Will mein Kind weggeben

Will mein Kind weggeben

Postby Assue on 30 May 2016, 20:21

Guten Tag, habe mich hier angemeldet um einfach mal mein Herz etwas auszuschütten…
Ich bin ungewollt schwanger, obwohl ich nach einem Unfall die Pille danach nahm. Sie wirkte wohl nicht, da der Eisprung bereits stattfand. Eine Abtreibung kam für mich nie in Frage!
Nun bin ich in der 18. SSW und immer mehr mit dem Gedanken überfordert das Kind zu behalten. Ich habe bereits 2 Kinder (4 und 2 Jahre alt) Meine kleinste hat eine Behinderung und ist pflegebedürftig. Dadurch kann ich nicht arbeiten gehen. Das Geld ist jeden Monat knapp…Es reicht nie, wenn meine Eltern nicht einspringen würden, wären wir alle längst verhungert. Hilfe vom Staat bekommen wir nicht, da wir gerade so viel zur Verfügung haben wie uns zusteht.
Uns fehlen die finanziellen Mittel für ein Baby, wir würden alles neu kaufen müssen, wir würden niemals 3 Kinder über die Runden bringen können. Wir bräuchten eine neue Wohnung und ein neues Auto... es passt von vorne bis hinten nicht. Ich möchte das Baby lieber in Hände geben, wo es gut versorgt werden kann. Aufgrund der Behinderung meiner Tochter hätte ich nicht mal Zeit für ein Baby. Denn auch mein älterer Sohn kommt leider oft zu kurz.
Ich weiß nicht, was ich hören möchte... Wahrscheinlich werdet ihr gleich über mich urteilen...
Vielleicht kann ich aber auch Hilfe von euch bekommen und mir sagen, an wen ich mich wenden muss. Jugendamt? Wie läuft das ganze ab?
Ich würde mich freuen ein paar nette Worte zu bekommen
Assue
 
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby Bibolina on 30 May 2016, 20:25

Informiere dich mal beim Jugendamt, welche Möglichkeiten es gibt. Hast du Hilfe für dein behindertes Kind, da hast du sicher auch Anspruch! Informiere dich über alle möglichen Hilfen, bevor du dein Kind weggibst. Verschiedene kirchlichen Hilfsorganisationen helfen auch, man muss auch nicht unbedingt gläubig sein... zumindest hab ich schon öfter gelesen, das sie die Erstausstattung finanzieren. Aber es muss ja nicht alles neu sein, deinem Kind ist das sicher auch egal ob der Kinderwagen 50 oder 500 euro kostet. Mit 3 kindern steigt auch der Bedarf, so das ihr wahrscheinlich Anspruch auf sozialhilfe hättet... bei 3 Kindern gibts einen Wohnberechtigungsschein, da habt ihr dann die Möglichkeit eine größere Wohnung zu finden, da es speziele Wohnungen nur mit Wohnberechtigungsschein gibt, also nur für die die auch diesen schein haben.
Bibolina
 
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby Engeline on 30 May 2016, 20:28

Es kann doch nicht sein, dass das der einzige Grund ist. Aus deinen Worten klingt wirklich viel Verzweiflung. Aber stündest du auch mit dem Herzen zu 100% hinter dieser Entscheidung?
Ich würde dir auch raten, mal zu Pro Familia zu gehen und dich umfassend beraten zu lassen. Sei es über die verschiedenen Möglichkeiten, dein Kleines abzugeben (mit oder ohne Kontakt) als auch über weitere Stützen für euch, damit ihr es behalten könnt.
Denn ich denke, dass da noch was rauszuholen bei euch ist. Mit einem weiteren Kind zB. erhöht sich glaube ich die Pfändungsfreigrenze deines Mannes. Und hast du zum Beispiel schon mal davon gehört, dass Behinderte ein Anrecht auf ein "Persöniches Budget" haben? Vielleicht käme das auch bei euch in Frage. Wie gesagt - ich denke, ihr solltet eure finanzielle Lage noch mal genau ausloten.
Und bezüglich zu kurz kommen: Ja, es ist schwierig, wenn die Familie ein Mitglied hat, das mehr Aufmerksamkeit, Pflege usw benötigt, als andere. Ich selbst bin mit einem behinderten Geschwisterkind aufgewachsen und musste oft zurückstecken. Ich bin ehrlich, es war nicht immer leicht und ich hatte oder habe nicht nur positive Gefühle.
Aber würde ich mir deshalb wünschen, in einer anderen Familie geboren oder aufgewachsen zu sein: definitiv nein!
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby eva2Abel on 30 May 2016, 20:29

Dein Schicksal berührt mich sehr, und Du mußt hier vor Vorwürfen keine Angst haben! Niemand darf jemanden dafür verurteilen, wenn man sein Baby zur Adoption freigibt! Ganz davon abgesehen bin ich auch der Meinung, darf man niemanden verurteilen, der abtreibt. Das ist immer eine ganz persönliche und furchtbare Entscheidung, und die, die mit dem Finger auf Menschen zeigen, die so eine Entscheidung treffen mussten, waren ganz sicher selbst noch nie in der Situation, so eine schreckliche Entscheidung treffen zu müssen.
Ich finde in Deinem Fall eine Adoption doch eine wunderbare Lösung, und wenn Du sie mit ganzem Herzen triffst und Deinen Kindern auch davon erzählst, kann es für Euch als Familie eine sehr berührende Erfahrung werden.
Und Du kannst Dich ja immer noch für diese offene Adoption entscheiden oder wie das heißt, bei der das Kind Deine Daten bekommt und wenn es volljährig ist, Kontakt zu Dir aufnehmen kann. Und Du kannst in einem Brief Deine Situation beschreiben, das tut auch nochmal gut.
eva2Abel
 
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby kühn on 30 May 2016, 20:33

Das hört sich sehr sehr belastend an, logischerweise fordert deine 2 jährige pflegebedürftige Tochter natürlich deine volle Aufmerksamkeit, das ist klar...Das tut mir so leid für dich, dieser Zweispalt, ich würde jetzt auch Lügen würde ich dir sagen, mach dir keinen Kopf, das wird schon...ein pflegebedürftiges Kind ist ein Vollzeitjob, wie ich immer wieder höre.
Du solltest dich tatsächlich ans JA wenden, vlt. kann man dir erst mal mit Familienhilfe weiterhelfen, etc...aber wenn du fühlst, du packst das nicht, sind die auch die richtige Adresse für Adoptionsfragen.
Letzendlich musst du wissen, was du auch deiner jüngsten die ganz auf dich angewiesen ist, zumuten magst.Das ist ein Gewissenskonflikt, den man nicht für dich Lösen kann, die Frage musst du dir selbst beantworten.
Wünsche dir alles Gute.
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby Lisa_vogt on 30 May 2016, 21:06

Ich kann dich nicht verurteilen, weil ich mein Kind selbst weggegeben habe… Als ich 15 Jahre alt war, wurde ich schwanger. Daraufhin trennte sich mein Freund von mir, und meine Mutter warf mich aus der Wohnung. Zunächst dachte ich an Abtreibung.
Mit 14 Jahren hatte ich einen Freund, der 4 Jahre älter als ich war.
Ein Jahr später bekam mein Freund seine eigene Wohnung, und ich zog zu ihm. Leider konnten wir in unserer Beziehung nicht offen über alles reden. Und dann geschah das Unmögliche. Ich vermutete, schwanger zu sein. Lange ignorierte ich die ersten Symptome der Schwangerschaft, traute mich nicht, mit irgendjemandem darüber zu reden. Ich war hin und hergerissen. Warum? Ja, diese Frage stelle ich mir noch heute. Mögliche Gründe hierfür könnten sein: Ich konnte mir ein Leben mit unserem Kind vorstellen. Es hätte alles so schön sein können. Er war fast fertig mit der Ausbildung und ich bald mit meinem Schulabschluss. Ich wollte diesem Kind Liebe geben …
Diese Gründe reichten aus, um meine Vermutung erst mal geheim zu halten. Der Gang zum Gynäkologen bestätigte dann meine Vermutung: Ich war Ende des dritten Monats schwanger. Was sich als sehr schwierig erwies, war, es nun kundzutun: meinem Freund, der sich daraufhin von mir trennte und mich aus der gemeinsamen Wohnung warf… meiner Mutter, die nur eiskalt sagte: "Ich will noch keine Oma sein. Falls du das Kind nicht abtreiben lässt, suche dir bitte eine eigene Wohnung, von mir kannst du keine Unterstützung erwarten."
Ich habe damals ein Praktikum als Krankenschwester gemacht – da traute ich mich auch nicht, jemandem zu erzählen, dass ich schwanger war.
Die schlimmste Vorstellung damals für mich war, 15/16 Jahre alt, alleinerziehend und ohne Freund, mit einem Beruf, in dem ich im Dreischichtsystem arbeiten musste. Ich war hin und hergerissen zwischen behalten und abtreiben, das abtreiben wäre dann aber nur noch möglich gewesen. Ich entschied mich dafür, mein Kind am Leben zu lassen und mich mit der Vorstellung auseinanderzusetzen, dieses Kind zur Adoption freizugeben. Wichtig war mir nur, mein Kind in liebevolle Hände und gesicherte Verhältnisse zu geben!
Nach der Entbindung hatte ich acht Wochen Zeit, mir meine Entscheidung erneut zu überlegen, es war eine entsetzlich schwere Entscheidung, ich machte es mir wirklich nicht leicht. Hilfe von meiner Familie war nach wie vor nicht zu erwarten, der Vater des Kindes setzte mich enorm unter Druck, und finanziell hätte ich auch schlecht dagestanden. Nun wurde meine Tochter im Sommer 17 Jahre alt. Einer meiner größten Wünsche ist es, dass sie alle diese Gründe verstehen wird, warum ich sie damals weggab. Auch frage ich mich oft, was ich ihr damit wohl angetan habe und ob sie überhaupt davon weiss. Ich muss meine Entscheidung akzeptieren und mit ihr leben. Unter den damaligen Umständen war diese Entscheidung die beste.
Seit der Geburt meiner zweiten Tochter ist alles nur noch viel schlimmer, die zwei sehen sich verdammt ähnlich und ich muss jedes Mal an sie denken. Es kommt alles wieder hoch, alte Erinnerungen usw. Ich will und kann so nicht weiterleben, ich würde so gerne wissen, wie es ihr geht, was sie macht beruflich, Ausbildung, Abitur etc.
Ich habe als leibliche Mutter keinerlei Rechte mehr auf mein Kind und ich will auch nicht einfach so in ihr Leben platzen und sie irgendwo aus geregelten Verhältnissen rauszerren – das ist überhaupt nicht mein Ziel. Ich denke einfach sie ist nun in einem Alter in dem sie verstehen würde, warum ich sie damals wegegeben habe.
Lisa_vogt
 
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby majorka4 on 30 May 2016, 21:08

Das ist sicher keine leichte Entscheidung. Ich rate dir auch die Beratungsstellen zu nutzen und vielleicht mit dem Jugendamt Kontakt aufzunehmen. Und wer weiß, vielleicht kannst du ja mit Hilfe der Ämter und Beratungsstellen dein Leben so festigen etc, dass du dein Kind behalten kannst. Du hast dich ja schonmal nicht für eine Abtreibung entschieden, also liegt dir auch etwas an dem kleinen Krümel :) Das ist meiner Meinung nach schon ein großer und mutiger Schritt.
Auf jeden Fall viel Kraft für alles kommende.
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby Maria Waldfogel on 30 May 2016, 21:17

Hallo! Du musst in einer sehr verzweifelten Situation sein…Ich kann dir erzählen, wie es war, als ich letztes jahr eine schülerin beriet (sie war 19). Als sie zu mir kam, war eigenrlich alles schon klar und in der 26.ssw - ihre Mutter hatte ihr ein schlechtes Gewissen eingeredet, darum kam sie zu mir.
Sie war beim Jugendamt und hatte sich bereits um eine offene Adoption gekümmert. Sie hatte zu dem Zeitpunkt einen Termin mit zwei Familien gemacht und wollte danach entscheiden, wer das Kind bekommt. Zu den rechtlichen Bedingungen: du hast bis 8 wochen nach der Geburt die Möglichkeit, einen Rückzieher zu machen - im Falle der Schülerin hatte sie sogar 12 Monate Zeit, um es sich anders zu überlegen. Die Adoption wäre erst nach dem Jahr rechtskräftig gewesen, wenn die Mutter keine Einwände gezeigt hätte. Dieses Modell ist ausdrücklich dafür gedacht, dass Kind bei der eigentlichen Mutter zu integrieren. Das wissen die Pflegeeltern und müssen sich darauf einstellen.
Jeder weiß, dass eine Geburt enormen Stress bedeutet. Keiner der verantwortlichen Leute würde dich verurteilen, wenn du sagst, dass du dein Kind wieder haben willst. Es ist nicht so endgültig, wie eine Abtreibung. Wenn du bereuhst, kannst du es wieder gut machen.
Alles Gute für die nächste Zeit!
Maria Waldfogel
 
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby omega on 30 May 2016, 21:23

Hallo, ich war 16 als ich ungeplant schwanger geworden bin und ich habe dieses Kind zur Adoption frei gegeben. Meine Umstände waren nicht gut, das Kind war von einem Drogenabhängigen, ich selbst konnte dem Baby nichts bieten. Zudem war ich einfach überfordert und generell wütend auf alles und jeden. 6 Monate nach der Geburt wurde es nur schlimmer, sodass ich das Kind abgab. Ich lernte die neuen Eltern des Kindes auf neutralem Boden kennen, erfuhr viel über deren Leben und das sie sich nichts sehnlicher als ein Kind wünschten. Kurze Zeit später kam das Kind zu ihnen. Lange hab ich noch Briefe und Bilder geschickt und bekommen, jedoch habe ich mich während der Schwangerschaft mit meinem 2. Kind dazu entschlossen, den Kontakt einzustellen. Zum Geburtstag des Kindes und zu Weihnachten lasse ich einen Brief hinterlegen, wenn es 18 ist, wird es die Briefe erhalten.
Ich kann damit sehr gut umgehen, ich stand und stehe immer noch voll und ganz hinter meiner Entscheidung. Inzwischen habe ich 2 weitere gesunde Kinder, zudem bin ich inzwischen verheiratet, hab eine Ausbildung.
Dir würde ich empfehlen noch mal tief in dich zu gehen, willst du dein Baby wirklich abgeben? Bist du dir wirklich absolut sicher? Gibt es für dich wirklich keine Alternative? Denn eins kann ich dir mit Sicherheit sagen, nur weil ich damit problemlos Leben kann heißt es nicht, dass es dir ebenso geht.
Du hast zum Glück noch massig Zeit, um dir Gedanken zu machen, und nimm dir die Zeit auch.
Gehe zu einer Adoptionsvermittlungsstelle, stell all deine Fragen. Geh zu Pro Familia, sie bieten gute Schwangerschaftsberatung, wo es nicht um Abtreibung geht sondern einfach um dich, das Baby und was du für Möglichkeiten hast.
Viele Grüße
omega
 
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Re: Will mein Kind weggeben

Postby paprik_a on 30 May 2016, 21:51

Ich weiß nicht, wie eine Frau sich fühlt, wenn sie ein Kind woanders hingibt. Die Mutter unseres ersten Kindes tat das mehrfach hintereinander und das zu einem Zeitpunkt, wo sie und ihr Mann feststellten, dass sie einfach keine weiteren Kinder ernähren können. Alle Kinder, die zur Adoption freigegeben wurden, kennen sich. Ebenso wissen alle Kinder über ihre Herkunft Bescheid. Mein Kind möchte, wenn es alt genug ist, zuerst seine Geschwister kennen lernen, die noch in der Herkunftsfamilie aufwuchsen und jetzt selbst Familien haben. Für ihn ist es wichtig zu wissen, wie die Herkunftsfamilie aussieht und wie sie so sind.
Laut Aussage des Amtes für Jugend und Familie gibt es Frauen, die schaffen es das total auszublenden. Zum damaligen Zeitpunkt lehnte sie und auch ihr Mann jeglichen Kontakt auch nach dem 18.Lebensjahr der Kinder ab, die sie zur Adoption freigab. Das Kind was zuerst freigegeben wurde hat das Alter inzwischen fast erreicht.
Du hast lange Zeit, Dich beraten zu lassen und das von mehreren Stellen. Lass Dir Wege aufzeichnen, wie es auch mit Kind gehen kann. Die Mütter meiner zwei Pflegekinder haben es versucht und dann nicht geschafft. Die Gründe sind unterschiedlich, aber es gab bei beiden Geschichten leider nur Verlierer und die Kinder leiden unbewusst ein Leben lang.
Solltest Du aber zu irgendeinem Punkt feststellen, dass es gar nicht mehr geht, dann sei ehrlich zu Dir und auch zum Wohle des Kindes und triff eine Entscheidung für Euch beide. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, da seit ihr wieder wichtig und sei es nur darum Fragen ehrlich zu beantworten. Je nachdem wie einfühlsam die neue Familie damit umgeht werden die Kinder euch positiv oder negativ entgegentreten. Alles Gute
paprik_a
 
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