Erfahrungsaustausch

Erfahrungsaustausch

Postby majorka4 on 26 Dec 2016, 22:48

Nach inzwischen 6 Jahren mit endlosen medizinischen Untersuchungen, OPs und 4 erfolglosen Eizellspenden-Versuchen (Frisch und Kryo), überlegen mein Mann und ich, ob wir nicht vielleicht besser den Weg einer Adoption gehen sollten. Wir haben uns natürlich mal an das entsprechende Jugendamt vor Ort gewandt und uns auch mit Begleitlektüren eingedeckt, doch die Aussagen, die man erhält, gehen z.T. recht weit auseinander bzw. mit einer beantworteten Fragen kommen sich fünf neue dazu.
Ich weiß, dass das ein sehr heikles, emotionales Thema ist, über das man sich nicht öffentlich äußern möchte, aber wenn jemand zu diesem Thema Erfahrungen hat und bereit wäre, sich darüber auszutauschen, wären wir sehr dankbar. Vor allem beschäftigt uns die Vorgehensweise eines Adoptionsverfahrens (evtl. weitere hilfreiche Informationsbroschüren etc.), euer Alter beim Stellen des Adoptionsantrags bzw. die Länge des Verfahrens und dann natürlich eure gemeinsamen Erfahrungen mit eurem Kind (z.B. Schwierigkeiten, auf die man sich einstellen sollte, aber natürlich auch gerne Positives). Wir sind noch ganz am Anfang dieses Weges, könnten uns aber gut vorstellen, dass dies ebenso ein Weg zu unserem Wunschkind sein kann. Vielen Dank schon mal im Voraus und euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby Engeline on 26 Dec 2016, 22:51

Ich hab mir vor kurzem zwei Bücher zu dem Thema Adoption/Pflegekind angeschafft. Dort stand, dass das Bewerbungsverfahren 1-2 Jahre dauert und dass der Altersunterschied zwischen Adoptiveltern und Kind in der Regel max. 40 Jahre beträgt. Unsere Chance auf einen Säugling wäre also eher gering. Meinen Mann schreckt ab, dass man quasi von einem Tag auf den anderen Eltern wird. Mich schrecken eher die Muster-Fragebogen "Würden Sie ein Kind nehmen, das ..." ab und die Tatsache der offenen Adoption. Mit wem muss man sein Kind da konfrontieren? Aus welchem Millieu kommen die leiblichen Eltern? Alles in allem hatten wir uns dann erstmal für den Mittelweg entschieden: EMS. Aber momentan überlege ich wieder, ob wir nicht doch parallel auch den Weg der Adoption in Betracht ziehen sollten, bevor es endgültig zu spät ist (wir sind jetzt 36 und 40 Jahre alt). Viele Grüße
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby Pika4u on 26 Dec 2016, 22:53

Wir sind noch immer mit dem Thema "Pflegekind" beschäftigt und haben vergangene Woche kurzfristig für zwei Nächte drei Mädchen beherbergt...Erfahrungen, die schon besondere sind - wir sind neben dem Jugendamt der Stadt, in der wir leben, in Kontakt mit zwei weiteren Jugendämtern und haben gestern z. B. erfahren, dass es schwierig ist, einen Säugling zu adoptieren, wenn man älter als 40 Jahre ist, es aber unproblematisch ist, wenn es ein größeres Kind ist, weil dann der gedachte Unterschied von 40 Jahren sind nach hinten verschiebt...Interessant war auch, dass auch sehr kleine Kinder eine große Bindungsstörung haben können, größere aber durchaus auch bindungsfähig sind. Pflegekinder sind sicherlich noch etwas anders als Adoptivkinder, in gewisser Weise nimmt man aber immer einen Teil der Herkunftsfamilie mit auf, das muss einem bewusst sein. Seit dem Ende unserer Kinderwunschbehandlung berapple ich mich - und ich bin froh, dass ich mittlerweile auf fast ein Jahr Abschluß zurückblicken kann.
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby majorka4 on 26 Dec 2016, 22:55

Vielen Dank für eure Infos! Zum Thema "Alter" hätte ich noch eine Frage: Ich bin 38, mein Partner wird aber schon 39. Bezieht sich diese Altersangabe "40" auf beide Partner oder nur auf denjenigen, der sich vorrangig um das Kind kümmern wird? Das soll jetzt bitte nicht arrogant klingen, aber mein Mann möchte sehr gerne einen Säugling adoptieren, weil er meint, dass dann die gegenseitige Bindung leichter fiele und die Kinder auch im ersten Lebensjahr entscheidend geprägt werden. Natürlich kann man dagegen argumentieren, dass diese Prägung bereits im Mutterleib beginnt und Eviva: Ich habe auch schon davon gehört, dass bereits Säuglinge eine Bindungsstörung haben können, aber ich habe - wenn ich ehrlich bin - auch etwas Bammel davor, ein deutlich älteres Kind zu adoptieren. Es ist alles Neuland für uns und irgendwie habe ich Angst vor dem Unbekannten - obwohl man das auch bei einem leiblichen Kind nicht planen kann, das weiß ich ja! Ich hoffe, ihr denkt jetzt nicht schlecht über mich, momentan ist alles noch sehr verwirrend.
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby Pika4u on 26 Dec 2016, 22:59

Zum Alter kann ich Dir leider keine Auskunft geben, das kannst Du aber alles sicherlich bei Eurem örtlichen Jugendamt erfragen. Ich denke, grundsätzlich ist bei allen Alternativen eine Sache gleich: Es sind zunächst einmal nicht die eigenen Kinder. Dass sich das gefühlsmäßig relativ zügig anders entwickelt ist sicherlich so, aber man ist halt nun mal nicht die leibliche Mutter, d. h., man selbst kann keine Angaben zum Verlauf der Schwangerschaft etc. machen.
Ich glaube, dass zu akzeptieren ist das Schwerste dabei! Und das braucht Zeit. Wenn Du erst 38 Jahre alt bist ist das doch super und eröffnet einige Optionen - denke ich. Ich würde mir mit allem Zeit lassen und die Dinge reifen lassen. Die Trauer braucht ihre Zeit! Ab Juli will ich wieder nach vorne schauen und wenn sich vielleicht beruflich eine interessante Perspektive ergibt... dann sind wir eben ein kinderloses Paar, das Patenkinder verwöhnt...Aber an dem Punkt sind wir noch nicht.
Viele liebe Grüße
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby yourAngel on 26 Dec 2016, 23:04

Wir hatten uns parallel zu unserem Leihmutterschaftsprogramm in Kiew auch Plan B (Adoption). Es war für mich wirklich ein Rennen oder Wettkampf, denn es kamen immer höhere Geldforderungen auf uns zu. Zuerst hat man von 8 000 eur gesprochen, dann 15 000 eur.
Wir waren 42 und 43 Jahre alt. Bei der Auslandsadoption wird das Alter summiert und dann durch 2 geteilt. Wir hätten dann auch Chancen auf ein 2,5-jähriges Kind gehabt. Haben uns in mehreren Vereine beworben, die Verfahren haben es in sich. Wir fanden auch die Gebühren sehr hoch, so lässt man bei einem vereinsinternen Psychologen rund 900 eur, damit der einen untersucht, ob man überhaupt fähig ist, ein Kind zu betreuen. Man ist dort freundlich, aber irgendwie ist alles sehr im Dunst und es kann auch sein, dass man nach der ganzen Prozedere ohne Kind da steht. Eine Familie, die gerade adoptierte, hat uns auch eingeladen. Es war sehr ernüchternd, denn die beiden afrikanischen Jungs(2 und 5 Jahre) haben nicht in die Einfamilienhaussiedlung gepasst, die Eltern waren sehr liebevoll zu den Kindern.
Ich habe sehr viel geweint in der damaligen Zeit, denn wir wurden dann sehr unschön davon unterrichtet, dass die Adotionsliste Brasilien geschlossen wurde, weil das Land seinen Probleme mit den Straßenkindern selbst in den Griff bekommen will. Wir wurden sehr enttäuscht.
Mein Tipp, entweder über ein Drittland (USA, Frankreich) oder in den Ursprungsländern selbst aktiv werden( Vereine, Waisenhäuser, Botschaften). Denn ich wünsche keinem Paar unsere Enttäuschungen. Thema Pflegekinder, das läuft in Deutschland gut. Man kann nach 1 bis 2 Jahren adoptieren. Wir hatten dann ein Pflegekind, es war wunderschön, leider wollte die Mutter nach ihrer Therapie das Kind zurück. Hat sie auch bekommen, was eigentlich nicht die Regel ist. Das Kind hatte sich bei uns sehr gut entwickelt, und sie sagt selbst, dass es Ihr wohlgeratenes Kind ist, ja warum auch? Die Zeit bis 3 Jahre ist sehr wichtig in der Entwicklung. Wir waren dann zur Leihmutterschaft, es hat geklappt und wir sind sehr froh, könnt Ihr Euch vorstellen. Ich habe 4 Monate vorher eine TCM-Behandlung gemacht. Zahlte keine Kasse, hat sich aber gelohnt, es hat sofort mit der Leihmutterschaft geklappt. Ich wünsche Euch alles Gute
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby Lisa_vogt on 26 Dec 2016, 23:06

Ich hatte mich nach dem zweiten Fehlversuch auch mit Adoption beschäftigt. Da ich 40 Jahre und allein stehend bin, kam für mich auch nur eine Auslandsadoption in Frage. Ich hatte mich auch an einen Verein zur Vermittlung gewandt. Das Prozedure ist wirklich sehr langatmig und kostenaufwendig. Ich war auf dem Weg ein Kind aus Haiti zu adoptieren. Ich hatte den Eindruck durch die Vermittlungsstelle gut betreut zu sein. Dann hat es doch noch im dritten Anlauf mit der EZS geklappt. Ich bin froh, dass ich nun die Schwangerschaft erleben darf. Bei einer Auslandadoption muß man sich auf ein traumatisiertes Kind einstellen. Die Ausprägung der Bindungsstörung ist dabei nicht unbedingt vom Alter abhängig. Ich beschäftige mich beruflich viel mit traumatisierten Menschen und hätte mir das auch zugetraut. Ich würde Euch nicht unbedingt raten es ohne Vermittlungsstelle direkt im Land zu versuchen. Eine Freundin versucht gerade ein Kind aus dem Senegal zu adoptieren und obwohl der Ehemann Senegalese ist scheint es nicht zu funktionieren. Man kommt so gut wie gar nicht an den deutschen unflexiblen Behörden vorbei. Alles Gute
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby paprik_a on 26 Dec 2016, 23:12

Wir haben eine 2jährige Adoptivtochter, die wir über alles lieben. Wir haben sie seit ihrer Geburt. Bei uns lief das mit unserem zuständigen Jugendamt recht gut und schnell ab. Wenn Du etwas wissen möchtest, kannst Du mich gerne Fragen. Hätten nämlich gerne ein Geschwisterchen dazu und sind gerade dabei ein Dauerpflegekind zu bekommen. In Deutschland bekommt man nur ein Adoptivkind, da es mehr Bewerber als Kinder gibt. Wir hätten es deshalb auch mal mit einer Auslandsadoption versucht. Aber dieser Verein kam uns dann so vor, als wären sie nur auf das Geld aus. Ständig kamen neue Fragebögen, dann wurden wieder Regeln geändert, Telefongespräche und die Schreiben wurden berechnet, es kostete einfach alles Geld. Als wir dann schon mehrere 1000 Euro in den Sand gesetzt hatten und immer noch nichts weiter ging, haben wir aufgehört. Eine Bekannte meiner Tante hat auch ein Kind aus dem Ausland adoptiert und war bis sie das Kind endlich hatte 48.000 Euro los. Mittlerweile fühlt sich dieses Thema für uns nicht mehr richtig an. Aber das ist jedem seine eigene Entscheidung und auch kein Angriff an irgendjemand hier. Aber uns kam es dann so vor, als würden wir uns ein Kind kaufen. Hier in Deutschland hat es uns nur die Arztuntersuchung und Gutachten gekostet und ein bißchen Zeit...Man sollte sich aber auch im Klaren sein, dass Adoptivkinder immer ein Säckchen bei sich tragen. Den nur in wenigen Fällen, sind es Kinder von gesunden Müttern. Z.b. Alkoholprobleme, Drogen, usw. Je kleiner das Kind umso kleiner auch die Last die sie seither verkraften mussten.
Wünsche Euch alles Gute!
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby Siri on 26 Dec 2016, 23:15

Wir haben uns parallel zu den EZS Versuchen (nach 2 Versuchen und einer FG) auch für eine Adoption entschieden. Wir haben uns angemeldet - das ganze mühsame Verfahren durchgemacht - und gewartet. Daneben mit den EZS- Versuchen weitergemacht. Ich habe auch sehr viel geweint und war völlig am Verzweifeln zu dieser Zeit. An Silvester vor einem Jahr war ich total am Ende. Ich hatte das Gefühl, dass wir doch einfach alles versuchen und nichts klappen will. Dann... am 8. Januar - also ziemlich genau vor einem Jahr - haben wir das schönste Telefon des Lebens bekommen. Wir waren auserwählt worden und konnten 3 Tage später unseren Adoptivsohn kennen lernen. Wir haben im August nochmals einen Versuch gemacht und siehe da - ich bin schwanger geworden und nach 7 Versuchen auch zum ersten Mal geblieben!
Wir werden also eine ganz spezielle Familie sein! Ich weiss, dass es nicht ganz einfach sein wird. Ein Kind adoptiert und eines aus Eizellenadoption. Aber wir sind einfach überglücklich, nach all diesen Jahren so schnell 2 Kinder zu haben und ich liebe sie beide schon von ganzem Herzen! Ich bin auch sehr dankbar, dass ich also doch noch eine SS erleben darf. Wir hatten wirklich unendlich Glück und ich finde, all die schrecklichen Jahr, das Warten, Hoffen, Bangen und die enormen seelischen Schmerzen haben sich gelohnt. Wenn du Fragen hast oder dich austauschen willst, bin ich gerne bereit. Mit 38 hast du sicher noch sehr gute Chancen auf eine Adoption. Das Alte des Mannes spielt zum Glück weniger eine Rolle. Liebe Grüsse
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Re: Erfahrungsaustausch

Postby Ruth on 26 Dec 2016, 23:16

Ich glaube das Alter gilt bei Adoption. Aber anmelden schadet ja nichts, oder? Dann läuft wenigsten alles schon mal an, für alle Fälle. Ich weiß, dass es im Ausland andere Auflagen gibt, daher kann man da mehr Chancen haben. Und mit dem Geld - ich denke das fällt ja auch nicht alles auf einmal an, und die Versuche sind auch teuer. Wir hatten uns angemeldet. Ich hab das Verfahren ausgesetzt wg Schwangerschaft. Aber es hat mich sehr beruhigt. Vielleicht hat es auch daher geklappt, weil wir so entspannt waren und schon im Adoptionsverfahren waren, wer weiß.
Aber beim nächsten Mal klappts doch
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