Auslandsadoption

Auslandsadoption

Postby Engeline on 10 Jan 2016, 14:40

Hallo,
Mit meinem Verlobter denken wir schon lange Zeit an Adoption, also ich sammle die Information darüber. Wir interessieren uns mehr für Auslandsadoption. Hat hier jemand aus dem Ausland adoptiert und mag vielleicht einen kurzen Erfahrungsbericht schreiben? Besonders würde mich auch interessieren, wie die Adoption letztendlich von Statten geht. Werden die zukünftigen Eltern den Kindern "zugeteilt" oder hat man erstmal die Möglichkeit die Kinder in ihrer Heimat über längeren Zeitraum (wenn das möglich ist) kennenzulernen?
Dass Kinder aus Heimen besonders viel Aufmerksamkeit und Liebe brauchen ist mir bekannt, da sie meistens ja schon viel mitmachen mussten. Trotzdem stellt sich mir natürlich die Frage, wie hoch das Risiko auf mögliche Folgeschäden durch das Erlebte ist. Was sind eure Erfahrungen als Adoptiveltern (oder auch Adoptierte)? Ich hoffe, ich werde niemand belästigen aber ich will wirklich seriöse Geschichten lesen.
Ich danke euch schon mal für eure Antworten
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Re: Auslandsadoption

Postby Siri on 11 Feb 2016, 15:01

Lasst euch vorher über das jeweilige Landesrecht im Ausland aufklären und auch wie es mit unserem deutschen Recht vereinbar ist. Ganz viele Auslandsadoptionen gelten hier in Deutschland nämlich nur als Pflegekind. Das heißt, wenn die Eltern dann sterben, ist das Kind nicht so abgesichert wie ein adoptiertes bzw. eigenes. Und wir hatten in einer Veranstaltung einen Richter bei uns, der uns da wirklich traurige und harte Fälle vorgetragen hat.
Da war zum Beispiel eine Familie, die ein krankes Kind aus Afrika "adoptiert" hatten. Sie hatten keine Ahnung, dass die "Adoption" hier nicht als Adoption galt.
Das Kind war sehr krank, es hatte einen "offenen" Rachen und war zurück geblieben. Sie hatten es 7 Jahre bei sich, bekommen als 4 Jährige. Nach OP und allem drum und dran, war sie wieder gesund und geistig gut entwickelt, etwa auf der Stufe einer 10 Jährigen, was keiner je gedacht hätte. Dann kamen die leiblichen Eltern, haben in ihrem Land geklagt, Recht bekommen und das Kind ging wieder nach Afrika (welches Land es war, weiß ich leider nicht mehr). Dort hat sich das Sozialamt auch nicht drum gekümmert, ob es gut für das Kind sei. Die leiblichen Eltern hatten recht, da die Adoption hier nicht galt und bekamen es zurück. Wollten quasi nur dass die Arztkosten bezahlt werden. Das Kind war total verstört und hat sich hinterher umgebracht. Diese Geschichte hat mich so zum weinen gebracht, das glaubt keiner.
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Re: Auslandsadoption

Postby Ruth on 11 Feb 2016, 15:07

Nach meiner Erfahrung gehen Auslandsadoptionen meistens schief. Nicht alle ausländischen Mütter/Eltern geben ihre Kinder freiwillig her (gezwungen oder wegen ihrer eigenen Armut). Die Kinder selber suchen später nach ihren Wurzeln. Bitte nicht vergessen: diese Kinder kommen aus einer anderen Kultur und kriegen das deutsche Gretchen oder den deutschen Hans übergestülpt. Das führt meistens dazu, dass sich die Kinder nirgendwo zu Hause fühlen. Man müsste diese Kinder in ihrer eigenen Kultur mit dem Bewusstsein zu ihrer Kultur erziehen. Das ist hier nicht möglich.
Bitte spendet doch lieber direkt an arme Familien in anderen Ländern, damit sie ihre Kinder behalten können. (auch wenn die Eltern verstorben sind und das Kind im Heim, dann lassen sich sicher Verwandte finden, die bei entsprechender finanzieller Unterstützung das Kind aufnehmen). Ein Kind ist nicht der Besitz seiner Eltern! Ein Adoptivkind taugt nicht dazu, die psychischen Mangelerscheinungen von kinderlosen Eltern auszugleichen.
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Re: Auslandsadoption

Postby Lisa_vogt on 11 Feb 2016, 15:11

Wir haben ein afrikanisches Kind adoptiert und ein afrodeutsches Kind hier in Pflege genommen. Bei uns lief die Adoption gemeinsam mit dem Jugendamt und einer lizenzierten Vermittlungsstelle. Unsere Tochter wurde nach ca. einem Jahr polizeilich zur Auslandsadoption freigegeben, da in diesem Land auf 18.000 verlassene Kinder etwa drei Adoptivelternpaare im "eigenen" Land kamen.
Wir leben in einem sehr "bunten" Umfeld, haben afrodeusche und afroamerikanische Freunde, unsere Tochter ist also kein "Exot" im Familien- und Freundeskreis. Allerdings wurde sie in der Schule so rassistisch angefeindet, dass wir die Schule gewechselt haben. Glücklicherweise hat das nicht an ihrem Selbstwertgefühl gekratzt. Sie selbst fühlt sich (nach ihren eigenen Worten) als "Afrikanerin mit deutschem Pass", was wir als sehr akzeptabel und gut empfinden. Rassistische Pögeleien sieht sie als Dummheit der Pöbler. Sie ist sehr an ihrer Herkunft und ihrem Geburtsland interessiert, was wir auch im vollem Umfang unterstützen. Was ihr und uns zu schaffen macht ist, dass sie ein Findelkind ist. Im Gegensatz zu unserer Pflegetochter kennt sie ihre leibl. Eltern nicht, während unsere Pflegetochter regelmässigen Kontakt hat. Die Auslandsadoption war für uns auch nicht das "letzte Mittel zum Kind". Wir hätten lt. Jugendamt damals auch locker im Inland adoptieren können (waren 25 und 27 Jahre alt). Auch eine Schwangerschaft war nie ganz ausgeschlossen, jedoch haben wir med. Hilfe nach einem gewissen Grad zugunsten einer Adoption abgelehnt.
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Re: Auslandsadoption

Postby yourAngel on 11 Feb 2016, 15:25

Ich beschäftige mich seit mehreren monaten mit dem thema auslandsadoption und es ist keinenfalls der einfachere und schnellere weg. ganz im gegenteil. bevor man überhaupt einen vorschlafg für ein kind erhält muss man einen adoptionseingnungsbericht erhalten den eine freie anerkannte vermittlungsstelle oder das jugendamt ausstellen muss. dabei werden die personen genau geprüft. man muss einen haufen bürokratischer hürden überwinden und dinge wie eine ärzliche bescheinigung und polizeiliches führungszeugnis vorlegen. all das muss kopiert beglaubig teilweise überbegläubigt und an das zuständige amt in dem betreffenden land geschickt werden. erst dann bekommt man nach manchmal mehrmonatiger wartezeit einen kindervorschlag. ich habe volles verständis dafür wenn man ein kind aus dem ausland adoptieren möchte, allerdings nur dann wenn dies auf seriösem wege geschieht und man seine motivationen genau prüft. probleme könnte es neben den behörden und ämtern mit körperlichen und seelischen problemen der kinder geben. oft haben sie schlimmes mitgemacht, sind unterernährt, nicht genügend geistig gefördert worden und vieles mehr. doch mit geduld und einfühlunsvermögen, so ergaben studien, ließen sich die meisten probleme und schwierigkeiten mir den zeit lösen.
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Re: Auslandsadoption

Postby Engeline on 11 Feb 2016, 15:29

Hallo, ich habe deinen Beitrag gelesen. Ich bin selber aus Kolumbien mit 2 Monaten adoptiert worden. Meine Eltern leben in Spanien. Zurzeit bin ich in Deutschland und studiere an der Universität in Landau, Sonderpädagogik. Mein Problem ist, dass ich keine Informationen über Adoptionen von behinderten Kindern finde. Ich schreibe an meiner Examensarbeit über das Thema "Adoption von einem behinderten Kind". Natürlich geht auch Pflegekind. Vielleicht kennst du ja jemanden der ein behindertes Kind adoptiert hat oder in Pflege genommen hat.
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Re: Auslandsadoption

Postby Agnes.frankes on 22 Jul 2017, 01:12

Lasst euch vorher über das jeweilige Landesrecht im Ausland aufklären und auch wie es mit unserem deutschen Recht vereinbar ist. Ganz viele Auslandsadoptionen gelten hier in Deutschland nämlich nur als Pflegekind. Das heißt, wenn die Eltern dann sterben, ist das Kind nicht so abgesichert wie ein adoptiertes bzw. eigenes. Und wir hatten in einer Veranstaltung einen Richter bei uns, der uns da wirklich traurige und harte Fälle vorgetragen hat.
Da war zum Beispiel eine Familie, die ein krankes Kind aus Afrika adoptiert hatte. Sie hatten keine Ahnung, dass die Adoption hier nicht als Adoption galt. Das Kind war sehr krank, es hatte einen offenen Rachen und war zurück geblieben. Sie hatten es 7 Jahre bei sich, bekommen als 4 Jährige. Nach OP und allem Drum und Dran, war sie wieder gesund und geistig gut entwickelt, etwa auf der Stufe einer 10 Jährigen, was keiner je gedacht hätte. Dann kamen die leiblichen Eltern, haben in ihrem Land geklagt, Recht bekommen und das Kind ging wieder nach Afrika (welches Land es war, weiß ich leider nicht mehr). Dort hat sich das Sozialamt auch nicht drum gekümmert, ob es gut für das Kind sei. Die leiblichen Eltern hatten Recht, da die Adoption hier nicht galt und bekamen es zurück. Wollten quasi nur dass die Arztkosten bezahlt werden. Das Kind war total verstört und hat sich hinterher umgebracht. Diese Geschichte hat mich so zum Weinen gebracht, das glaubt keiner.
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Re: Auslandsadoption

Postby Agnes.frankes on 10 Aug 2017, 22:14

Nach meiner Erfahrung gehen Auslandsadoptionen meistens schief. Nicht alle ausländischen Mütter/Eltern geben ihre Kinder freiwillig her (gezwungen oder wegen ihrer eigenen Armut). Die Kinder selber suchen später nach ihren Wurzeln. Bitte nicht vergessen: diese Kinder kommen aus einer anderen Kultur und kriegen das deutsche Gretchen oder den deutschen Hans übergestülpt. Das führt meistens dazu, dass sich die Kinder nirgendwo zu Hause fühlen. Man müsste diese Kinder in ihrer eigenen Kultur mit dem Bewusstsein zu ihrer Kultur erziehen. Das ist hier nicht möglich.
Bitte spendet doch lieber direkt an arme Familien in anderen Ländern, damit sie ihre Kinder behalten können. (auch wenn die Eltern verstorben sind und das Kind im Heim, dann lassen sich sicher Verwandte finden, die bei entsprechender finanzieller Unterstützung das Kind aufnehmen). Ein Kind ist nicht der Besitz seiner Eltern! Ein Adoptivkind taugt nicht dazu, die psychischen Mangelerscheinungen von kinderlosen Eltern auszugleichen.
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Re: Auslandsadoption

Postby Ruth on 28 Aug 2017, 20:38

Nach meiner Erfahrung gehen Auslandsadoptionen meistens schief. Nicht alle ausländischen Eltern geben ihre Kinder freiwillig her (gezwungen oder wegen ihrer eigenen Armut). Die Kinder selber suchen später nach ihren Wurzeln. Bitte nicht vergessen: diese Kinder kommen aus einer anderen Kultur und kriegen das deutsche Gretchen oder den deutschen Hans übergestülpt. Das führt meistens dazu, dass sich die Kinder nirgendwo zu Hause fühlen. Man müsste diese Kinder in ihrer eigenen Kultur mit dem Bewusstsein zu ihrer Kultur erziehen. Das ist hier nicht möglich. Bitte spendet doch lieber direkt an arme Familien in anderen Ländern, damit sie ihre Kinder behalten können. (auch wenn die Eltern verstorben sind und das Kind im Heim, dann lassen sich sicher Verwandte finden, die bei entsprechender finanzieller Unterstützung das Kind aufnehmen). Ein Kind ist nicht der Besitz seiner Eltern! Ein Adoptivkind taugt nicht dazu, die psychischen Mangelerscheinungen von kinderlosen Eltern auszugleichen.
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