Ist das alles richtig?

Ist das alles richtig?

Postby yourAngel on 15 Jul 2016, 22:08

Ich bin 30, verheiratet, berufstätig. Es war eigentlich immer klar, dass wir irgendwann eigene Kinder haben möchten. Da es nicht funktioniert hat, hat mein Mann sich untersuchen lassen und es hat sich herausgestellt, dass wir auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können. Das war erst mal ein Schock, meine Frauenärztin hat dann gleich gesagt, dass eine künstliche Befruchtung doch eine gute Alternative wäre und hat mir auch gleich erzählen, auf der sich die Klinik vorstellt und erklärt wie das so funktioniert!
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber irgendwie habe ich im Hinterkopf, wenn es von der Natur nicht gewollt ist, warum sollten wir dann so gewaltsam eingreifen? Und klar, zugegeben hab ich auch abartig Angst vor diesem Eingriff! Ich denke jetzt seit einem Monat über eine Adoption nach, mein Mann hat sich ziemlich zurückgezogen zu diesem Thema. Nicht falsch verstehen, wir haben eine gute Beziehung, allerdings spricht er darüber nicht! Auch seine Eltern wissen davon noch gar nichts. Zu dem Thema Adoption hat er nur gesagt, dass er es sich nicht vorstellen kann ein fremdes Kind aufzunehmen! Ich weiß, dass wenn er es erst mal sehen, würde er seine Meinung ändern würde, er hat Kinder wirklich gern. Ich denke auch, dass er sich ein bisschen schuldig fühlt, aber er sagt es nicht.
Egal, jedenfalls wollte ich einfach mal von Menschen wissen, die ein Kind adoptiert haben, welche Erfahrungen sie gemacht haben, welche Auflagen man bekommt, was man wissen muss. Ist es sehr viel anders als eigene Kinder zu haben? Wie war das bei euch? Was sind eure Gedanken?
Lasst es mich wissen! Ich wache jeden Morgen auf und denke darüber nach und wenn ich abends ins Bett gehe, ist es mein letzter Gedanke! Ich hätte eigentlich auch immer gerne zwei Kinder gehabt, ist das auch erreichbar? Oder kann man froh sein, wenn man überhaupt eines bekommt?
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Re: Ist das alles richtig?

Postby Windchen210 on 15 Jul 2016, 22:12

Ich bin Adoptivkind und mir ist es sehr gut ergangen. Mein Bruder ist auch adoptiert (nicht mein leiblicher). Ich weiß, dass meine Eltern lange darum kämpfen mussten, dass sie ein zweites Kind adoptieren durften. Das lag damals am Alter meiner Eltern.
Wenn ihr euch entschliesst, ein Kind zu adoptieren, dann solltet ihr euch darüber im Klaren sein, wie ihr dem Kind erklärt, dass es nicht aus deinem Bauch kommt. Ihr müsst immer mit Fragen rechnen. Wollt ihr denn eine offene oder eine Inkognito Adoption?
Ich finde es gut, dass du dich hier schlau machst. Aber ich selbst kann Adoption für mich nicht vorstellen und habe eine EZSP gemacht und bin jetzt glückliche Mutter. Wenn es für dich aber ok ist, dann mache das und schenke einem kleinen Wesen die Liebe!
Windchen210
 
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Re: Ist das alles richtig?

Postby trixis on 15 Jul 2016, 22:24

Wenn ich Deinen Beitrag lese, denke ich, dass Du zuerst mit Deinem Mann reden solltest. Du glaubst zu wissen, dass er seine Meinung kein fremdes Kind aufziehen zu können ändern würde. Was aber, wenn er es nicht kann? Das hätte schlimme Folgen für das angenommene Kind, und auch für Eure Beziehung. Solltet ihr Euch dann für eine Adoption entscheiden, ist es wichtig, dass ihr für Euch erst mal verarbeitet, dass ihr keine leiblichen Kinder bekommt. Das ist bei manchen Jugendämtern eine der Voraussetzungen für eine Adoption. Weitere Voraussetzungen sind natürlich eine angemessene Wohnung, angemessener Verdienst, intakte Beziehung (besser verheiratet). Wenn ihr aus Deutschland adoptieren möchtet, solltet ihr wissen, dass auf jedes abzugebende Kind 12-16 Adobewerber kommen. Es gibt keine Wartelisten, die von oben nach unten abgearbeitet werden, sondern es wird für dieses eine Kind Eltern ausgesucht, die nach Meinung zu ihm passen.
Manche erwachsene Adoptierte waren sehr glücklich bei ihren Eltern. Andere sehr unglücklich. Hier haben wir viele Adoptierte, die sehr unter dem Zustand adoptiert zu sein leiden. Ich denke, den meisten ist es wichtig, dass die Eltern das Kind lieben, wie ein eigenes, aber nicht vergessen, dass da draußen noch andere Eltern sind, welche sie gezeugt haben. Ich persönlich befürworte die halboffene Adoption. So haben die Adoptiveltern und leibliche Eltern die Möglichkeit, sich kennen zu lernen. Und wenn man gut miteinander klar kommt, kann man die Adoption so weit öffnen, dass ein guter Kontakt entstehen kann. Deshalb kann ich nur raten, dass ihr Euch über die angebenden Eltern sehr gut informiert.
Hast Du mal darüber nachgedacht ein Kind in Pflege zu nehmen? Vielleicht antwortet Dir ja auch noch jemand, wie andere Frauen die künstliche Befruchtung erlebt haben. Der Unterschied zwischen adoptierten und leiblichen Kindern ist sicher erst mal nicht so groß. Aber man muß sich schon bewusst machen, dass es dann eben nicht nur die Eigenen sind, sondern dass sie auch noch andere Eltern haben.
Wünsche Die eine richtige Entscheidung treffen!
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Re: Ist das alles richtig?

Postby tilda on 15 Jul 2016, 22:48

Ich bin adoptiert und sehr glücklich!!! Ich weiß, dass meine Adoptiveltern fast 6 Jahre warten mussten. Wenn ihr euch wirklich ein Kind wünscht, ist es vor allem wichtig, ein adoptiertes Kind auf eine gewisse Art und Weise als eigenes Kind zu sehen, dass es nicht irgendwie fremd ist. Trotzdem sollte es immer wissen, woher es kommt. Und ich persönlich fand es toll, dass ich immer die Möglichkeit hatte, meine leibliche Mutter zu suchen, ohne meine Eltern traurig zu machen. Es war ja klar, dass ich noch eine Mutter hatte. Mit diesen Voraussetzungen bin ich glücklich aufgewachsen, ebenso ein anderes Mädchen, das ich kenne.
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Re: Ist das alles richtig?

Postby sofi_e on 15 Jul 2016, 22:58

Wir haben auch 7 Jahre auf unseren Sohn gewartet. Wenn Ihr ein Kind aus dem Ausland adoptiert, was schneller geht, solltet Ihr Euch im klaren darüber sein, dass Ihr immer auf dem Präsentierteller sitzt, ihr fallt einfach auf mit Eurem andersaussehenden Kind, und die Vermutungen, wie Ihr da dran gekommen seid, sind zum Teil wirklich haarsträubend.
Die Kinder fragen Euch nach dem warum und wieso, waren wir in Deinem Bauch, und Ihr müßt ihnen von Anfang an Rede und Antwort stehen. D.h. Ihr könnt die Antwort nicht totschweigen. Generell kann ich Euch sagen, adoptierte Kinder sind wie leibliche, und sie wachsen ganz normal auf und werden auch den deutschen Kindern zugerechnet. Meine sind beliebt, unser Sohn war im Kiga allgemein bekannt.
Nachdem ich mich viel über die Herkunft von Adopivkindern und Wurzelsuche befaßt habe, hätte ich mir gewünscht, ich hätte etwas von seiner Mutter erfahren bzw. ein Bild etc. von ihr bekommen, das hätte auch für mich manche Frage beantwortet. So aber hoffen wir immer noch, dass wir irgendwann Glück haben, diese Wurzeln zu finden...Bei unserer Tochter haben wir mehr Infos, wir hoffen, später einmal Kontakte knüpfen zu können.
Meine Kinder sind für mich in allererster Linie meine Kinder. Auch mein Mann und ich haben künstl. Befruchtung abgelehnt, bis zur Insemination haben wir es gemacht und dann war ganz definitiv zappenduster. Zu der Zeit lief die Adoption allerdings schon.
Was vielleicht für Deinen Mann hilfreich wäre, wenn er vielleicht mal solche Familien kennenlernen würde. Viele Grüße
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Re: Ist das alles richtig?

Postby Siri on 15 Jul 2016, 23:06

Wir haben uns direkt nach der Hochzeit ans Jugendamt gewendet, waren da 5 Jahre zusammen. Haben dann dort angerufen und einen Termin zur Information bekommen, bei der Sachbearbeiter, die auch weiterhin für uns zu ständig ist. Also bekamen wir allgemeine Informationen wie in unsere Stadt das Verfahren abläuft. Es gibt 6 Gespräche und die erst, wenn man den Fragebogen ausgefüllt und den Lebensbericht geschrieben hat und an das Jugendamt zurück geschickt hat. Das taten wir auch. Dann hatten wir unser erstes Gespräch, sie hatte sich Randnotizen an den Fragebogen und die Lebensberichte gemacht. Halt das was sie im Gespräch nochma vertiefen wollte. Einstellungen zur Erziehung, wer bleibt zu Hause etc.
Wir hatten insgesamt 4 Gespräche, man muss dazu sagen, dass wir uns lange mit dem Thema Adoption auseinander gesetzt haben, ich selber weiß seit ich 15 Jahre alt bin, dass ich keine Kinder bekommen kann, also setzt ich mittlerweile knapp 15 Jahre damit auseinander. Es gab halt bei uns auch nicht die Phase, wir probieren es ein Kind zu bekommen. Denn auch dass mus ja verarbeitet sein.
Wir mussten uns alle 3 Monate melden, also Interesse bekunden, wenn wir uin Urlaub weg waren vorab abmelden und dann wieder zurückmelden.
Ja und am 15. Juni ging morgens das Telefon, dass da ein kleines Mädchen am Morgen zuvor geboren wurde, das Eltern braucht. Wir sind zum Jugendamt gefahren, haben uns alles angehört, sind dann mit ihr zum Krankenhaus gefahren und da lag unsere Tochter.
Ich drück allen die Daumen, es kann auch schneller gehen als man denkt.
Siri
 
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Re: Ist das alles richtig?

Postby Ruth on 15 Jul 2016, 23:11

Hallo,
selbst Erfahrungen hab ich nicht, aber eine Freundin hat gerade ein Langzeitpflegekind bekommen, das ist wohl etwas einfacher und unkomplizierter, auch wenn man schon älter ist, als Adoption. Langzeitpflegekinder bleiben ihr Leben lang bei den Pflegeeltern. Sie hat ein Baby mit 6 Monaten bekommen, das noch nie bei seiner Mutter gelebt hat und vorher in der Kurzzeitpflege war. Vielleicht erkundigt ihr euch einfach mal bei eurem Jugendamt, wie das wäre usw....
Grüße
Ruth
 
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Re: Ist das alles richtig?

Postby Pika4u on 15 Jul 2016, 23:37

Ich würde lieber kinderlos bleiben, als ein Kind zu adoptieren. Entweder ein eigenes oder gar keins. Ich sehe absolut keinen Sinn darin, ein fremdes Kind aufzuziehen.
Hinzu kommt, dass gerade in Deutschland ja gesunde, normale Kinde extrem selten zur Adoption freigegeben werden. Ich hätte auch die Sorge, dass das Kind dann doch irgendwann die leiblichen Eltern sehen will und man halt doch nie 100%ig die "echte" Mutter wäre. Nein, das ist keine akzeptable Situation.
Pika4u
 
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Re: Ist das alles richtig?

Postby paprik_a on 15 Jul 2016, 23:42

Ich antworte hier nur kurz und knapp: es ist eine reine Herzensentscheidung! Entweder man ist davon auf ganzer Linie überzeugt oder man lässt es bleiben.
Es gibt ein Sprichwort das besagt: wenn du dich zu sehr fragst, ob sich deine Mühe überhaupt lohnt, dann bist du nicht mit ganzem Herzen bei der Sache. Erkundigt euch bei den richtigen Stellen und dann trefft eine Entscheidung. Der Weg, bis es zu einer Adoption kommt ist oft mühselig und langwierig. Deswegen liegt es an euch zu entscheiden, ob ihr diese Strapazen auf euch nehmen wollt.
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Re: Ist das alles richtig?

Postby omega on 15 Jul 2016, 23:44

Ich bin auch adoptiert worden. Als Baby mit 1 Jahr und drei Monaten. Mit drei Monaten kam ich zu meinen Adoptiveltern. Bis zur Adoption dauert es dann immer noch ein Jahr, zumindest damals. Meine Adoptiveltern konnten mir finanziell und auch von ihrem Bildungsniveau her die bessere Zukunft bieten und mich besser fördern. Aber nach wie vor ist es bis heute so geblieben, dass ich kaum etwas mit ihnen gemeinsam habe. Man sieht nichts, alle finden, ich sähe aus wie mein Adoptivvater. Aber charakterlich leben meine Adoptiveltern und ich in zwei getrennten Welten, auch wenn wir uns gut verstehen. Da meine leiblichen Eltern aus eher bildungsfernen Schichten stammten, kann man sich vorstellen, wie sehr ich gefördert wurde. Wenig bis gar nicht. Aber dennoch spricht aus meiner Sicht nichts gegen eine Adoption, insofern man nicht selbst davon ausgeht, man selbst hätte tolle Gene und man bekommt ein Kind mit schlechteren Genen, denn die machen nur ein Bruchteil aus. Es gibt ja auch keine "Produktion" von Adoptivkindern, die sind da und müssen untergebracht werden. Tut ihr es nicht, wird das Kind von einer anderen Familie adoptiert. Wenn sich jemand also in der Lage fühlt ein Kind zu erziehen, welches nur ähnliche, aber nicht die gleichen Gene hat, dann sollte er es tun.
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