Depression

Depression

Postby kühn on 23 Nov 2016, 18:53

Hallo zusammen. Ich weiß nicht ob ich hier richtig bin aber hoffe auf eure Hilfe. Kurz zu mir. Ich heiße Mathew und bin 35 Jahre alt. Ich habe nach ärztlicher Untersuchung erfahren, dass ich keine Kinder zeugen kann da meine Spermienqualität nicht ausreichend ist .Meine Frau und ich haben es lange probiert, bevor wir uns untersuchen lassen haben, etwa 1,5 Jahren. Der Schock war erstmal groß, da wir beide immer Kinder möchten. Wir haben uns dann in einer KIWU Klinik nach einer künstlichen Befruchtung erkundigt und natürlich auch mit dem ersten Versuch begonnen. Finanziell war das erst mal kein Thema da wir Geld gespart hatten. Die Wochen vor der Befruchtung waren schon sehr strapazierend für meine Frau. Verschiedene Tabletten, Spritzen, viele Arzt Termine usw. haben sie sehr geschlaucht. Natürlich mich auch. Dann das erste Ergebnis – negativ. Wir fielen beide in ein Loch, hatten aber noch die Hoffnung auf unsere 3 Eisbärchen. Nach dem Auftauen wurden zwei eingesetzt und nach 14 Tagen das Ergebnis negativ. Das ist nun 14 Tage her. Ich habe es so gut es geht verarbeitet, meine Frau dagegen überhaupt nicht. Sie ist seitdem extrem gereizt. Es vergeht kaum ein Tag, wo sie nicht sauer ist wegen irgendeiner Kleinigkeit. Ich kann verstehen dass sie enttäuscht ist und rede auch viel mit ihr darüber und mache Mut, dass es bei der nächsten ICSI besser wird aber wirklich ankommen tut bei ihr nichts.
Nach Weihnachtsfesten haben wir die nächste Befruchtung. Es gibt aber Problem mit Geld. Das wäre das nächste Problem, das wenn dann nichts geklappt hat, hat die Frage offen bleibt, wie geht es weiter? Meine Frau will so wie sie sagt auf jeden Fall ein Kind. Ich ja auch aber im Ernstfall noch verschulden für weitere Versuche würde ich nicht. Sie schon. Was zu einer bitteren Diskussion geführt hat. Sie macht nun häufig Anspielungen, dass sie alles für ein Kind aufgeben würde. Ich verstehe, dass sie auch unsere Ehe meint. Was mich wirklich traurig macht. Ich versuche viel, aber am Ende ist alles wieder scheiße, so wie sie sagt. Fühle mich schlecht, dass ich ihr ihren sehnlichsten Wunsch nicht erfüllen kann. Im Gegenteil, ich sehe sie sehr oft leiden. Was wirklich weh tut, als Ehemann. Ich habe so das schlechte Gefühl, dass wenn alles negativ verläuft, könnte unsere Ehe auf dem Spiel stehen. Ich merke wie auch mich die ganze Sache auffrisst und es fällt mir immer schwerer positive Kraft für mich und meine Frau aufzubringen. Hoffe, dass der nächste Versuch klappt... War jemand hier vielleicht schon mal in einer ähnlichen Situation und kann davon schreiben? Erstmal danke fürs Lesen
kühn
 
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Re: Depression

Postby Nala on 23 Nov 2016, 18:57

Das tut mir leid für euch. Ich finde ihr braucht beide psychologischen Begleitungen. Vielleicht tut es auch erstmal ein Mediator, wenn es das nächste Mal nicht klappt. Verarbeitet hast Du Deine Zeugungsunfähigkeit selber noch nicht wirklich. Das ist in Anbetracht des starken Kinderwunschs Deiner Frau doppelt schwer. Also holt Euch zeitnah Hilfe. Vielleicht weiß jemand hier wo man sich am Besten hinwenden kann. Also fragt doch im Kinderwunsch-Zentrum nach psychologischer Betreuung- entweder durch Personal dort oder dass sie eine Adresse vermitteln können. Alles Gute
Nala
 
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Re: Depression

Postby kühn on 23 Nov 2016, 19:01

Hallo. Danke für deine Antwort. Ich werde mit meiner Frau nochmal darüber reden, uns vor dem nächsten versuch Hilfe zu holen. Ich wusste zwar, dass die Sache uns belasten wird, hätte aber nie mit diesen Ausmaßen gerechnet. Wir mussten schon viel zusammen durchmachen und alles hat enger zusammen geschweißt aber bei der Sache habe ich echt das Gefühl, dass ein Keil zwischen uns treibt. Ich weiß ich schreibe hier und manche werden sich denken, du hast doch schon eine Antwort. Mit tut es ganz gut fremde Meinungen und Ratschläge zu hören. Klar rede ich auch mit Familie und besten Freund darüber aber dass ist irgendwie wieder was anders. Meistens kommt die Aussage, wir schaffen das.
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Re: Depression

Postby sofi_e on 23 Nov 2016, 19:09

Ich kann genau nachfühlen, wie es dir geht. Mein Mann und ich waren vor ca. 6 Jahren in einer ähnlichen Situation. Schon seit ich 18 bin, wusste ich, dass ich wahrscheinlich nie auf natürlichen Weg schwanger werden kann, doch nun war für mich die große Hürde einen Partner zu finden, der so eine Behandlung überhaupt mitmacht. Nachdem ich meinen Mann kennen gelernt hatte und wir auch über dieses Thema sprachen, zögerten wir nicht lange und waren später verheiratet. Natürlich hauptsächlich aus dem Grund, weil dann wenigstens noch die Hälfte pro Versuch erstattet wird. Bei der Untersuchung in der Kinderwunschpraxis wurde zu unserem Bedauern festgestellt, dass die Spermien-Qualität bei meinem Mann nicht so toll war. Also noch teuer: ICSI. Andererseits saßen wir beide quasi wirklich im selben Boot und keiner konnte den anderen Vorwürfen machen.
In unserer Stadt wurden über das Gesundheitsamt Gesprächs-Abende für ungewollt kinderlose Paare angeboten, daran nahm ich allerdings alleine teil, mein Mann kam damit klar und ist auch sonst nicht so der Typ der vielen Worte. Jedenfalls begann für uns die Zeit mit selber zu Hause spritzen, wo mir mein Mann sehr gut half. Zur Kontrollterminen ging ich alleine, zur Ei-Entnahme natürlich nicht. Zwei Tage später, wenn die Eizellen eingesetzt wurden, war mein Mann nicht unbedingt dabei. Dann begannen die schönsten zwei Wochen, denn in diesen zwei Wochen hätte es schließlich sein können, dass es geklappt hat...Dann kam die Blutentnahme und am nächsten Tag der Anruf mit dem Ergebnis aus der Praxis. Leider negativ. Ein Gefühl, dass sich kaum in Worte fassen lässt. Ein grausames Gefühl. Wir hatten 4 ICSI und zwei Kryo-Versuche. Leider waren wir finanziell nicht mehr in der Lage, weiterzumachen. Heute würde ich auf jeden Fall Behandlungen im Ausland in Betracht ziehen. Nun sind wir beide 46 und haben notgedrungen abgeschlossen. Dieses gemeinsame Durchleben der Behandlung und das Auseinandersetzen mit dem Thema hat uns zum Glück noch mehr zusammengeschweißt. Auch die dummen Kommentare im Umfeld ließen sich zu Zweit immerhin besser ertragen. Wie sieht euer Freundeskreis aus, gibts da nur Leute mit Kindern?
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Re: Depression

Postby kühn on 23 Nov 2016, 19:13

Hallo. Ja im Umfeld sind schon sehr viele Kinder. Ihre Schwester ist im 5 Monat mit ihrem zweiten Kind schwanger. Ihr Bruder ist vor einem Jahr Vater geworden. Meine Cousine ist jetzt Mutter. Eine Freundin ist auch gerade Mutter geworden. Das macht dass alles nicht viel leichter. Für mich war klar dass ich diese Behandlung versuche. Ich liebe meine Frau und wäre froh, wenn wir das hinbekommen. Außerdem fühle ich mich auch ein wenig verpflichtet, da es ja an mir liegt. Denke aber, das ist normal. Ich bin wie dein Mann auch eher der ruhigere Typ, der nicht viele Worte verliert. Meine Frau meint oft, mich würde das dann weniger interessieren. Was aber nicht so ist. Ich lasse lieber taten walten. Versuche auch möglichst viele Termine wahrzunehmen, was Schwer ist in einem drei Schicht System. Einen positiven Schritt haben wir nun eingeleitet. Meine Frau wird ab November nicht mehr Vollzeit arbeiten in der Zeit der ICSI versuche. Hoffe dadurch, dass sie die Termine ruhiger angehen kann, mehr Zeit für sich hat in diesen Wochen weniger Stress halt. Ist ja alles sehr zeit aufwendiger, Grade für die Frau. So bis die Tage.
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Re: Depression

Postby Fuchs on 23 Nov 2016, 19:17

Zuerst mal finde ich es schön von dir, auch mal als Mann deine Meinung und Eindrücke hier zu vertreten. Das gibt es nicht so oft oder zumindest sprechen diese nicht drüber. Wir haben auch gerade eine gescheiterte ICSI hinter uns und ich kann eure Situation verdammt gut verstehen. Ich kenne das Gefühl auch alles was in der eigenen Kraft steht zu machen und dann war hinterher alles umsonst! Und das tut echt weh...Aber glaub mir, es gibt etliche Paare, denen es genauso geht. Zumindest ist das in unserer Kiwupraxis immer sehr deutlich nachzuvollziehen, weil es dort oft sehr voll ist. Ja und in der Tat sehe ich auch als Frau ein Kind als Erfüllung an und es ist mir auch so ergangen mit Tabletten, Spritzen und dann natürlich auch die Nebenwirkungen incl. einer Überstimu...Das führte dazu, dass ich nun erstmal eine Zwangspause einlegen musste. Denn schließlich kann dies echt lebensgefährlich werden!
Deine Frau kann ich auch verstehen, denn leider erwische ich mich auch ab und zu dabei, dass ich mit meinem Mann ähnlich reagiere. Das ist normal und dauert einfach. Mittlerweile haben wir uns auch wieder mehr angenähert und es wäre schade, wenn alles kaputt ginge. Mit solchen Gedanken habe ich mich auch beschäftigt, aber es gibt so viele Erlebnisse und Ereignisse, schlechte und vor allem gut, die weggeworfen würden. Und wer weiß, ob sich so schnell wieder ein potenzieller Partner finde ließe...
Wegen der Finanzen, informiert euch doch vielleicht mal über eine Förderung durch das Ministerium oder die Krankenkasse kann da auch Auskunft geben. Und ja, in meiner Familie wird auch immens Druck ausgeübt auf mich wegen dem Babywunsch und auch unser Freundeskreis ist voll involviert mit Familienplanung...nicht das wir es ihnen nicht gönnen, aber trotzdem kommt oft Wut und Trauer und auch Neid dazu. Und irgendwann will man bei dieser Frage nur kotzen...wann ist es bei euch denn endlich soweit? Ja und dann gehen einem langsam die Ausreden oder Argumente aus...Argh! Aus diesem Grund bin ich echt froh, auch mal Leute zu finden, denen es ähnlich geht wie uns und die auch wissen, was dahinter steht!
LG
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Re: Depression

Postby naDin on 23 Nov 2016, 19:19

Das hört sich wirklich nach einer Odyssee an! Was ich mich immer bei diesem Thema frage: warum nicht mal über eine Adoption nachdenken? Kinder, die ein neues Zuhause verdient hätten, gibt es ja genug. Natürlich ist so ein Verfahren auch stressig, aber in Anbetracht der Tatsache, was immer neue und teure und erfolglose Inseminationsversuche allen Beteiligten abverlangen...Dass deine Frau nun auch dich noch beschuldigt, finde ich nicht fair, wirklich nicht, auch nicht dadurch gerechtfertigt, dass dieser Kinderwunsch so stark ist etc.
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Re: Depression

Postby kühn on 23 Nov 2016, 19:22

Danke für eure Antworten. Meine Frau und ich hatten nun 1 Monat Pause und mittlerweile die 2. ICSI. Es lief alles glatt, 22 Eizellen wurden meiner Frau entnommen. Davon haben sich 13 befruchten lassen und 8 haben sich zu Blastozysten entwickelt. 2 wurden vor 10 Tagen eingesetzt. Wir haben am Montag den Bluttest. Natürlich konnten wir nicht warten und haben heute morgen einen ss-Test gemacht. Positiv :-) haben direkt in der Praxis angezogen ob das stimmen kann und die haben bestätigt. Natürlich sollten wir den Montag noch abwarten aber Anzeichen sprechen dafür. Tage sind überfällig und meine Frau fühlt sich richtig gut als könnte was in ihr passieren. Um auf das Thema Adoption zu kommen. Darüber haben wir uns natürlich unterhalten und würden das auch in Betracht ziehen. Schön auch zu lesen, dass ich nicht der einzige Mann bin, der es hin und wieder in der schwierigen Zeit drüber bekommt. Generell ist das Verhältnis während der letzten ICSI besser gewesen. Haben uns weniger Druck gemacht und hin und wieder 2-3 Tage entspannt. Entfernt von zuhause. Ich hoffe nun, dass der Bluttest am Montag auch positiv ist.
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Re: Depression

Postby Windchen210 on 23 Nov 2016, 19:40

Mein Mann und ich haben lange versucht eine Familie zu gründen… leider ohne Erfolg. Wir waren dann beim Arzt und haben uns beide mal untersuchen lassen, da kam dann auch die schreckliche Diagnose - Unfruchtbarkeit! So es wäre alles nur halb so schlimm, wenn mein Mann das ähnlich wie ich sehen könnte. Es ist keine Schande unfruchtbar zu sein und man ist deswegen doch nicht weniger männlich... Aber er zieht sich vollkommen zurück und sucht die Schuld bei sich, dabei kann er doch gar nichts dafür. Ich komm nicht an ihn heran, obwohl ich immer versuche ihm das Gefühl zu geben, dass er nicht versagt hat und wir zusammen schon eine Lösung finden werden. Wir haben mal kurz über eine Samenspende geredet... aber ob er damit klar kommt, das er nicht der Erzeuger des Kindes ist? Hat jemand vielleicht Ratschläge oder Tipps für mich, wie ich in der Beziehung damit umgehen kann? Eventuell gibt es auch jemanden, der bereits Erfahrungen mit dem Thema Samenspende gemacht hat und mir auch da ein bisschen was drüber erzählen kann?
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Re: Depression

Postby trixis on 23 Nov 2016, 19:42

Ich weiß sehr wohl, dass es für einen Mann einen Unterschied macht, ob er unfruchtbar ist. Und ich denke, für dich wäre die Lage wesentlich schwieriger, wenn beides auf deinen Partner zuträfe. Ich glaube allerdings nicht, dass sich dein Mann zurückzieht, weil er unfruchtbar ist. Mir scheint da die Idee von der Samenspende viel entscheidender zu sein. Sie besagt ja im Grunde nichts Anderes, als dass er akzeptieren soll, ein Kind sein eigen zu nennen, dessen Vater er nicht ist. Tag für Tag, sein ganzes Leben lang, wird ihm damit vor Augen geführt, dass er nicht hinbekommen hat, was er sich gewünscht hat. Das wird eine Demütigung fürs Leben. Warum bitte sehr, denkst Du, und ich glaube, dass Du da die eigentliche Adressatin bist, nicht darüber nach, ein Kind zu adoptieren, einen Säugling, der keine Eltern hat? Euer Verhältis zu dem Kind müsstet ihr beide auf gleicher Ebene aufbauen. Ihr wärd Vater und Mutter auf einer Ebene. Und Du wärst eben doch nicht ein wenig mehr Mutter als Dein Vater eben Vater wäre. Ganz ehrlich: Ich halte die Idee von der Samenspende für eine schlechte Idee. Und als Mann würde ich sie in vergleichbarer Situation nicht nur als Zumutung, sondern als große Demütigung sehen.
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