Pflegekinder

Pflegekinder

Postby Agnes.frankes on 28 Feb 2016, 19:26

Hallo)) wir haben zwei Kinder und wollen aber gern noch ein drittes. Jetzt haben wir darüber geredet, ein Kind aufzunehmen, da es ja viele Kinder gibt, denen es wirklich schlecht geht. Da es aber hier zu Lande so gut wie unmöglich ist, ein Kind zu adoptieren, haben wir über ein Pflegekind nachgedacht. Habt ihr da Erfahrung? Wir würden nur ein Kind nehmen, was dauerhaft bei uns ist. Wie läuft so was? Kann man das machen, ohne Kontakt zu den leiblichen Eltern zu haben? Und wie lange dauert es, bis das Kind zu und kann? Schreibt mir doch mal eure Erfahrungen:)
Agnes.frankes
 
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Re: Pflegekinder

Postby Engeline on 28 Feb 2016, 19:31

In der Regel haben Pfelgekinder Kontakt zu den leiblichen Eltern.
Oftmals haben diese auch das recht sich die Umgebung in der das Kind untergebracht wird anzuschauen.
Teilweise haben die leiblichen Eltern auch ein Mitspracherecht was die Wahl des Kindergartens, der Schule und andere entscheidende Dinge betrifft.Allerdings müssen sie dieses Recht von selber wahrnehmen, ihr müßtet sie nicht darauf hinweisen.
Viele Pflegekinder sind stark traumatisiert, gerade die die in eine Langzeitpflege gehen. Da will es gut überlegt sein. Unter umständen bestimmt das euren kompletten Ablauf und ihr müßt euch komplett auf das Pflegekind abstimmen.
Einige Pflegekinder müssen mehrmals die Woche Therapien besuchen, welche zwar vom Jungendamt bezahlt werden aber ihr müßt die Kinder dorthin begleiten, bringen/abholen. Unter Umständen eine sehr zeitaufwändige Sache.
Je nachdem kann man ein Langzeitpflegekind irgendwann adoptieren, wobei ich mir das gut überlegen würde, denn im Fall einer Adoption müsst ihr die gesamten Therapiekosten die oft bis ins Erwachsenenlater gehen selber tragen. Dazu kommt das die leiblichen Eltern bei eines in Pflege gebenen Kindes jederzeit einen Antrag auf Rückführung stellen können, somit sind Gerichtsverhandlungen vorprogrammiert bei denen ihr zittern müßt ob das Kind weiter bei euch bleiben darf oder nicht...
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Re: Pflegekinder

Postby Lisa_vogt on 28 Feb 2016, 19:36

ich kann dir nur erzählen wie es bei einer freundin ist, aber mit der möchte ich nicht tauschen.
erstmal: eure kinder sind noch sehr klein und brauchen dich allein...du weißt nie was "für ein" kind du bekommst, also aus was für einem umfeld es kommt und wo seine probleme liegen. du kannst natürlich auch glück haben, aber meistens haben pflegekinder irgendwelche defizite, die du als pflegemutter mit aufarbeiten musst. das heißt: viele termine, ärzte, förderrung usw...dann regelmäßige jugendamtstermine wegen den hilfeplangesprächen. um den kontakt zu den eltern kommst du nicht drum rum und je nachdem an wen du da gerätst, können die dir ziemlich das leben schwer machen. meine freundin wurde zb schon einmal körperlich angegriffen, weil sie das kind nicht heraus gegeben hat - durfte sie nicht, interessierte die mutter allerdings wenig.
es wird aber, glaub ich, auch zwischen kurzzeit,-und langzeitpflege unterschieden. bei einem pflegekind musst du IMMER damit rechnen, dass es irgendwann zu seinen eltern zurück kehrt - das ist ja auch der sinn der sache und steht für das jugendamt im vordergrund. deine meinung über die eltern musst du ebenfalls hinten anstellen - das wäre für mich zb ein ziemlich großes problem.
Lisa_vogt
 
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Re: Pflegekinder

Postby Louisa1998 on 28 Feb 2016, 19:38

Kann mich nur anschließen. Man nie die Sicherheit dass das Kind wirklich bleiben darf. Oft haben die Eltern auch ein Umgangsrecht und ihr müsst das Kind regelmäßig zum Kontakt Ort bringen, meistens dürfen sie auch mit den Eltern telefonieren.
Übrigens steht vor einer Adoption auch immer erst mal eine Pflegschaft um zu schauen ob es klappt. Wirklich stark traumatisierte Kinder kommen allerdings meist in Familien in denen ein Elternteil pädagogisch ausgebildet ist. Aber dennoch, schwierig können alle Pflegekinder sein.
Finde ich aber toll dass ihr das machen wollt, würde ich auch gerne aber mein. Mann nicht. Ich habe in einem Heim gearbeitet und wünsche jedem Kind eine Familie, Heime können niemals eine Familie ersetzen.
Louisa1998
 
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Re: Pflegekinder

Postby majorka4 on 28 Feb 2016, 19:41

Also dass pflegekinder zwangsläufig immer zu den leiblichen Eltern zurück gehen stimmt ja so nicht. Ich kenne drei Familien mit pflegekindern und bei allen ist klar, dass sie nicht mehr zurück gehen. Aber elternkontakt besteht meistens.
Das wichtigste finde ich, dass man sich im klaren sein muss dass diese Kinder unter umständen schon ziemlich viel mitmachen mussten. Bekannte haben Pflegekinder die am Anfang an alle schränke, kühlschrank gegangen sind und gegessen haben bis sie gekotzt haben. Und dann weiter gegessen. Sie haben bei ihren Eltern teilweise tagelang nichts zu essen bekommen haben. Andere haben einen Säugling bekommen, der kaum auf der Welt auf Entzug war, weil die mutter in der ss heroin nahm. Das hat Auswirkungen bis heute. Man muss sich darüber rim klaren sein dass es unter umständen sehr viel mehr Arbeit und Erziehung bedarf, als bei einem kind ohne Vorgeschichte und immer im Kopf behalten, dass es einen Grund gibt, warum diese Kinder nicht bei ihren Eltern leben.
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Re: Pflegekinder

Postby paprik_a on 28 Feb 2016, 19:48

Meine Freundin hat zwei Pflegekinder. Aufgenommen in der größten Not weil absolut keine Pflegeplätze frei waren. Das eine, mittlerweile sieben, hat sehr sporadischen Kontakt zu seinen Eltern. Beide schwere Alkoholiker und stark retardiert. Die werden nie in der Lage sein sich um ihre (mittlerweile 8!) Kinder zu kümmern. Da werden die Kinder auch direkt schon im Krankenhaus weggenommen.
Also die kleine wird wohl für immer bei ihr bleiben wobei die ,,Mutter" eben Kontakt haben darf (was sie aber nicht wirklich wahrnimmt bzw. nicht auf die Schippe bekommt). Die zweite ist jetzt 3 und kommt aus ähnlichen Verhältnissen, auch dieses Kind wird vermutlich nie zu ihrer Mutter zurück können weil die Mutter einfach ganz schlimme Defizite hat.
Kind nr. hat minimale Probleme FAS eben aber nicht so stark ausgeprägt. Kind nr. 2 sieht da schon anders aus. Mit der Maus ist sie 24/7 beschäftigt mit Therapie usw.
Pflegekinder sind eine tolle Sache WENN man weiß worauf man sich einlässt und wenn man die Zeit hat die Würmchen angemessen zu fördern...DAS würde ich mir mit zwei kleinen Kindern gut überlegen. Wie oben schon geschrieben wurde, du weißt nie was du bekommst und diese Kinder werden nicht umsonst aus ihren Familien genommen, da gibt es immer irgendwas aufzuarbeiten und aufzufangen
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Re: Pflegekinder

Postby Pika4u on 28 Feb 2016, 19:51

Es ist ein nobler Gedanken ein Pflegekind zu nehmen, aber manchmal weiß man nicht, was es bedeutet. Eine Bekannte ist auch Pflegemutter, na ja, war. Nach den letzten Kindern hat sie aufgegeben. sie bekam in einer Nacht- und Nebel-Aktion 3 Kinder. Die Mutter war vor den Augen der Kinder getötet worden, vom Vater. Sie standen unter Polizeischutz da die Familie die Kinder ständig holen wollte.
Klar, Extremfälle. Aber man muß sich ganz klar überlegen, ob man die Kraft, die Zeit und die Energie hat das durchzustehen ohne dass die eigenen Kinder zu kurz kommen.
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Re: Pflegekinder

Postby Ruth on 28 Feb 2016, 19:55

Pflegekinder bringen immer Altlasten mit sich, was zum Teil viel Geduld und vor allem ganz viel Liebe von Seiten der Pflegefamilie bedingt. Sie haben ein Recht auf Ruhe und Stabilität. Meine Tante und mein Onkel haben zwei Pflegekinder und sind seit Jahren damit beschäftigt, ihnen ein möglichst normales Leben zu bieten. Ein Vollzeitjob (inklusive regelmässiger Therapiestunden beim Psychologen...)! Ich habe großen Respekt vor ihnen. Eine gute Alternative wäre ein (oder mehrere) Tier aus dem Tierheim. Da warten ganz viele auf ein schönes, liebevolles Daheim.
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Re: Pflegekinder

Postby Siri on 28 Feb 2016, 19:59

Unser erstes Pflegekind haben wir aufgenommen als ich 27 Jahre war. Es war eine bereichernde Zeit, allerdings auch oft sehr stressig und intensiv, da die uns anvertrauten Kinder aus äußerst schwierigen Verhältnissen kamen, wo es um Missbrauch und Gewalt ging. Sei dir bewußt, dass du hier ganz und gar gefordert sein wirst. Die beglückende Beziehung zwischen Eltern und Kind, Mutter und Kind gibt es hier selten bzw. muss hart erarbeitet werden. Was ich aus meiner Erfahrung sagen kann ist, dass Kinder, die nicht im Babyalter zu einem kommen (was in deinem Alter auch nicht der Fall sein wird) oftmals schwer beziehungs- und vertrauensgeschädigt sind. Sie kennen oftmals keine Grenzen, haben große Probleme sich an Regeln, die leider sein müssen, anzupassen. Ihre Suche nach Liebe ist oftmals grenzenlos und umso schwerer für sie zu ertragen wenn sie schlimmes erlebt haben. Oftmals ist die Nähe die es in einer Familie gibt für sie kaum aushaltbar.
Ob du als Single vom Jugendamt aus Pflegekinder erziehen kannst/darfst liegt oft am Jugendamt. Als ich mich von meinem Mann trennte, habe ich trotzdem Pflegekinder anvertraut bekommen, was wohl auch damit zusammen hing, dass ich beim Jugendamt bekannt war und es den Kindern bei mir immer gut ging.
Sei dir bewußt, dass du keinerlei Rechte hast! Ich habe selbst erlebt, dass das Gericht entschieden hat, dass meine 2. Pflegetochter wieder zur Mutter zurück durfte obwohl diese noch immer ein Alkoholproblem hatte. Es wird, in der Regel, darauf geachtet was gut für das Kind ist, die Gefühle der Pflegeeltern spielen hierbei für niemanden eine Rolle.
Bereut habe ich es nicht meine Kraft dafür eingesetzt zu haben. Zu 2 der drei Dauerpflegekinder habe ich noch heute Kontakt obwohl sie bereits verheiratet sind und selbst Kinder haben.
Wenn jemand Pflegemutter/Eltern sein möchte, dann muss er ein Kind lieben können so wie es ist und nicht wie er es sich wünscht. Ich war Mutter und auch nicht...
Denke ersthaft darüber nach. Ich wünsche dir eine kluge Entscheidung mit Blick auf das Kind
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Re: Pflegekinder

Postby tilda on 28 Feb 2016, 20:11

In meinem Umfeld kenne ich drei Familien, die Pflegekinder aufgenommen haben: In Familie Nr. 1 und 2 sind jeweils beide Pflegeeltern Erziehungsprofis (Kombination Sonderpädagogin + Gymnasiallehrer, der sich in der psychologischen Beratung zusätzlich fortgebildet hat bzw. in der zweiten Familie sie Lehrerin mit zusätzlichem pädagogischen Lehrauftrag und er "normaler" Lehrer), in Familie Nr. 3 ist er Schreiner mit eigenem Betrieb, sie ehemals Krankenschwester. In den ersten beiden Familien ist es gelungen, beide Pflegekinder waren jahrelang in der Familie und haben inzwischen Abi gemacht. In Familie Nr. 3 geht es gerade den Bach runter. Ich vermute, sie haben das Pflegekind aufgenommen, weil sie Geld brauchten (der Betrieb steckte da gerade in der Insolvenz). Sie haben es völlig unterschätzt, wie verhaltensauffällig solch ein Kind sein kann: Der Junge ist Computerspiel-süchtig und ist äußerst aggressiv, wenn man ihn nicht spielen lässt. Deshalb ist es natürlich auch mit der Schule nicht leicht, vieles kann er vermutlich gar nicht mehr einholen. Außerdem hat ein Psychiater bei ihm ADHS diagnostiziert (es wäre ein weiterer Thread, was ADHS überhaupt ist, wissenschaftlich gesehen).
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