatte sie einen so schweren Autounfall, dass sie ihr Kind verlor und erfuhr, dass sie nie wieder schwanger werden wird. Ich würde dir raten, die einen guten Psychologen zu suchen. Vielleicht findest du dann deine Lösung für dein leben.
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Re: Depression

Postby Louisa1998 on 23 Nov 2016, 20:13

Deine Kinderlosigkeit ist nicht alleine Sache deines Partners und seiner Unfruchtbarkeit, sondern auch deiner Lebensweise in den 35 Jahren vor ihm geschuldet. Du wirst deine Gründe haben, warum du in all den Jahren keine Kinder wolltest. Aber das sind eben Deine Gründe, für die du ihm jetzt nicht die Generalschuld anlasten darfst. Wenn du schon nach psychosomatischen Ursachen suchen willst, dann denke mal darüber nach, was deine Torschlußpanik mit deinem Partner macht. Da ist es für mich auch kein Wunder, dass er dem von dir gemachten Vorschlag, dem Problem durch Familienstellen zuleibe zu rücken, ablehnend gegenübersteht. Wahrscheinlich hat er Angst, vorgeführt zu werden. Ich persönlich sehe wie viele andere auch deine mangelnde Achtung vor deinem Partner, den Egoismus, mit dem du ihn zum Werkzeug deines Lebensthemas machen willst, bzw. enttäuscht von ihm bist, wenn er dafür nicht taugt.
Zum Thema Famlienstellen sei noch gesagt, daß der von mir sehr geschätzte Bert Hellinger zu deinem Problem eine klare Haltung einnimmt: Wenn einer von den Partnern keine Kinder bekommen kann, aus welchen Gründen auch immer, dann darf er den anderen nicht festhalten. Er muß sagen: Das ist mein Schicksal, ich trage es alleine. Er muß also innerlich den Partner freigeben. Vielleicht wäre es für euch wirklich das Beste, einander loszulassen.
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Re: Depression

Postby Agnes.frankes on 23 Nov 2016, 20:15

Wenn die Spermienqualität deines Freundes bei unter 20% liegt, bedeutet das doch noch lange nicht, dass er zeugungsunfähig ist. Wie wärs mit künstlicher Befruchtung? Aber warum kannst du ihm das nicht verzeihen, ich meine was kann er dafür? Sorry, aber ich bin vielleicht zu verbohrt, aber mit Unterbewusstsein und blocken, etc. kann ich nichts anfangen. Es kann viele Gründe für seine Situation geben, z.B. Krankheiten in der Kindheit. Wenn ich deinen Beitrag so lese, dann bin ich stolz auf meine Schwägerin, die trotz der zeugungsunfähigkeit meines Bruders (Klinefelter Syndrom und definitiv niemals zeugungsfähig aufgrund von Chromosomenfehlverteilung). Sie steht zu ihm und macht ihm nicht den geringsten Vorwurf. Die beiden versuchen ihr Leben in andere Bahnen zu lenken, den Lebensinhalt nicht am unerfüllten Kinderwunsch fest zu machen. Und das nenne ich Liebe...
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Re: Depression

Postby Ruth on 23 Nov 2016, 20:55

Wir hatten vor Jahren genau dasselbe Problem. Nach dem ersten Schock unterzog sich mein Mann einer OP und wir hatten die Möglichkeit zu einer künstlichen Befruchtung die nicht klappte. Danach Lere was nun? Wir versuchten eine Möglichkeit zu finden um ein Kind zu adoptieren. Fehlschlag! Diese ganzen Ereignisse brachten unser Leben so durch einander. Manchmal dachte ich sogar an onenightstand nur um unseren Traum vom Kind zu erfüllen. Wir trennten uns und ich muss sagen wenn es auch ein schwerer Weg warm ich habe es nicht bereutden, so etwas kann man nur verarbeiten, wenn man stark zusammen hält! Überlege dir was wichtiger ist, ein Kind oder eine gute Beziehung mit der Zeit findest du deinen Weg alles Gute dafür!
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Re: Depression

Postby Siri on 23 Nov 2016, 21:11

Nach dem lesen deiner Beiträge finde ich, das du gar nicht reif für Kinder bist. Du gibst ja schon auf, ohne auch nur einen Schritt gegangen zu sein. Hätte ich hier von jahrelangen Versuchen mit künstlicher Befruchtung und sonstigem gelesen, dann hätte ich deinen Frust wohl etwas mehr nachvollziehen können. Nicht den Frust auf deinen Partner, aber deine Zerrissenheit schon. Aber du willst alles bekommen, ohne auch nur ein bisschen dafür zu tun. Und wälzt so sämliche Verantwortung auf deinem Partner ab. Nun zum Kinderwunsch. Da seid ihr nicht die einzigen, denen der nicht erfüllt wird. Ist denn jetzt dein Leben zu Ende? Hat keinen Sinn mehr?
Wenn ich Kinder mag, dann kann ich mir leicht ein Ventil suchen, eine Beschäftigung mit Kindern lässt sich immer finden. Es gibt neben der Adoption die Option einer Pflegefamilie. Komischerweise sind gerade die, die so laut nach Kindern schreien meist nicht bereit, sich um Kinder zu kümmern. Dieses Denken nervt mich. Einerseits sich als so Kinderlieb hinstellen, andererseits alles ablehnen, was mit Kindern und deren Problemen zu tun hat, wenn es fremde Kinder sind. Selbst bei Adoptionen sollen es immer nur Babys sein. Du siehst gar nicht das Kind, du siehst nur dich. Du siehst noch nicht mal deinen Partner, er hat in deinem Sinn zu funktionieren.
Für dein Leben, wie immer es aussieht, bist du verantwortlich. Kinder sind kein Inhalt, und kein Sinn. Sie machen aus dir weder einen besseren Menschen, noch geben sie deinem Leben einen Inhalt, den es bis jetzt noch nicht hat. Sie führen dein Leben in eine andere Richtung, sicher. Aber wenn du jetzt noch nicht so gefestigt bist, das dein Leben einen Inhalt und eine Richtung hat, dann wird sich mit einem Kind da nichts ändern. Denn dann musst du nicht nur dein Leben regeln, sondern bist noch für ein anders verantwortlich. Du bist für mich noch nicht mal fähig eine Beziehung zu führen, mit Respekt und Liebe und Verständnis. Was willst du mit einem Kind? Übrigens ist die aussage deiner Frauenärztin nicht so falsch. Aber nicht im biologischen Sinn, eher vom Denken her. Wer früh Kinder bekommt, der ist in seinem Leben noch nicht so eingefahren. Umso später man schwanger wird, umso grösser wird die Umstellung.
Schon richtig, was andere hier raten. Lass den Mann in Ruhe, er hat besseres verdient. Den Aspekt, einen Mann als erzeuger zu suchen, den gibt es öfter. Hinterfrag mal die Beziehungen, die diese Menschen miteinander haben. Wenn es überhaupt längere Zeit hält.
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Re: Depression

Postby paprik_a on 23 Nov 2016, 21:13

Hallo,
eine Freundin von mir hatte dasselbe Problem. Die beiden haben sich getrennt, die Frau wurde mit einem anderen Mann schwanger, ist glücklich, der Mann war im Nachhinein auch heilfroh.
Später sagte er sogar, dass ihm sein Unterbewußtsein wohl einen Hinweis gegeben hat: denn in der Tat war sein Lebensweg ein anderer. Denn egal, ob er keine Kinder will oder kann: das ist eine Lebenssituation, die die Partnerschadft so sehr belastet, dass es nicht vertretbar ist. Ich hatte mal einen Freund, der wollte ins Ausland und alternativ leben. Ich selber bin kein Aussteigertyp und wollte hier bleiben. So ist es im Leben: man findet sich und trennt sich wieder, das ist wunderschön und schmerzhaft. Wenn zwei Menschen so elementare andere Wege gehen wollen, egal, ob sie können oder wollen, wie Aussteiger leben, Kinder oder nicht, etc. dann kann sich einer nicht völlig für den anderen verbiegen. Und wenn doch verbiegen: das wird nie wieder wirklich gut. Trennt Euch in Respekt und Würde
Liebe Grüße
paprik_a
 
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